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Martha Sebök (2): "Gesetze alleine genügen nicht, das muss in die Köpfe hinein"
UG 2002
Michaela Hafner (Redaktion) am 21. Oktober 2003

Im zweiten Teil des Interviews spricht Vizerektorin Martha Sebök über frauenfördernde Maßnahmen, die Mobilität österreichischer WissenschafterInnen und erinnert sich an ihre Studienzeit an der Universität Wien.

Redaktion: Was haben Sie im Bereich Frauenförderung geplant?
Martha Sebök: Auch im Bereich der Frauenförderung soll es eine Kooperation mit der Medizin-Uni geben. Frauenförderung ist ein zentrales Anliegen für die Universität, auch im Hinblick auf die Humanressourcen, die sie braucht: 60 % Absolventinnen stehen nicht einmal 10 % Professorinnen gegenüber, da besteht großer Handlungsbedarf. Man wird auf qualifizierte Frauen nicht verzichten können, wir müssen uns bemühen, Frauen in Leitungsfunktionen hineinzubekommen, Aufstiegsbarrieren sind abzubauen. Der Umfang der Aufgaben in den Bereichen Gleichbehandlung und Frauenförderung wird daher stark zunehmen. Gesetze alleine genügen nicht, das muss in die Köpfe hinein: Wenn sie nicht gelebt werden,  bleiben die Reformgedanken totes Recht.

Redaktion: Was kann man machen, dass es "in die Köpfe hineingeht"?
Sebök: Da sind wir wieder bei der Personalentwicklung. Ich denke, dass man durch Führungskräftetraining gezielt sehr viel erreichen kann, aber auch über finanzielle Anreize. Ich setze große Hoffnungen in das neue Gesetz; Frauenförderung, Gleichstellung und Gender Mainstreaming werden bei den Leistungsvereinbarungen zwischen dem Ministerium und der Universität sowie bei den Zielvereinbarungen der einzelnen MitarbeiterInnen mit den LeiterInnen der Organisationseinheiten zu berücksichtigen sein. Es wird  also ein Anreizsystem zur Zielerreichung, aber durchaus auch Sanktionen geben müssen, wenn dies nicht gelingt.  

Das UG 2002 sieht neben einem Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen als neue Einrichtung für die Gleichstellung z.B. die Schiedskommission vor. In Hinkunft werden die Beschwerdeverfahren nicht mehr beim Ministerium geführt werden, sondern hier im Haus. Dadurch wird sich eine Beschleunigung der Verfahren und eine Verbesserung der Situation ergeben. Vom Frauenförderplan erwarte ich mir, dass er in allen Personalbereichen auch umgesetzt wird.
Konkret zu den Aufgaben in der Frauenförderung: Ich möchte unbedingt die erfolgreichen Vorhaben und Einrichtungen, die meine Vorgängerin initiiert hat, weiterführen und ausbauen. Ich nenne da als Beispiele nur das Mentoring-Projekt oder die Beratungsstelle für sexuelle Belästigung und Mobbing.
Im Projektzentrum Genderforschung setzen wir u.a. weiterhin auf die Koordination des Studienschwerpunktes Gender Studies und planen die Entwicklung neuer Projekte.

Redaktion: Reichen die Maßnahmen zu Frauenförderung und Gender Mainstreaming, die im Gesetz stehen, aus, um das Ziel, Frauen höhere Positionen zugänglich zu machen, zu erreichen?
Sebök: Im Gesetz steht eigentlich schon sehr viel, aber wie gesagt, das muss gelebt werden. Frauen sollen in ihren Qualifikationen gestärkt werden und dabei über die Frauenförderung spezielle Hilfestellung erhalten.
Ich denke, dass man mit finanziellen und anderen Anreizen sowie Leistungs- und Zielvereinbarungen einiges  bewirken kann. Aufgrund meiner Erfahrung sind Frauenförderung und Gleichstellung aber Themen, bei denen Fortschritte leider nur in kleinen Schritten erzielt werden können. Vielfach ist es auch ein Generationenproblem.
Was mich sehr optimistisch stimmt, ist, dass das Rektorat "Frauenfragen" gegenüber sehr aufgeschlossen ist.

Redaktion: Sehen Sie Gefahren für die Frauenförderung oder Gender Mainstreaming?
Sebök: Nein, aufgrund der genannten guten Möglichkeiten, die das Gesetz bietet.

Redaktion: Das neue Uni-Gesetz legt Entscheidungen über Budgetmittel, Förderungs- und Bildungsprogramme in die Hand autokratisch organisierter Instanzen, in denen der Frauenanteil nicht sehr hoch ist. Greifen die im Gesetz festgelegten Maßnahmen, obwohl fast nur Männer Entscheidungen treffen?
Sebök: Ich hoffe, dass die im UG 2002 vorgesehenen Maßnahmen greifen. Es ist in mehreren Stellen im Gesetz verankert, dass z.B. Frauenförderung oder gewisse gesellschaftliche Ziele bei den Leistungsvereinbarungen mit dem Ministerium wichtige Kriterien sein werden. Ich verstehe schon, dass die Frauen Bedenken haben. Aber die gesetzlichen Vorgaben sind da, und ich bin eigentlich sehr zuversichtlich. Auch bisher war es so, dass eine frauenfreundliche Fakultät zusätzliches Personal bekommen konnte. Dieses Instrument muss noch verstärkt werden, auch über die Zielvereinbarungen.

Redaktion: Sie waren in Ihrer Funktion als Beamtin des Wissenschaftsministeriums Delegierte im Programmausschuss der EU-Rahmenprogramme (4-6): Was kann die Universität Wien tun, damit ihre WissenschafterInnen/ForscherInnen erfolgreich an diesen Programmen teilnehmen, sprich Fördergelder bekommen?
Sebök: Meine Erfahrungen aus dem EU-Bereich sind, dass die ÖsterreicherInnen vergleichsweise nicht sehr mobil sind. Im Studentenbereich wird es zunehmend besser, beim wissenschaftlichen Personal besteht noch Nachholbedarf.  Das hat bestimmte Gründe: Oft war es so, dass die jungen WissenschafterInnen, die vor Ort geblieben sind, bessere Karrierechancen hatten als KollegInnen, die Zeit im Ausland verbracht haben. Mobilität war oft nicht karrierefördernd, sondern eher karrierehemmend.

Schon seit einigen Jahren ist im Dienstrecht verankert und nun im UG 2002 verstärkt, dass Mobilität bei der Qualifikationsprüfung als positives Kriterium zu werten ist. Hinzu kommt, dass in manchen Ländern die Forschungsgelder knapp sind, in den neuen Beitrittskandidatenländern z.B. schreiben WissenschafterInnen Anträge en masse, weil es die einzige Möglichkeit ist, zusätzliches Geld zu bekommen. Diesen "Hunger" nach der Nutzung  von Forschungsmöglichkeiten im Ausland vermisse ich in manchen Bereichen. Oft fehlt auch das Know-how, wie man ein Proposal mit Aussicht auf Erfolg schreibt. Hier müssen wir im Rahmen der Personalentwicklung noch stärker das technische Rüstzeug vermitteln. Das allerwichtigste ist aber - und da sehe ich für die Universität Wien sehr gute Chancen - immer  noch die scientific excellence: Wenn etwas wissenschaftlich top ist und im Proposal entsprechend präsentiert wird, sind die Erfolgschancen meist sehr gut.

Redaktion: Fühlen Sie sich an Ihrem neuen Arbeitsplatz wohl?
Sebök: Ich bin an der Universität Wien überaus freundlich aufgenommen worden und habe nach meiner Wahl sehr viele E-Mails mit Glückwünschen bekommen, zum Teil auch von ehemaligen Schülern, die nun Professoren sind. Das war natürlich ein schöner Einstieg. Das Arbeitsklima im Rektorat ist sehr angenehm. Die viele Arbeit hat mich nicht erschreckt, sonst hätte ich mich nicht darauf eingelassen.

Redaktion: Was verbindet Sie mit der Uni Wien, wie haben Sie Ihre Studienzeit in Erinnerung?
Sebök: Ich habe meine Studienzeit sehr positiv in Erinnerung, obwohl das eine sehr harte Zeit für mich war. Ich habe in Rekordzeit studiert und meine Dissertation noch vor Ende des 8. Semesters eingereicht. Mein Jusstudium habe ich neben meinem Beruf als AHS-Lehrerin, neben Kind und Familie gemacht, das war sehr anstrengend - aber ich habe es keinen Moment bereut und kenne daher durchaus auch die Probleme von berufstätigen StudentInnen.
Was mich mit der Uni Wien verbindet: Hier habe ich mir das Rüstzeug geholt für alles, was ich im Leben erreicht habe oder geworden bin - da gibt es natürlich ein gewisses Gefühl der Dankbarkeit. Ich hatte hier gute Lehrer, es war eine sehr prägende Zeit. Dass ich hierher einmal zurückkehre, hätte ich nicht gedacht. (mh)

Lesen Sie hier den ersten Teil des Interviews mit Vizerektorin Martha Sebök.

Lebenslauf
Informationen zum UG 2002
Rektorenteam

Personalabteilung
Personalentwicklung
Projektzentrum Frauenförderung
Projektzentrum Genderforschung

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