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Max Kothbauer - Vorsitzender des Universitätsrates
UG 2002
Dieter N. Unrath (Redaktion) am  8. Juli 2003

Mag. Max Kothbauer ist seit März 2003 Mitglied und Vorsitzender des Universitätsrates der Universität Wien. DieUniversitaet.at führte mit dem Unternehmensberater und ehemaligen Generaldirektor der Österreichischen Postsparkassen AG ein Gespräch über die Arbeit des Universitätsrates und über seine Wünsche für die Universität Wien.

DieUniversitaet.at: Was waren für Sie persönlich die ausschlaggebenden Gründe, Mitglied bzw. Vorsitzender des Universitätsrates zu werden?

Max Kothbauer: Ich habe mich schon seit längerem mit Fragen des Universitätsrechts beschäftigt. Außerdem habe ich immer bedauert, dass man die Thematik Bildung im politischen Diskurs vernachlässigt. Ich komme zwar aus der Wirtschaft, war aber immer der Meinung, dass Bildungsfragen - und zwar in der ganzen Palette von der Kindheit bis zur obersten Sprosse der Bildungsleiter - ein Schwerpunkt des öffentlichen Interesses sein sollte.

 
 

Max Kothbauer

DieUniversitaet.at: Wie würden Sie einem Außenstehenden die Aufgaben des Universitätsrates beschreiben?

Kothbauer: Das Gesetz hat einen ganzen Katalog vorgesehen. Natürlich ist die Leitung der Universität dem Rektorat vorbehalten, also die exekutive Gewalt liegt dort. Es kommt daher nicht von ungefähr, dass der Universitätsrat, der im Gesetz selbst als oberstes Organ der Universität bezeichnet wird, dieser bewusst starken Leitung ein Gegengewicht bieten soll. Das Gesetz sieht das sehr vernünftig vor. Auf der einen Seite hat man den akademischen Senat, der in allen Lehrfragen eine ganz wichtige Rolle spielt, insbesondere bei den Curricula, und in fast allen anderen ist das Gegenstück, oder besser gesagt die Balance zu einem verstärkten Rektorat eben der Universitätsrat.
Die Aufgaben sind, den Entwicklungsplan der Universität mitzubegleiten, diesen und auch den Organisationsplan zu genehmigen und vieles mehr. Aber das Wichtigste ist, dass er ein gut zuhörender, gut wissender und gut agierender Partner der anderen Organe ist. Meine ersten Eindrücke von der Zusammensetzung unseres Rates sind eigentlich ziemlich vielsprechend.

DieUniversitaet.at: Wie verläuft die Zusammenarbeit im Universitätsrat?

Kothbauer: Es war ein ganz interessanter Beginn. Wir haben bereits vier Sitzungen hinter uns und diese waren sehr intensiv, alle haben ca. sieben Stunden gedauert. Es zeigt sich, dass wir langsam eine Dynamik in den Universitätsrat bekommen. Ich glaube, dass - allen Unkenrufen zum Trotz - diese Zusammensetzung Voraussetzung für einen guten Dialog ist. Wir haben das Glück, dass wir relativ viele akademische Persönlichkeiten im Rat haben. Die Universität selbst hat drei akademische Lehrer berufen. Die anderen Personen sind Repräsentanten der "Civil Society", wie das im Gesetz vorgesehen ist. Die ersten sehr intensiven Diskussionen zeigen, dass sich eine sehr interessante Entwicklung anbahnt, wo es keinesfalls primär um kaufmännische Fragen geht, obwohl uns natürlich das Budget sehr am Herzen liegt und wir schon zweimal über diese Fragen intensiv mit dem Rektorat gesprochen haben.

DieUniversitaet.at: Die Bestellung von Dr. Friedrich Stefan zum Universitätsrat war durchaus umstritten. Welche Position nimmt der Universitätsrat in dieser Frage ein?

Kothbauer: Das sind zwei verschiedene Ebenen. Die eine Ebene ist die konkrete Zusammenarbeit im Universitätsrat, die ausgezeichnet ist. Wir haben unseren Beitrag geleistet und wirklich gute Diskussionen geführt. Die andere Ebene ist die Berufung in den Universitätsrat. Das ist sozusagen eine politische Frage, und da kann ich nur sagen, dass wir eine Regierung haben, die nach bestimmten Farben zusammengesetzt ist, und letztlich spiegelt dieser Universitätsrat dieses Spektrum der Regierung wider.

DieUniversitaet.at: Im §21 Abs. 1 UG 2002 steht, dass der Universitätsrat berechtigt ist, sich über alle Angelegenheiten der Universität zu informieren. Welche Angelegenheiten liegen Ihnen besonders am Herzen?

Kothbauer: Natürlich beschäftigen mich vor allem Budgetfragen, aber langfristig sind die Fragen der Entwicklung der Universitäten das Spannendere. Was mich primär interessiert ist, wie schaffen wir es, eine Bildungsinstitution zu bleiben und in manchen Aspekten vielleicht noch zu werden. Eine Bildungsinstitution, die auf der einen Seite das Bedürfnis der Gesellschaft befriedigt, für alle Sparten des Lebens best ausgebildete Personen zu bekommen, und auf der anderen Seite, das ist bei weitem nicht weniger wichtig, in möglichst vielen Gebieten echte akademische Spitzenleistung hervorzubringen. Das ist eine unglaublich schwierige Aufgabe, aber die Bedeutung der Universität Wien zwingt uns dazu. Es soll eine Entwicklung vorangetrieben werden, die diese Universität zu einer der attraktivsten Universitäten Europas macht. Das bedeutet, dass man zugleich die Arbeit an der Ausbildung der sehr vielen Studierenden leistet, auf der anderen Seite alles unternimmt, Spitzenleistungen überall dort, wo sie möglich erscheinen, zu fördern. Eine weitere ganz wichtige Aufgabe ist, dass man den Stellenwert der Universitäten in der Gesellschaft deutlich erhöht und - um wieder auf den Punkt der Civil Society zurückzukommen, die ja in den Universitätsräten ist und sein sollte - dass wir auch allesamt gleichsam Botschafter oder Kämpfer für die Universitäten in der Gesellschaft sind. Die Universitäten sind ganz wichtige Einrichtungen, spielen aber leider nicht in der ersten Liga der politischen Themen.

DieUniversitaet.at: Welche Wünsche haben Sie für die Universität Wien? Wo sehen Sie die Universität Wien in zehn Jahren?

Kothbauer: Ich wünsche mir, dass in ganz Europa und auf der ganzen Welt junge Menschen sagen: ‚Ich möchte ein Jahr oder ein paar Semester an der Wiener Universität studieren, denn dort habe ich in diesen und jenen Fächern die besten Lehrer.' Und ich möchte in zehn Jahren eine Universität haben, wo Spitzenforscher, woher sie auch herkommen mögen, Interesse haben, an diese Universität berufen zu werden und wo gute Ausbildung und gute Arbeitsplätze für die Universitätsbeschäftigen geboten werden. Vielleicht muss man nicht gerade das Kriterium anlegen, Nobelpreise in den nächsten Jahren zu bekommen. Man soll aber auch nicht zu tief greifen. Wir wollen in einigen Fächern zu den besten der Welt zählen. (du)

Lebenslauf Mag. Max Kothbauer
Universitätsrat der Universität Wien

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