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Mehr berufliche Mobilität mit neuem Studiensystem |
| EU-Erweiterung |
| Eszter Bokor (Redaktion) am 24. März 2004 |
Im zweiten Teil des Interviews nimmt Vizerektor Arthur Mettinger Stellung zum dreigliedrigen Studiensystem und den Chancen des Bakkalaureatstudiums am Arbeitsmarkt. |
Redaktion: Im Zuge des Bologna-Prozesses kommt es auch zu einer gravierenden Umstellung im Bereich der Studien: das neue dreigliedrige System mit Bakkalaureat, Master und Doktorat wird eingeführt. Manche befürchten, dass das Bakkalaureat eine Art "Studium-Light" sein wird. Arthur Mettinger: Das sehe ich nicht so, denn für die Wissensgesellschaft ist eines essenziell: das lebensbegleitende Lernen. Menschen werden diskontinuierliche Bildungsbiographien haben: Sie werden ein Erststudium machen, dann in den Arbeitsprozess eintreten, werden aber wieder an Bildungsinstitutionen zurückkehren. Das Bakkalaureat soll eine qualitätvolle akademische Erstausbildung sein. Aufgrund der wirtschaftlichen und der gesellschaftlichen Struktur wird es für die Menschen immer schwieriger sein, die entsprechende Zahl von Jahren für eine Pension zu erwerben. Das Ziel ist, dass Menschen die Möglichkeit haben, in drei Jahren das Bakkalaureat zu erwerben, wobei niemand in drei Jahren fertig sein muss. Einige KollegInnen werden nach dem Bakkalaureat die Universität verlassen, um vielleicht später zurückzukommen. Andere werden an derselben Universität ein Magisterstudium anschließen oder an derselben Universität ein anderes Magisterstudium. Das heißt mit dieser Dreiteilung erreichen wir vertikale Mobilität. Redaktion: Es gibt noch eine gewisse Skepsis bezüglich des Erfolges am Arbeitsmarkt. Mettinger: Es wird sicher notwendig sein, der Wirtschaft das Konzept des Bakkalaureats zu erklären, denn es geistert immer als Kurzstudium durch die Köpfe, und das ist es ja nicht. Das heißt nicht, dass sich die Universitäten in Zukunft ausschließlich als Zulieferer der Wirtschaft sieht, es heißt aber sehr wohl, dass man auch Bedürfnisse der Welt außerhalb der Universität berücksichtigt. Die Universitäten können sich von den gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen nicht abkoppeln - sie haben sie kritisch zu hinterfragen und zu reflektieren, aber sie können nicht so tun, als gäbe es keine Globalisierung und als gäbe es nicht eine Zeit, in der das Wissen immer wichtiger wird, in der das Wissen immer schneller veraltet. Wir haben die interne Sicht, die sehr stark wissenschaftlich determiniert ist, aber daneben muss man gerade bei den Bakkalaureatstudierenden fragen, welche Möglichkeiten ein/e AbsolventIn auf dem Arbeitsmarkt hat. Beides muss in einem ausgewogenen Verhältnis mitbedacht werden. Redaktion: Wie weit stehen die Lehrenden hinter dieser Umstellung? Mettinger: Ein Teil des Universitätspersonals verhält sich vorsichtig abwartend. Das ist klar, der Weg kann auch nur sein, nicht einfach generell die Umstellung zu verkünden, sondern individuell, Studienrichtung für Studienrichtung, mit den ProfessorInnen, AssistentInnen und Studierenden zu diskutieren. Wesentlich ist, sich nicht nur auf die Innenperspektive zu konzentrieren, sondern sich sehr wohl damit auseinanderzusetzen, was in Europa passiert. Genau das ist auch der Grund, warum wir das Bologna-Laboratorium machen: Um den eigenen KollegInnen zu zeigen, was um uns herum passiert. Es gibt eine Reihe von Studienrichtungen, die schon auf das dreigliedrige System umgestellt haben. Diese Studienrichtungen haben nicht gewechselt, weil sie mussten, sondern weil sie wollten. Der Bologna-Prozess ist ein freiwilliger Prozess, er kann nur funktionieren, wenn es gelingt, die KollegInnen und die StudentInnen zu überzeugen, dass er für die Beteiligten vorteilhaft ist. Es ist die Aufgabe aller an der Universität, sich nicht gegen Entwicklungen zu sträuben, die den AbsolventInnen ein höheres Maß an Chancen bieten. Wir wollen ja kein "Dinosaurier" werden. Das Bologna-System gibt nichts anderes als ein Framework vor und es liegt an uns, an der autonomen Universität, dieses Framework zu füllen. Es geht aber darum, das als Chance zu sehen, um überkommene Studienstrukturen zu hinterfragen, auf Aktualität und Relevanz für die Zukunft zu überprüfen und Studien modular so aufzubauen, dass horizontale und vertikale Mobilität möglich sind. (eb) Lesen Sie hier den 1. Teil des Interviews mit Vizerektor Arthur Mettinger. Vizerektor Arthur Mettinger Bologna-Laboratorium |
