![]() Das Institut für Numismatik besitzt eine Münzsammlung von Weltgeltung: die Sammlung Brettauer. Sie ruht in den Schubladen von drei Holzschränken. ![]() Medicina in Nummis: 6500 Münzen zum Thema Medizin hat der Triestiner Augenarzt Brettauer zusammengetragen ? ein numismatischer Schatz. Fotos: Michael Metlich Institut für Numismatik und Geldgeschichte Archiv der Universität Wien 40 Jahre Institut für Numismatik und Geldgeschichte |
Münzen: Das Vermögen der Universität Wien |
| Sammlungen an der Universität Wien |
| Daniela Schuster (Redaktion) am 26. September 2005 |
Der Reichtum der Universität Wien ist ? in Bezug auf die Sammlungen ? auch ein im wahrsten Sinne des Wortes monetärer, nennt die Alma Mater Rudolphina doch gleich zwei numismatische Sammlungen ihr eigen. Es sind dies die Sammlung am Institut für Numismatik und Geldgeschichte, zu der neben einer Lehrsammlung auch die weltberühmte Sammlung Brettauer zählt, und die Medaillensammlung des Universitätsarchivs. |
Seit über 2000 Jahren üben Münzen auf Menschen einen ganz besonderen Reiz aus. Und es ist nicht allein ihr Wert. Auch ihr Glanz, ihr Vermögen, die Jahrhunderte zu überdauern und damit Zeugnis der Geschichte abzulegen, sowie die Kunstfertigkeit, die sich oft hinter ihrer Kreation verbirgt, faszinieren nicht nur NumismatikerInnen. Als im Jänner 2002 der Euro die bisherigen Landeswährungen ablöste, brach in der Bevölkerung ein regelrechtes Sammelfieber aus. Dieses breite Interesse an Münzen rückt auch einen "Schatz" der Universität Wien wieder ins Rampenlicht: die beiden numismatischen Sammlungen der Alma Mater Rudolphina. Medizinische Münzen: "Medicina in Nummis" Die numismatische Sammlung am Institut für Numismatik und Geldgeschichte umfasst zwei Teile: eine Lehrsammlung und die berühmte Sammlung Brettauer, die dem Thema "Medicina in Nummis" gewidmet ist und eher selten zu Lehrzwecken eingesetzt wird. Personenmünzen mit dem Antlitz berühmter Ärzte finden sich ebenso darunter wie etwa Medaillen, die zum Jubiläum der Pockenimpfung herausgegeben wurden oder spezielle Münzen für die Essensausgabe in einer Nervenheilanstalt. "Als große geschlossene Sammlung von rund 6500 Münzen und Medaillen von der Antike bis 1900 auf dem Gebiet der Medizin genießt sie Weltgeltung", erklärt ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Hubert Emmerig. Einst ruhte dieser Schatz im Münzkabinett des Wiener Kunsthistorischen Museums, heute in drei Holzschränken am Institut. "Nur wenige Leute wissen, dass die Universität Wien im Besitz dieser Sammlung ist." Ab und an kommen aber Numismatiker aus aller Welt ans Institut, um vor Ort zu forschen. "Wir haben versucht, einige kleinere Münzposten aus der Moderne nachzukaufen, um die Sammlung zu ergänzen. Doch weder in Qualität noch in Lückenlosigkeit können wir mit dem Vater der Sammlung, dem Triestiner Augenarzt Josef Brettauer (1835-1905), mithalten", meint der Wiener Numismatiker. Münzen für Forschung und Lehre Die Lehrsammlung umfasst ca. 19.000 Münzen und Medaillen aller Zeiten und Gebiete. "Die alte Lehrsammlung wurde um 1900 von Professor Kubitschek vom Institut für Alte Geschichte angelegt und wird heute vor allem in Hinblick auf die Lehre in Mittelalter und Neuzeit ergänzt. Allerdings sind wir vor allem auf Schenkungen angewiesen, da wir für Käufe seit Jahren kein Budget mehr haben", erklärt Hubert Emmerig. Teile der Sammlung wurden 1980, als der Raum, in dem sich die Münzschränke befinden, noch keine Alarmanlage und Gitter vor den Fenstern besaß. Die Münzen kehrten jedoch über den Umweg der Polizei wieder zurück. Abgesehen vom Ärger mit dem Gesetz lohnte sich der Einbruch auch so kaum: "Wir sammeln ja nicht ausgesucht schöne und gut erhaltene Stücke. Wir müssen auf Quantität statt auf Qualität setzen, um mit dem vorhandenen Budget die Sammlung ergänzen und so unseren Lehrauftrag erfüllen zu können", so Emmerig. Fälschungen machen Freude In der Lehrsammlung befinden sich auch neuzeitliche Fälschungen antiker Münzen. "In der Lehre kann die Beschäftigung mit den Kennzeichen von Fälschungen ? etwa die Prägung eines antiken Goldmünzenmotivs in Silber ? sehr fruchtbar und spannend sein, auch im Hinblick auf die spätere Arbeit als Münzexperte", sagt der Numismatikprofessor. An Fälschungen heutiger Euromünzen kommt aber selbst das Institut zu Forschungs- und Lehrzwecken nicht heran, die Nationalbank zieht sie sofort aus dem Verkehr. Vom Gold zu Gips Die Lehrsammlung wächst kontinuierlich, wenn auch aus Geldgründen sehr langsam. Von vielen Münzen, die selten und teuer, aber für die wissenschaftliche Arbeit von Bedeutung sind, existiert daher an der Universität Wien kein Original, sondern nur ein Gipsabdruck. Ebenfalls als vorzüglich und erschwinglich hat sich die große Fotokartei des Instituts erwiesen, in der etwa 800.000 Münzabbildungen gespeichert sind. "Ihr weiterer Ausbau erfolgt vornehmlich durch Einfügung von im Zuge von Detailforschungen zusammengetragenem Abbildungsmaterial", erzählt Emmerig. Besser als Lehrbücher: Auktionskataloge Bestückt wird die Fotokartei unter anderem mit Abbildungen aus Münzauktionskatalogen. Ursprünglich als Reservoir für die Arbeit an der Kartei gedacht, hat die Sammlung von Auktionskataloge aber bereits ein Eigenleben entwickelt. Sie beherbergt derzeit etwa 15.000 Einheiten, getauscht wird mit Bibliotheken in der ganzen Welt und Auktionshäusern. "Diese Auktionskataloge bieten der wissenschaftlichen Öffentlichkeit fotografisch einen kostenlosen Zugang zu Münzen, bevor sie dann unter Umständen für Jahrzehnte wieder in der Vitrinen eines Sammlers verschwinden", betont der Wiener Münzforscher ihre Bedeutung. Die Medaillen im Universitätsarchiv Neben den numismatischen Sammlungen am zuständigen Institut beherbergt auch das Archiv der Universität Wien unter ihren universitätsgeschichtlichen Sammlungen, welche die schriftlichen Quellen ergänzen und bereichern und auch ihren Zugang erleichtern, eine Medaillensammlung. Sie ist mit Universitäts- und Personenmedaillen ein Spiegelbild internationaler Begegnungen und wissenschaftlicher Leistungen im Rahmen der Universität Wien. "Der Reiz liegt aber nicht in der prunkenden Selbstdarstellung von Leistungen und Verdiensten, sondern in der Vielfalt und Disparität des Materials", so ao. Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Szaivert vom Institut für Numismatik in einem Geleitwort im Buch "Medaillen der Wissenschaft" von Mag. Lothar Hölbling, einer Bearbeitung der Medaillensammlung des Archivs. "Die Stücke aus allen Herren Ländern dokumentieren augenfällig, dass Wissenschaft sich nicht in der kleinen Gelehrtenstube abspielt, sondern in zunehmendem Maße nur noch in internationaler Kooperation." Das älteste der 266 Stücke, eine vergoldete Silbermedaille aus 1624, feiert den Sieg der Gegenreformation in Österreich. (dan) |


