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Ost-Erweiterung in der Kunst
EU-Erweiterung
Simone Kremsberger (Redaktion) am 18. März 2004

Die EU-Erweiterung wird zunehmend im Wiener Kunst- und Kulturleben sichtbar: Etwa in der Gruppenausstellung "Eintritt frei" in der BAWAG Foundation, die Kunstwerke aus den 1970er Jahren und der Gegenwart aus Bratislava, Budapest, Ljubljana, Prag und Wien zeigt.

Die EU-Erweiterung im Mai 2004 betrifft nicht nur Wirtschaft und Politik oder Wissenschafts- und Forschungsbetrieb, wie dieUniversitaet-online.at in der Serie "Universität Wien & EU" aufzeigt - sie betrifft den Alltag aller EuropäerInnen. Wie so oft ist die Kunst einen Schritt voraus und integriert, wo in der Praxis des täglichen Lebens noch Ignoranz oder ein vermeintliches "Geht mi nix an" vorherrschen. Beispiele sind das Tanzquartier Wien, das einen regen Austausch mit Europas Osten pflegt, das bevorstehende 5. Europäische & Internationale Gehörlosentheaterfestival, das verstärkt mit Österreichs Nachbar- und EU-Beitrittsländern kooperiert, oder das Top Kino Center, das in seiner Programmgestaltung einen deutlichen Osteuropa-Schwerpunkt setzt - und viele mehr. Gemein haben diese Projekte und Initiativen, dass sie osteuropäisches Kunstschaffen nicht exotisieren, sondern einbinden wollen. So auch die Intention der Ausstellung "Eintritt frei" in der BAWAG Foundation. Von der Revolution der 1970er Jahre …

Bis 19. Juni 2004 präsentiert "Eintritt frei" Arbeiten von zwölf KünstlerInnen aus Bratislava, Budapest, Ljubljana, Prag und Wien. Dr. Christine Kintisch, Künstlerische Leiterin der BAWAG Foundation, stellt Werken aus den 1970er Jahren Gegenwartskunst gegenüber. Bei der Auswahl suchte Kintisch nicht ausdrücklich nach politisch engagierter Kunst, doch die Arbeiten spiegeln die Situation der KünstlerInnen in einer Umbruchszeit wider.

Jiri Kovanda: "23rd January 1978, Prague" © Jiri Kovanda
I had a date with several of my friends ... we were standing in the square talking ... suddenly, I started to run ... I was running over the square and got lost in one of the streets ...

Ein Hauch von Revolutionsgeist der 1960er und 70er Jahre kommt bei den Werken der Künstlergruppe OHO aus Ljubljana auf. Die Mitglieder drückten ihre ökologische Haltung in Land-Art-Projekten aus und versuchten, Kunst unters Volk zu bringen: Sie erstanden etwa Streichholzschachteln, bedruckten sie mit Kunstwerken und verkauften sie zum gleichen Preis auf der Straße weiter.

Von den 1970er Jahren zeugt auch Jiri Kovandas Fotodokumentation seiner poetischen Aktionen auf den Straßen Prags. Julius Koller aus Bratislava ist mit seinen Antibildern vertreten, die mit Typologie von Sprachen und Zeichen arbeiten. Und Tamas St. Auby hat ein ganzes Archiv mitgebracht: Das "Transportable Intelligence Increase Museum" ist eine Installation über die ungarische Avantgardekunst.

Julius Koller: "Question Marks", 1969 © Courtesy Aukcna spolocnost SOGA, Bratislava

… zur Realitätssuche im 21. Jahrhundert
  

Die zeitgenössischen Arbeiten richten ihren Fokus weniger auf den Körper als auf den Raum und fragen nach Mythos und Realität. Marcus Geiger inszeniert in der Eingangshalle eine Baustelle aus Farbkübeln multieuropäischer Herkunft. Vadim Fishkin, der in Ljubljana und Moskau lebt und arbeitet, lässt in seiner Installation "Snow Show" leise Styropor-Schnee über die BesucherInnen rieseln. Im Kontrast zur Schneeidylle steht das raunzende Billasackerl des jungen Pragers Kristof Kintera, das mit phallisch rotierender Salatgurke und raschelndem Chipssackerl gefüllt seine "I am sick of it all"-Botschaft verbreitet.

Vadim Fishkin: "Snow-Show", 2001/2004 © Vadim Fishkin

Berührend und augenzwinkernd kommt Pavlina Fichta Ciernas Video "About Josef" daher, das einen Fabriksarbeiter und Möchtegern-Künstler porträtiert. Josef, von seiner Umwelt als Spinner betrachtet, sucht seinen Platz in der (Kunst-)Welt und findet Inspiration auf der Biennale in Venedig. So sieht ein geeintes Europa aus. (sk) Eintritt frei. Kunst aus Bratislava, Budapest, Ljubljana, Prag und Wien. bis 19. Juni 2004 BAWAG Foundation, Tuchlauben 7a, 1010 Wien Weitere Tipps für osterweiterten Kulturgenuss: Tanzquartier Wien Top Kino Center Petr Zelenka Filmschau ab 18. März 2004 5. Europäisches & Internationales Gehörlosentheaterfestival 26. März bis 3. April 2004  

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