![]() Stufen zur Weisheit: Der Aufgang zur Österreichischen Zentral- bibliothek für Physik. ![]() Bald zu haben: die Chronik der Österreichischen Zentralbibliothek für Physik. Österreichische Zentralbibliothek für Physik Aktuelles aus der ÖZBPH Ausstellung "1924 - ein guter Jahrgang" Buchpräsentation "Österreichische Zentralbibliothek für Physik" |
Österreichische Zentralbibliothek für Physik: "Sie arbeiten ja fast mit Lichtgeschwindigkeit!" |
| UB |
| Gastbeitrag von Alexander Zartl am 3. Dezember 2004 |
Das behauptet jedenfalls eine der zufriedenen KundInnen, die in E-Mails und Briefen immer wieder ihren Dank an die Österreichische Zentralbibliothek für Physik zum Ausdruck bringen. Aus Anlass ihrer Eingliederung in die Universität Wien im Jahr 2004 hat die Bibliothek nun ihre Geschichte und Gegenwart in einem Bildband aufgearbeitet, der demnächst der Öffentlichkeit vorgestellt werden soll. Wer sich darunter eine trockene Chronik und dürre Auflistung von Fakten vorstellt, wird angenehm enttäuscht sein. |
Die Österreichische Zentralbibliothek für Physik (ÖZBPH) ist eine Stätte internationaler Begegnungen, die von hervorragenden NaturwissenschafterInnen und MathematikerInnen, HistorikerInnen und WissenschaftstheoretikerInnen immer wieder gern aufgesucht wird. In ihrer heutigen Form besteht die Bibliothek seit 1979, doch ihre Tradition reicht bis in das 19. Jahrhundert zurück und ist eng mit den Namen bedeutender österreichischer Forscher verbunden: Christian Doppler, Ludwig Boltzmann, Erwin Schrödinger ? Persönlichkeiten, die für die Begründung des modernen naturwissenschaftlichen Weltbildes von ausschlaggebender Wichtigkeit waren. Die Nummer 1 in Europa Aus bescheidenen Anfängen entwickelte sich eine Bibliothekseinrichtung von internationalem Rang, deren Ruf sich einerseits auf ihre einzigartigen Sammlungen, andererseits auf ihr auch im weltweiten Vergleich herausragendes Dienstleistungsangebot stützt. Mit der 2001 getroffenen Entscheidung, am europaweit größten Dokumentenlieferdienst "subito" teilzunehmen, ist die ÖZBPH zum "Global Player" auf diesem Sektor aufgestiegen: Von Beginn an konnte sie sich durch sehr kurze Lieferzeiten von nur ca. einer Stunde und dem höchsten Anteil an positiv erfüllten Bestellungen gegenüber den rund 30 Mitbewerbern (darunter so renommierte Einrichtungen wie die Staatsbibliothek zu Berlin oder die Technische Informationsbibliothek Hannover) behaupten. Diese kundenorientierten Leistungen wurden im Ranking aller "subito"-Bibliotheken fast durchgehend mit dem ersten Platz ausgezeichnet. Die Mitwirkung der ÖZBPH bei "subito" erschloss den österreichischen Universitäten den Zugang zu bis dahin nur schwierig zu beschaffender Literatur und brachte einen Ausbau bei den außeruniversitären Kunden aus Industrie und Wirtschaft mit sich. Es bleibt aber abzuwarten, wie lange diese Dienstleistung unter den Bedingungen des seit 1. Juli 2003 verschärften österreichischen Urheberrechts noch aufrecht erhalten werden kann. Die Ausrede, dass wieder einmal die EU an allem Schuld sein soll, gilt jedenfalls nicht: So wurde etwa in Deutschland bei der Umsetzung der EU-Richtlinie zum Urheberrecht von solch drastischen Einschnitten in die Nutzungsrechte bisher Abstand genommen. Sollten sich die internationalen Medienkonzerne mit ihren Vorstellungen bezüglich weiterer Beschränkungen durchsetzen, so ist davon auszugehen, dass der Rohstoff 'Information' für Wirtschaft und Forschung entweder zum bedeutenden Kostenfaktor oder zur Mangelware werden muss. Was bringt die Zukunft? Mit dem In-Kraft-Treten des Universitätsgesetzes 2002 am 1. Jänner 2004 hat die Österreichische Zentralbibliothek für Physik aufgehört, als selbständige interuniversitäre Einrichtung zu bestehen. Dazu heißt es im 5. Abschnitt dieses Gesetzeswerkes unter der Überschrift "Übertragung von Rechten und Vermögen" ganz lapidar: "§ 136 (9). Die Universität Wien ist die Gesamtrechtsnachfolgerin der Österreichischen Zentralbibliothek für Physik." Was dies für die weitere Zukunft bedeuten wird, ist heute noch offen; es ist aber wohl abzusehen, dass es für die Zentralbibliothek viel schwieriger wird, ihre markante Identität zu behalten und weiter zu pflegen. Auf Grund ihrer Sonderstellung hatte die Zentralbibliothek Gelegenheit, zur Erfüllung ihrer Aufgaben in zahlreichen Fällen Neuland zu betreten und Wege zu beschreiten, die den klassischen Universitätsbibliotheken in Österreich nicht in gleichem Ausmaß offen standen. Das dabei erworbene Know-how und die zugrunde liegende Infrastruktur könnte im Interesse der Universität Wien sowie des gesamten wissenschaftlichen Bibliothekswesens in Österreich weiterentwickelt und genutzt werden. Es bleibt allerdings abzuwarten, wie weit diese Vision unter dem immer schärferen Diktat eines allumfassenden Spargedankens zu verwirklichen sein wird. Trotzdem ist Optimismus angebracht, denn es ist wohl davon auszugehen, dass die Universität Wien, der vom Gesetzgeber bekanntlich das Motto von der "Weltklasseuniversität" auf die Fahnen geschrieben wurde, eine Einrichtung von ausgewiesener Weltklasse-Güte nicht nur gerne in sich aufnehmen, sondern auch der Substanz nach erhalten möchte. In diesem Sinn hofft die Bibliothek, ihren BenutzerInnen auch weiterhin möglichst optimales Service sowie eine effiziente und umfangreiche Versorgung mit Fachliteratur zur Verfügung stellen zu können. Dr. Alexander Zartl arbeitet an der Österreichischen Zentralbibliothek für Physik. Adresse: 1090 Wien, Boltzmanngasse 5 Literatur: Dieser Artikel basiert auf Texten aus dem Buch "Österreichische Zentralbibliothek für Physik. Geschichte ? Dokumente ? Dienste", das demnächst in der Algoprint Verlags AG erscheinen wird. |


