"Pille"-Erfinder Carl Djerassi liest an der UB Wien |
| Lieben-Projekt |
| Michaela Hafner (Redaktion) am 3. November 2004 |
Im Rahmen des Iganz-Lieben-Projekts 2004 gibt es eine Reihe kultureller Veranstaltungen: Neben Ausstellungen zu den PreisträgerInnen der Jahre 1865 bis 1937 an der Universität Wien und der Familie Lieben im Jüdischen Museum Wien wird der Chemiker Carl Djerassi am 8. November 2004 eine szenische Lesung seines Stückes "ICSI ? ein pädagogisches Wortgefecht" im Großen Lesesaal der Universitätsbibliothek Wien aufführen. |
Der Chemiker als Dramatiker. Carl Djerassi, bekannt als Erfinder der "Antibaby-Pille", ist nicht nur ein anerkannter Wissenschafter, sondern schrieb seit den 1980er Jahren auch einige Bestseller-Romane (etwa "Cantors Dilemma", "Das Bourbaki-Gambit", "Menachems Same") und entwickelte das so genannte Science in Theatre. Mit Theaterstücken wie "Oxygen" und "Unbefleckt" versucht er sich an der Vermittlung wissenschaftlicher Themen für junge Menschen. An der Universitätsbibliothek Wien wird er im Rahmen des Ignaz-Lieben-Projekts sein Stück "ICSI ? ein pädagogisches Wortgefecht" als szenische Lesung aufführen. Moralische Fragen zur künstlichen Befruchtung Zur Seite steht dem 81-jährigen Djerassi, der in dem fiktiven Wortgefecht für zwei Stimmen die männliche Hauptrolle des Wissenschafters und Erfinders der ICSI-Methode Dr. Frankenthaler übernimmt, Maria Hartmann in der Rolle der kritischen Journalistin. ICSI ? Intracytoplasmatische Spermieninjektion ? ist die Befruchtung einer weiblichen Eizelle außerhalb des Körpers (in vitro) durch Injektion eines einzelnen Spermien-Zellkerns. Das erste auf diese Weise gezeugte Kind wurde 1992 geboren. Das Stück, das grundlegende Kenntnisse zu Verfahren und Problematik der künstlichen Befruchtung vermittelt, diskutiert moralische und ethische Fragen rund um künstliche Befruchtung und veranschaulicht auch die menschliche Seite der Wissenschaft sowie die persönlichen Konflikte, in die WissenschafterInnen durch ihre Arbeit geraten können. Im Anschluss an die Lesung gibt es die Möglichkeit, mit dem emeritierten Professor zu diskutieren. Carl Djerassi Carl Djerassi wurde 1923 in eine jüdische Arztfamilie in Wien geboren. Er emigrierte 1938 mit seiner Mutter über London in die USA. An der Universität von Wisconsin studierte er organische Chemie (Promotion 1945). 1949 erfolgte ein berufliches Engagement zu Syntex S.A. in Mexico City, wo er 1951 die "Anitbaby-Pille" erfand. Der Chemiker arbeitete weiters entscheidend an der Synthetisierung von Cortison mit. Er lehrte an der Stanford University und hat über 1200 wissenschaftliche Publikationen verfasst und zahlreiche Auszeichnungen erhalten. Carl Djerassi betätigt sich neben seiner Schriftstellerei weiters als leidenschaftlicher Kunstsammler ? er besitzt eine bedeutende Auswahl der Werke Paul Klees und anderer zeitgenössischer Künstler. Das "Djerassi Resident Artist Program" fördert MalerInnen, MusikerInnen, SchriftstellerInnen und BildhauerInnen in ihrer künstlerischen Weiterentwicklung. (mh) SCIENCE IN THEATRE "ICSI ? Sex im Zeitalter technischer Reproduzierbarkeit" Szenische Lesung von und mit Carl Djerassi Montag, 8. November 2004, 19.30 Uhr Universitätsbibliothek Wien Dr.-Karl-Lueger-Ring 1, 1010 Wien Eintritt frei! |

