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PiN - Pädagogik im Netz
eLearning
Simone Kremsberger (Redaktion) am 31. Oktober 2003

Das von der Universität Wien geförderte Projekt PiN - Pädagogik im Netz will nicht nur Inhalte online stellen, sondern die Möglichkeiten der Technologie mit Studierenden als Mitforschenden voll ausschöpfen. Die Redaktion sprach mit Mag. Dr. Ilse Schrittesser, Institut für die schulpraktische Ausbildung, über Virtualität, Distanz und eine neue Qualität von Präsenz.

Redaktion: Können Sie das Projekt PiN - Pädagogik im Netz auch für eLearning-Laien erklären?
Ilse Schrittesser: Der erste Schritt war, Inhalte ins Netz zu stellen, die mit der pädagogischen Professionalisierung von Lehramtsstudierenden unmittelbar verbunden sind: Ein elektronischer Handapparat, auf den alle zugreifen können, die durch das pädagogische Grundstudium gehen. Von dieser Contentperspektive ausgehend, haben wir die Idee eines interaktiven Zugangs entwickelt: dass wir all das, was Virtualität kann, in einem virtuellen Sozialfeld einerseits und in einem Dialog mit der Maschine andererseits ausschöpfen wollen.

Redaktion: Welche didaktischen Ziele verfolgen Sie mit PiN?
Schrittesser: Erstens glauben wir, dass Professionalität dadurch entsteht, dass Inhalte nicht nur aufgenommen, sondern auch aktiv verarbeitet werden, und dass neue Inhalte von Studierenden erzeugt werden. Wir wollen die Studierenden als Mitforschende einbeziehen. Das findet bereits in einem Seminar statt, das ich mit meiner Kollegin Helene Babel anbiete. Zweitens wollen wir zwischen den Autoren und Lehrenden so etwas wie eine scientific community auf der Plattform organisieren. Und drittens ist uns wichtig, dass die Studierenden als "Zaungäste" an den aktuellsten wissenschaftlichen Zugängen partizipieren.

Redaktion: Welche Inhalte bietet die Plattform an?
Schrittesser: Die Plattform bietet zu den Bereichen "Lehren und Lernen", "Erziehen und Beraten" und "Schule und Schulentwicklung" dreimal fünfzehn Kurse an, die in Untermodule aufgegliedert sind. Die Kurse bilden den Content, auf den die Studierenden innerhalb der Lehrveranstaltungen zurückgreifen können. Die Plattform ist auf große Flexibilität ausgelegt und verändert sich in der Benutzung ständig.

Redaktion: Sie leiten ein Praxisforschungsprojekt für Studierende auf der Plattform. Wie sieht der Ablauf des Seminars in Virtualität und Realität konkret aus?
Schrittesser: In dem Seminar, das seit Oktober als Experiment läuft, übernehmen wir wissenschaftliche Begleitprojekte an Schulen. Beim Thema Leistungsbeurteilung geht es etwa darum, bei der Erstellung von Kriterien zu helfen und den Ist-Stand zu erheben. Das Seminar läuft offline und online. Wir haben ein Forum eingerichtet, in dem schon laufend kommuniziert wird, und es wird drei Chats geben. Am Ende steht eine abschließende Projektdokumentation. Dazu gibt es eine wöchentliche Präsenzlehrveranstaltung. Wichtige Fragen sind: Welche Ausgewogenheit zwischen Präsenz und Distanz müssen wir finden, damit einerseits die Projektgruppen nicht wegbrechen und wir andererseits nicht alles doppelt machen? Inwieweit ist es möglich, entlastend auszulagern, inwieweit muss man die direkte Kommunikation einbeziehen? Gerade bei Pädagogik läuft viel über die ganze Person, über die körperlich-sinnliche Dimension.

Redaktion: Welche Vorteile bietet die Plattform für die Lehrveranstaltung?
Schrittesser: Alles, was wir an Forumskommunikation haben, an Projektmaterialien auf die Plattform stellen, ist dort gesammelt. Der Lernprozess wird dokumentiert und als Suchprozess sichtbar. So wird eine rückwirkende Bewertung möglich. Es entsteht eine große virtuelle Community, in der die Studierenden nicht nur miteinander, sondern auch voneinander lernen.

Redaktion: Inwieweit können Studierende dieses eLearning-Konzept in ihren zukünftigen Unterricht hineinnehmen?
Schrittesser: Es ist unabdingbar, dass zukünftige Lehrer und Lehrerinnen mit virtueller Kommunikation in ausgezeichneter Weise umgehen können. Die Medienrevolution wird m.E. unsere Gesellschaft in ähnlicher Form verwandeln wie seinerzeit der Buchdruck. Es geht darum, neue Kommunikationsformen in die Gesellschaft einzulassen und mit kritischer Distanz weiterzugeben. Nicht die Neuen Medien sollen von den Heranwachsenden Besitz ergreifen, sondern umgekehrt. Das geht nicht, wenn Lehrende damit nicht umgehen können. Medienbildung und kritische Distanz zu Neuen Medien sollen schon bei Studierenden entstehen.

Redaktion: Befürchten Sie nicht, dass dieser Trend zu einer zunehmenden Unpersönlichkeit an Universitäten und Schulen führen könnte?
Schrittesser: Aus pragmatischer Perspektive hat es keinen Sinn, Dinge zu befürchten, wenn man ohnehin lernen muss, damit umzugehen. Besser ist zu überlegen, wie man eine sinnvolle Handlungsstruktur aufbauen kann. Aus "zukunftshoffender" Perspektive könnte man sagen, dass die Neuen Medien von Dingen entlasten, die in der herkömmlichen Lehre mühsam sind. Die Zeit, die wir durch die Medienkommunikation gewinnen, muss für die persönliche Auseinandersetzung, das Coaching reserviert sein.

Redaktion: Wie wird sich das Projekt in den nächsten Semestern weiterentwickeln?
Schrittesser: In den nächsten drei Semestern wollen wir die Plattform für Innovationsprojekte nutzen, etwa für einen Masterstudienprogramm zur Weiterbildung von Führungskräften, der im nächsten Wintersemester starten soll. Langfristig soll die Plattform in den Standardbetrieb eingeschleust werden. (sk)

Das Projekt PiN  ist eine Kooperation zwischen dem Institut für die schulpraktische Ausbildung der Universität Wien, des Projekts Lehr-/Lernbegleitung der Universität Wien, dem Institut für Erziehungs- und Bildungswissenschaften der Universität Graz und der Firma TomCom GmbH. Das Projekt, das auf der dayta-Technologie basiert, wurde im März 2002 begonnen und läuft bis Ende 2004.

Mag. Dr. Ilse Schrittesser vom Institut für die schulpraktische Ausbildung ist Mitglied der Projektsteuerungsgruppe von PiN.

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