Die Arctic Station der Universität Kopenhagen ist die älteste Forschungsstation Grönlands. Sie wurde 1906 an der Südküste der Diskoinsel vom dänischen Botaniker Morten P. Porsild gegründet, der sie 40 Jahre leitete. Die Station ist Teil der kleinen Stadt Qeqertarsuaq – einer von zwei ständig bewohnten Orten –, in der 1.100 Menschen leben und die allerlei Infrastruktur wie Supermarkt, Spital, Kirche etc. bietet.
Das ist auch ein wesentlicher Unterschied zur Forschungsstation Zackenberg in Ostgrönland, wo Andreas Richter und Michaela Panzenböck letztes Jahr bzw. heuer im Juli waren: "Die Arctic Station ist ganzjährig besetzt, während Zackenberg eine Feldstation ist, die für WissenschafterInnen nur während der Sommermonate, von Anfang Juni bis Ende August geöffnet ist", erzählt Richter kurz vor der Abreise im Gespräch mit "dieUniversitaet-online".
Zudem dürfe man in Zackenberg keine manipulativen Experimente durchführen, da es sich um ein Nationalparkgebiet handle, auf Disko Island sei das möglich. Und: "Wenn man in der Arktis forscht, ist man gezwungen, punktuell zu arbeiten, da es schwer ist, ein größeres Gebiet innerhalb kurzer Zeit zu erreichen. Um Ergebnisse abzusichern und generelle Aussagen treffen zu können, sind Aufenthalte an verschiedenen Standorten erforderlich", erklären Richter und Panzenböck, warum sie nun nach Westgrönland fahren. Richter hat vor Jahren bereits in Sibirien geforscht, Panzenböck war zwei Mal in Franz-Josefs-Land.
Forschung zum Kohlenstoffhaushalt
Andreas Richter und Michaela Panzenböck untersuchen die Auswirkungen der globalen Erwärmung auf den Kohlenstoffhaushalt. "In den Permafrostböden der Arktis sind große Mengen an Kohlenstoff gespeichert – etwa 15 bis 20 Prozent des gesamten terrestrischen Kohlenstoffs. Durch die stetige Erderwärmung ist zu befürchten, dass dieser Kohlenstoff in die Atmosphäre frei gesetzt wird", sagt Andreas Richter.
Sie stellen sich die Frage, welche Auswirkungen höhere Temperaturen und geänderte hydrologische Verhältnisse auf die Quantität und die Abbaubarkeit gelöster organischer Kohlenstoffverbindungen (DOC, dissolved organic carbon) haben. "Diese Kohlenstoffverbindungen werden aus den terrestrischen Ökosystemen ausgewaschen und kommen dann über die Bäche und Flüsse in den arktischen Ozean. Da ein großer Teil des derzeit so exportierten Kohlenstoffs von den Mikroorganismen im Meer nicht abgebaut werden kann, ist dieser DOC eine zumindest mittelfristig wichtige Kohlenstoff-Senke im globalen Kohlenstoffkreislauf", schrieb Andreas Richter letztes Jahr aus Zackenberg. "Ob das so bleiben wird, ist allerdings nicht klar, weil man sehr wenig darüber weiß, ob und wie sich die Qualität der exportierten Verbindungen in Zukunft ändern wird. Wird ein durch höhere Temperaturen verstärktes Pflanzenwachstum und geänderte Nährstoffverfügbarkeit den DOC leichter abbaubar machen? Werden sich neue Mikroorganismen-Gemeinschaften in den Böden und in den Fließgewässern etablieren, die dann in der Lage sind, den Kohlenstoff leichter abzubauen?"
Inuit und Exkursionen
Neben ihren Forschungen hoffen Richter und Panzenböck auch, Einblick in das Leben der Inuit zu bekommen. Rund 35 Kilometer nördlich von Qeqertarsuaq liegt die Inuit-Siedlung Kangerluk, die 50 EinwohnerInnen leben von Jagd und Fischfang.
Da die Diskoinsel über Kopenhagen relativ gut erreichbar ist, sind auch Exkursionen mit Studierenden denkbar, so Richter. Die Universität Kopenhagen organisiert beispielsweise jeden Sommer zwei- bis vierwöchige Feldforschungsaufenthalte für ihre Studierenden. (mh)
Ao. Univ.-Prof. Dr. Andreas Richter (Department für Chemische Ökologie und Ökosystemforschung) und Mag. Michaela Panzenböck (Department für Limnologie und Hydrobotanik) sind von 15. bis 30. August 2008 in der Arctic Station auf der Diskoinsel, Westgrönland. Sie werden in einem Gastbeitrag über ihren Aufenthalt berichten. |