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Michaela Panzenböck (links) und ihre Innsbrucker KollegInnen bei Probennahmen. Foto: Sparkling Science Blog


Weitere Berichte und Fotos von Michaela Panzenböck und ihren KollegInnen im Sparkling Science Blog  
Polarjahr 2008: Glacio-Limnologie
Notizen aus der Arktis, Forschungsprojekte
Gastbeitrag von Michaela Panzenböck am 14. Juli 2008

ÖkologInnen müssen bei Arbeiten im Freiland immer flexibel sein und einen Plan B in der Tasche haben, berichtet Michaela Panzenböck aus Zackenberg.

Unser bisheriger Aufenthalt hier in Zackenberg verlief etwas anders, als wir es uns vorgestellt hatten. Der eigentliche Plan, das mikrobielle Leben des Freya-Gletschers auf der nahe gelegenen Clavering-Insel zu untersuchen, musste zunächst aufgegeben werden, da der Tyroler Fjord noch vollständig zugefroren und daher unpassierbar war. Für meine KollegInnen Birgit Sattler und Andreas Fritz von der Universität Innsbruck sowie Alexandre Anesio aus Brasilien weit bitterer als für mich, da sich ihre Forschung auf Cryoconite konzentriert.

Cryoconite sind Schmelzwasser gefüllte Löcher auf der Gletscheroberfläche, initiiert durch dunkle und daher sich schnell erwärmende Ablagerungen. Diese kleinen Ökosysteme sind reich an Bakterien und Algen, sogar Viren findet man dort. Selbst Produktion von organischem Kohlenstoff durch Photosynthese findet hier statt. Diesen gelösten organischen Kohlenstoff (DOC - dissolved organic carbon) quantitativ und qualitativ zu erfassen, seine Verfügbarkeit für aquatische Bakterien im Vergleich zu DOC terrestrischen Ursprungs zu untersuchen, ist mein Interesse im Rahmen dieses Forschungsprojekts.

Und nun das - kein Gletscher in erreichbarer Nähe. Der nächstmögliche einen Tagesmarsch entfernt, was bedeutet, mit Equipment wie Eisbohrer, Zelt, Verpflegung und am Heimweg mit den Proben, die weit über 20 Kilogramm wiegen, am Rücken durch die Tundra zu marschieren. Vielleicht noch ein paar Moschusochsen ausweichen müssen, einsinken in morastigem Boden, was den Weg nicht wirklich erleichtert, und nicht wissend, wie viel Schnee noch am Gletscher liegt.
All diese Faktoren haben uns zu Plan B gezwungen. ÖkologInnen sind gewöhnt, dass bei Arbeiten im Freiland, v.a. in extremen Lebensräumen wie der Arktis, alles anders kommen kann, und daher müssen sie improvisieren können. Flexibel wie wir sind, haben wir nach Erkundung der erreichbaren Minigletscher und Schneefelder unseren Forschungsschwerpunkt auf zwei unterschiedliche Bäche und deren Mikroorganismen und Stoffkreisläufe gelegt.

Nach zwei Tagen im Gelände, wo die Probennahme erfolgte, wird derzeit ein Experiment durchgeführt, das zeigen soll, wie sich Kohlenstoff verschiedenen Ursprungs (Cryoconit, Boden, Vegetation) auf die bakterielle Gemeinschaft und ihren Stoffhaushalt auswirkt. Die Arbeiten, die teilweise bis in die Nacht dauern, können in einem gut ausgestatteten Labor der Station Zackenberg durchgeführt werden. Gut, wir sind auch mit drei großen Kisten voll mit Materialien und Reagenzien angereist, die schon langsam aufgebraucht sind. Man weiß ja nie und sollte in wirklichen Ernstfällen auch für Plan C gewappnet sein.

Doch jetzt, kurz vor Abreise - wir hätten angesichts der massiven Eisdecke nie daran geglaubt - ist der Fjord dank der andauernden Schönwetterperiode mit Temperaturen bis zu 25° C eisfrei geworden! Das heißt, man kann mit dem Boot übersetzen und einer Gletscherbesteigung samt Probennahme steht hoffentlich nichts mehr im Wege (Plan A). Zeit und Material sind zwar knapp, aber wir sind optimistisch und hoffen, dass kein Schlechtwettereinbruch uns dazu zwingt, auf Clavering Island länger als geplant zu campieren.  Denn dann würden wir unseren Heimflug verpassen... Arctic normal ...

Michaela Panzenböck (Department für Limnologie und Hydrobotanik) per E-Mail am Samstag, 19. Juli 2008.

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