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In Zackenberg liegt teilweise Schnee, der "Tyrolerfjord" ist noch völlig zugefroren (von links): Christian Lettner, Karl Reiter und Siegrun Ertl


Lesen Sie auch die Gastbeiträge des letztjährigen Aufenthalts in Zackenberg:
Polarjahr 2008: Zurück in Zackenberg
Notizen aus der Arktis, Forschungsprojekte
Gastbeitrag von Karl Reiter am  4. Juli 2008

Am Dienstag, 1. Juli hat das sechsköpfige Expeditionsteam (LimnologInnen und VegetationsökologInnen) die Forschungsstation Zackenberg in Nordost-Grönland erreicht. Die Anreise nach Grönland führte in unserem Fall über Island.

Der letzte Abschnitt dieser Reise ist auch zugleich der eindruckvollste. Mit einer Twin Otter - ein Flugzeug, das nahezu überall landen kann - führte uns der letzte Flug 500 Kilometer entlang der Ostküste Grönlands vorbei an ausgedehnte Gletscher, tiefe Fjorde und schneebedeckte weite Ebenen.

Verglichen mit dem letzten Aufenthalt, der am 8. August 2007 begann, stellt sich so manches doch völlig anders dar - so ist z.B. der "Tyrolerfjord" noch völlig zugefroren. Dies verhindert die Querung mit einem Boot und die Beprobung der ursprünglich ins Auge gefassten Gletscherflächen. Auch ist es nicht möglich, den großen Fluss zu queren und auf die andere Seite des Zackenbergtals zu kommen, da eine Hochwasserwelle die Vorrichtung zur Flussquerung zerstört hat. Die auf der anderen Flussseite im letzten Jahr vergrabenen Temperaturlogger werden wohl noch eine Zeit warten müssen, bis wir ihre Daten auslesen können.

Aber als FreilandökologInnen müssen wir immer mit derartigen Problemen rechnen und sehr flexibel in der Planung der Forschungsarbeiten sein. Schnell wurde das Arbeitsprogramm - vor allem für das Team der Limnologie - geändert. Letzte Nacht wurden bereits die ersten Proben im gut ausgestatten Labor analysiert.

Für das Team der VegetationsökologInnen ist die Arbeitssituation zur Zeit optimal, da sich im ganzen Tal, auf den Berghängen und auf den Gipfeln die Vegetation voll entfaltet und wir mit einer Blütenpracht konfrontiert sind, die ich so im Vorjahr nicht erlebt habe.

Rund 30 Prozent der hier anzutreffenden Arten sind auch in unseren Breiten bekannt.
Für die Region sind ca. 160 Gefäßpflanzen beschrieben - eine Diversität, die für ein Gebiet nördlich des 74. Breitengrades als beachtenswert bezeichnet werden kann. 25 Pflanzenfamilien sind vertreten, wobei Süßgräser und Riedgräser ein Drittel der Arten des Gebietes stellen. Gemeinsam mit Kreuzblütlern, Nelken- und Steinbrechgewächsen werden über 60 Prozent der Arten umfasst. Bemerkenswert ist das Fehlen von Schmetterlingsblütlern, Dolden- und Lippenblütlern auf Grönland. Mit Saxifraga nathorstii und Potentilla rubella sind zwei grönländische Endemiten im Gebiet vorhanden.

Zum österreichischen Team der Vegetationsökologie werden nächste Woche noch zwei Dänen stoßen; gemeinsam werden dann Erhebungen zum Projekt "GLORIA" durchgeführt. Diese Woche dient noch den Vorbereitungen, z.B. dem Einarbeiten in die Gebietsflora bei langen Wanderungen durch das Gebiet und kritischer Bestimmung der Arten sowie fotografischer Dokumentation gemeinsam mit meinen KollegInnen Siegrun Ertl und Christian Lettner.

Karl Reiter per E-Mail in der Nacht von Donnerstag, 3. Juli auf Freitag, 4. Juli.

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