Massenlehrveranstaltungen und überfüllte Hörsäle kennt man an der Universität, sie prägen besonders die Anfangsphase des Studiums, in der die meisten Pflichtlehrveranstaltungen absolviert werden müssen. Diese Art der Lehre empfinden nicht nur die Studierenden als belastend, auch die Lehrenden sind unzufrieden - sie vermissen die Möglichkeit, die Mitarbeit einzelner Studierenden bewerten zu können. Nun setzen sie verstärkt Hoffnungen in jene Möglichkeiten, die E-Learning bietet - insbesondere Interaktivität.
Virtuelle Mitarbeit
Die Plattform "e-tools", die über WebCT Vista läuft, bietet StudentInnen die Möglichkeit, Selbsttests durchzuführen, um ihre Lernerfolge zu evaluieren. Ebenso wird es zwei Teilprüfungen geben, die online abzulegen sind. Univ.-Ass. Dr. Alexander Schopper, der neben Univ.-Prof. DDr. Weilinger die Lehrveranstaltung leitet, erhofft sich auf diese Weise rege Mitarbeit von den Studierenden und einen besseren Überblick über ihre Leistungen. "Die Plattform gibt den Studierenden die Möglichkeit, den Stoff interaktiv zu erlernen, und bietet eine innovative Aufbereitung des Lernstoffs, welchen Erstsemestrige häufig als eher trocken empfinden. Darüber hinaus ist der Ansatz des Self-Assessments, also der selbständigen Leistungskontrolle mit Hilfe der Selbsttests, sehr positiv. Es geht schließlich beim Lernerfolg auch um den Spaßfaktor", erklärt Alexander Schopper die Vorteile. "Nach jedem Kapitel des Lernmoduls gibt es die Möglichkeit eines Selbsttests. Die verpflichtenden Teilprüfungen sind genauso schwierig wie diese Test. So können sich die Studierenden schon vorher auf den Schwierigkeitsgrad der Prüfungen einstellen", so Mag. Veronika Zoidl, die die Zusammenstellung des Testmoduls betreut.
Vielfalt und Interaktivität
Ein Hauptziel des Teams ist es, den Lernstoff möglichst kreativ aufzubereiten und abwechslungsreich zu präsentieren, um den Studierenden einen guten Einstieg ins Thema zu bieten. Damit entsteht eine willkommene Abwechslung zum Lehrbuch. "Über den Stoff der Vorlesung im engeren Sinne hinaus werden wir Zusatzmaterial zur Verfügung stellen: juristische Aufsätze, aktuelle Entscheidungen der Höchstgerichte und andere juristisch relevante Informationen. Zudem wird es auf unserer Plattform Diskussionsforen geben, um den Austausch unter den Studierenden zu fördern", erläutert Projektmitarbeiterin Mag. Alina Khachik, verantwortlich für die Zusammenstellung des Lernmoduls, die vielfältigen Inhalte der Plattform. Neben der internen Vernetzung ist auch die Verlinkung nach Außen wichtig: Die Lernmodule enthalten direkte Links zum jeweiligen Gesetz. "So wird der Bezug zur Realität hergestellt. Die StudentInnen sehen, dass sie nicht einfach theoretische Probleme wälzen müssen, sondern erkennen die konkrete Anwendbarkeit anhand von realen Fällen", erklärt Alexander Schopper.
E-Learning: Lust oder Frust?
Bei dem Projekt handelt es sich um die erste solche Initiative am Institut für Recht der Wirtschaft, daher wissen die GestalterInnen von "e-tools" noch nicht, ob die Plattform bei den Studierenden auf Begeisterung oder Ablehnung stoßen wird. Alina Khachik zeigt sich vom Erfolg überzeugt: "Die Erfahrungswerte von anderen Unis zeigen, dass E-Learning sehr gut angenommen wird." Ein wichtiger Aspekt bei der Umsetzung ist die Infrastruktur: Bisher zeigte sich, dass fast alle StudentInnen bereits über einen PC mit Internetanschluss verfügen. Die Fakultät für Wirtschaftswissenschaften verfügt zusätzlich über frei zugängliche Computerarbeitsplätze für Studierende. Ein weiterer wichtiger Faktor ist laut Florian Untersteiner, der sich um die technische Umsetzung kümmert, die realistische Einschätzung der Anforderungen: "Wir versuchen, die Seite so zu gestalten, dass wir alle Möglichkeiten nutzen, aber die Seite dennoch nicht überfrachten. Der Einsatz der Technik muss didaktisch und thematisch gerechtfertigt sein, nur dann wird sie von den UserInnen angenommen."
"Die Vorlesung 'Grundzüge des Rechts' eignet sich besonders für eine E-Learning-Initiative, denn es handelt sich dabei um eine Pflichtlehrveranstaltung des ersten Semesters mit Massencharakter. So machen Studierende der Fächer BWL und IBWL bereits am Anfang des Studiums ihre ersten Erfahrungen mit E-Learning, erklärt Alina Khachik. Sie betont gleichzeitig, dass E-Learning die Präsenzlehre nicht ersetzt, sondern bloß eine Ergänzung darstellt. In diesem Sinne wird auch die Endklausur weiterhin schriftlich am Institut abgehalten, die virtuellen Teilprüfungen machen nur einen Teil der Benotung aus.
E-Learning braucht eDidaktik
Das Projekt "e-tools im verpflichtenden Rechtskurs 'Grundzüge des Rechts'" soll über den punktuellen Einsatz in der Lehre hinaus einen nachhaltigen Nutzen bringen: "Wir sind bemüht, im Zuge der Umsetzung in der Lehrveranstaltung ein didaktisches Konzept für die Vermittlung von juristischem Wissen zu erstellen. Unsere Erfahrungen sollen uns dabei helfen, ein Konzept zu entwickeln, das anschließend auf andere Lehrveranstaltungen am Institut angewendet werden kann", so Alexander Schopper.
Projektleiter o. Univ.-Prof. DDr. Arthur Weilinger vom Institut für Recht der Wirtschaft, Lehrstuhl für Privat- und Wirtschaftsrecht an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften, führt das Projekt "e-tool im verpflichtenden Rechtskurs 'Grundzüge des Rechts'" am Institut für Recht der Wirtschaft durch. Der Einsatz der Plattform beginnt mit Wintersemester 2005/2006. |