Die Zusammensetzung unserer Mentoring-Gruppe mit Mentees in der Dissertationsphase erlebten wir als sehr positiv. Wir sehen die Zeit des Doktorats als jenen Karriereabschnitt, in dem wesentliche Weichen für eine mögliche wissenschaftliche Laufbahn gestellt werden. Hier kommen Unterstützung und Reflexion abseits eines fachlich-inhaltlichen Betreuungsverhältnisses, wie es mit DissertationsbetreuerInnen besteht, besonders zum Tragen.
In unseren regelmäßigen Treffen, die einmal pro Monat für ca. zwei Stunden stattfanden, diskutierten wir jeweils ein bestimmtes, vorher von uns festgelegtes Thema. Die Themenvielfalt reichte von Publikationsplanung, Drittmitteleinwerbung, Organisation einer Lehrveranstaltung, Umgang mit Medien sowie Öffentlichkeitsarbeit über Tagungstätigkeit bis hin zu Aufgabenfeldern und Perspektiven für eine wissenschaftliche Laufbahn nach dem Doktorat.
Aus der Sicht der Mentees
Als Mentees lernten wir dabei universitäre Strukturen besser kennen, reflektierten die eigene Position im universitären Gefüge und entwickelten so Zukunftsperspektiven. Ein wesentlicher Beitrag zu letzterem bestand auch in Gesprächen mit WissenschafterInnen in unterschiedlichen Karrierestufen und mit diversen Karriereverläufen, die wir zu unseren Mentoring-Treffen eingeladen haben. Eine Erkenntnis, die wir aus den Gesprächen mit unseren Gästen gewinnen konnten, war, dass sich Neugier und Freude an Forschung auch abseits einer Professur leben lassen.
Spielregeln im Wissenschaftsbetrieb
Die Dissertationsphase stellt gewissermaßen den Startpunkt einer möglichen wissenschaftlichen Karriere dar. Man arbeitet eigenständig an seinem Thema und steigt damit in eine wissenschaftliche Community ein, der man unbekannt ist. Netzwerke hat man noch nicht aufgebaut, Spielregeln im Wissenschaftsbetrieb werden nicht explizit vermittelt, und als DoktorandIn muss man diese erst kennenlernen. Erfolgserlebnisse gehen oft mit Rückschlägen einher. Erste Versuche der Drittmittelakquisition können scheitern, Aufsätze werden abgelehnt.
Aber auch mit Erfolgserlebnissen bewegt man sich am wissenschaftlichen Parkett noch unsicher. Speziell für Frauen stellt sich in dieser Zeit die Frage nach der Vereinbarkeit einer wissenschaftlichen Laufbahn und dem Wunsch nach einer eigenen Familie. Nur allzu schnell werden Möglichkeiten und Perspektiven übersehen oder erscheinen mit dem Kinderwunsch unvereinbar und werden dann hintangestellt. Und genau hier greift das Mentoring! Es zeigt Perspektiven und bietet Raum, eigene Vorstellungen zu konkretisieren und zu diskutieren. Das besondere am Mentoring ist, dass die Inhalte der gemeinsamen Treffen nicht fachlich ausgerichtet sind. Die Mentorin nutzt die Zeit, um die Mentees in ihrer beruflichen und persönlichen Entwicklung zu begleiten und sie in der Umsetzung ihrer Ziele zu unterstützen.
Aus der Sicht der Mentorin …
… war das Programm ebenfalls sehr bereichernd. Bereits beim ersten Treffen zeigte sich ein deutlicher Unterschied zur üblichen Betreuung von DissertantInnen. Während bei letzteren der fachliche Aspekt meist stark im Vordergrund steht, eröffnet sich im Mentoring eine völlig andere Perspektive. Die Schwerpunkte liegen in Bereichen wie Karriereplanung, Aufbau von Netzwerken und Öffentlichkeitsarbeit, wogegen fachliche Themen eine untergeordnete Rolle spielen. Dadurch wird einerseits der eigene Wissensstand erweitert bzw. aktualisiert und die im Mentoring entwickelten Strategien können sich nicht nur für die Mentees sondern auch für MitarbeiterInnen der eigenen Arbeitsgruppe als gewinnbringend erweisen.
Es steht außer Frage, dass Mentoring in jeder Phase der akademischen Laufbahn äußerst wertvoll ist. Die Dissertationsphase ist in dieser Hinsicht allerdings besonders kritisch. Auch die Planung für die Post-Doc-Phase sollte rechtzeitig eingeleitet werden, da die entsprechenden Möglichkeiten begrenzt sind und bei längerem Aussetzen von wissenschaftlicher Tätigkeit der Wiedereinstieg umso schwerer wird. Die Teilnahme am Mentoring-Programm, v.a. im letzten Drittel der Dissertationsphase, war daher äußerst gewinnbringend.
Die Autorinnen - Ao. Univ.-Prof. Dr. Eva Millesi (Mentorin; Leiterin des Departments für Verhaltensbiologie), Mag. Elisabeth Lamplmayr (Mentee; Institut für Klinische, Biologische und Differentielle Psychologie) und Mag. Cornelia Schrauf (Mentee; Department für Kognitionsbiologie) - bildeten im Rahmen der vierten Runde des Mentoring-Programms der Universität Wien eine Mentoring-Gruppe. |