"Die RNA-Biologie ist zur Zeit einer der faszinierendsten Themenbereiche in der Molekularbiologie. Hier wird gerade sehr viel geforscht und publiziert, weswegen ein Doktoratskolleg in RNA-Biologie etwas sehr Zeitgerechtes ist", sagt Ao. Univ.-Prof. Dr. Andrea Barta von der Medizinischen Universität Wien. Sie ist Sprecherin des gemeinsam unter anderem mit der Universität Wien organisierten und im Herbst anlaufenden FWF-Doktoratkollegs (DK) "RNA Biologie". Rund 18 DoktorandInnen aus aller Welt werden in diesem in den nächsten Jahren eine besondere Art von kleinen Bausteinen des Lebens erforschen: die Ribonukleinsäure (RNA). Von den 18 Studienplätzen sind elf vom FWF gefördert, die restlichen sieben werden von den beteiligten Institutionen finanziert.
Die RNA ist längst aus ihrem Dasein im Schatten der DNA hervorgetreten. In den letzten Jahren erkannten ForscherInnen, dass die RNA nicht nur genetische Informationen speichert, sondern vor allem auch vielfältige regulatorische Funktionen übernimmt. RNA-Moleküle sind an allen essenziellen Prozessen in einer Zelle beteiligt, wie beispielsweise bei der Übersetzung der Erbsubstanz in Proteine.
Hochkarätige Fakultät
Am DK "RNA Biologie" entscheidend beteiligt sind hervorragende Forschungsgruppen verschiedener Institutionen: der Max F. Perutz Laboratories (MFPL) - Universität Wien und Medizinische Universität Wien, des Institut für Molekulare Pathologie (IMP) und von zwei Instituten der Österreichischen Akademie der Wissenschaften - dem Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA) und dem Competence-Center for Molecular Medicine (CeMM).
"Wir haben eine hochkarätige Faculty", betont denn auch Andrea Barta. ForschungsgruppenleiterInnen der Universität Wien sind unter anderem Ao. Prof. Dr. Udo Bläsi, Ao. Univ.-Prof. Dr. Franz-Michael Jantsch und Univ.-Prof. Mag. Dr. Renée Schroeder. An den MFPL ist das DK stark mit dem dort seit 2001 laufenden FWF-Spezialforschungsbereich "Modulatoren der RNA-Faltung und -Funktion" vernetzt. Durch diese Einbettung deckt das DK "RNA Biologie" viele wichtige Aspekte des derzeit äußerst spannenden Forschungsgebietes rund um die RNA ab.
Ausgeklügeltes Auswahlverfahren
Spannend ist auch, wer nach dem ausgeklügelten Auswahlverfahren unter den zahlreichen BewerberInnen zu den 18 Glücklichen zählen wird. Das DK ist in das PhD-Programm des Campus Vienna Biocenter eingebunden. Das Internationale PhD-Programm läuft nun schon seit mehr als zehn Jahren - genug Zeit, um an der Auswahlprozedur zu feilen, die auch beim neuen Doktoratskolleg Anwendung findet. Das Auswahlverfahren sieht momentan wie folgt aus: Nach einer Vorselektion der Bewerbungen nach Noten, Unterlagen, Motivation und bisherigen Arbeiten bekommen ausgewählte BewerberInnen die Chance sich vorzustellen. Der Vorstellungstermin ist mit allen anderen wichtigen internationalen PhD-Programmen abgesprochen. Am Abend vor dem Vorstellungsgespräch gibt es eine Veranstaltung, bei der sich alle Forschungsgruppen den AnwärterInnen präsentieren. Am folgenden Tag stellt sich jede/r BewerberIn eine Stunde lang vier Mitgliedern der Faculty.
Im Laufe des Vorstellungsgesprächs müssen einige Aufgaben bewältigt werden: Erstens, eine zuvor zugewiesene Publikation ohne Hilfsmittel, also nur mit Tafel und Kreide, zu präsentieren, zweitens, die eigene Arbeit vorzustellen. Beurteilt wird nach einem Punktesystem. Jene BewerberInnen, die nach diesem Tag am meisten Punkte erhalten haben, dürfen sich einen PhD-Platz suchen.
Mission Statement
Die Erfolgreichen erhalten in den nächsten drei Jahren eine Ausbildung zu hochkompetenten WissenschafterInnen. "Laut unserem Mission Statement ist es unser Ziel, unabhängige, neugierige ForscherInnen mit einem hohen wissenschaftlichen Profil herauszubilden", sagt Andrea Barta und ergänzt: "Es ist wichtig, dass sich die JungwissenschafterInnen nach dem Programm in der wissenschaftlichen Community bewegen können." Die gute Vernetzung der Forschergruppen am Campus Vienna Biocenter und das multidisziplinäre Umfeld des internationalen PhD-Programms werden diesbezüglich von großem Vorteil für die Studierenden des neuen Doktoratskollegs sein.
Spezielles Trainingsprogramm
Dadurch, dass das DK im PhD-Programm am Biocenter eingebettet ist, gibt es einige vorhandene Lehr- und Seminarangebote, bei denen die KollegiatInnen zu den übrigen DoktorandInnen stoßen. "Ein guter Weg, um nicht nur in Punkto RNA-Biologie, sondern auch eine Gesamtübersicht über die Molekularbiologie zu erhalten", sagt Andrea Barta.
Zum gemeinsamen Programm gehören die Montagsseminare, wo die StudentInnen ihre Arbeit präsentieren, und die "Freitag PhD Lectures", eine Vorlesungsserie mit wechselndem Themenschwerpunkt. Dazu kommt das Spezialprogramm des DK, wie der "RNA Journal Club", wo neueste Paper aus der RNA-Forschung besprochen werden, RNA-Forschungsseminare sowie eine jährliche Tagung. Ein umfangreiches, durchdachtes Programm - oder um es in Andrea Bartas Worten zu sagen: "Man muss schon sagen: Der Qualitätsanspruch ist hier natürlich ein hoher." (hh)
Das vom FWF und den beteiligten Institutionen geförderte Doktoratkolleg "RNA Biologie" wird im Rahmen des "International PhD Program on Molecular Life Sciences at the Vienna Biocenter" durchgeführt. An diesem gemeinsamen PhD-Programm sind die Max F. Perutz Laboratories (Medizinische Universität Wien und Universität Wien), das Institut für Molekulare Pathologie (IMP) und zwei Institute der Österreichischen Akademie der Wissenschaften - das Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA) und das Competence-Center for Molecular Medicine (CeMM) - beteiligt. |