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Aus dem Matrikelbuch der Österreichischen Akademischen Nation, 1648. Fotos: Archiv der Universität Wien


Eingang zum Archiv der Universität Wien in der Postgasse 9, 1010 Wien.


Stiftbrief der Universität Wien, 12. März 1365 (lat. Fassung).


Archiv der Universität Wien
Interview mit Dr. Mühlberger (Universidade Estacio de Sa)
Schätze aus sieben Jahrhunderten: Das Archiv der Universität Wien
UB
Gastbeitrag von Kurt Mühlberger am 15. Dezember 2004

Beinahe hundert Jahre lang war das Archiv der Universität Wien im Hauptgebäude am Ring untergebracht. Im Jahre 1980 kehrte es an seinen ursprünglichen Standort in der Postgasse zurück. Hier in der "Alten Universität" steht ausreichend Raum für die ständig anwachsenden Archivbestände zur Verfügung, die heute bereits mehr als 9500 Regal-Laufmeter umfassen.

Neue Magazine und eine verlassene Baustelle Das rasante Wachstum des Archivgutes bedingte eine Ausweitung und Modernisierung der Magazine. Im Dezember 2001 wurden neue unterirdische Archivspeicher mit raumsparenden fahrbaren Kompakt-Regalanlagen bezogen. Die Sanierung der "Alten Universität" hatte zunächst erfreuliche Fortschritte zu verzeichnen. Dann wurde die Bautätigkeit plötzlich auf halbem Wege abgebrochen. Wesentliche oberirdische Bereiche sowie die Gebäudefassaden wurden im Zustand des Rohbaus oder des Verfalls belassen. Dies führte zur massiven Gefährdung des wertvollen historischen Archivgutes. Es bleibt vorerst die Hoffnung auf eine baldige Behebung der Baumängel und die Fortsetzung der stagnierenden Sanierung der Alten Universität. Von der Arca Universitatis zum Universitätsarchiv Seit den Tagen der Gründung der Alma Mater Rudolphina im Jahre 1365 standen die rechtlich bedeutsamen Urkunden, Matrikel und Geschäftsbücher sowie die Universitätssiegel unter der Obhut der Rektoren, die sie an ihre jeweiligen Amtsnachfolger in der 1388 angeschafften Arca Universitatis, einer eisenbewehrten Archivtruhe, weitergaben. Schon im 16. Jahrhundert wurde das Archivum Universitatis zur Verwaltung der rechtlich und historisch relevanten Dokumente eingerichtet. Seit 1875 ist das Universitätsarchiv öffentlich zugänglich, am 1. Jänner 2004 wurde es an die neue Dienstleistungseinrichtung Bibliotheks- und Archivwesen angeschlossen. Das "Schatzgewölbe" wird zum Forschungs- und Servicebetrieb Mit der Öffnung des Archivs für die Forschung erfolgte eine enorme Ausweitung der Aufgaben. Das Universitätsarchiv machte vielfältigste historische Informationen und Materialien für auswärtige ForscherInnen zugänglich, es wurde mit eigenständiger historischer Forschung und der Edition von Matrikeln und Akten beauftragt. Weitere Tätigkeitsfelder sind Publikations- und Redaktionstätigkeit im Bereich der Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte sowie die Mitwirkung bei Forschungsprojekten und Ausstellungen. Im Barocksaal des Universitätsarchivs, der die Schausammlung beherbergt, werden auch Vorträge, Lehrveranstaltungen und Tagungen zu universitäts- und wissenschaftsgeschichtlichen Themen abgehalten. Aus dem alten "Schatzgewölbe" wurde ein öffentlich zugänglicher Forschungs- und Servicebetrieb. Momentan stehen die elektronische Bestandserschließung und teilweise Digitalisierung des Archivgutes im Vordergrund. Alte Findbücher und Karteikästen müssen durch elektronische Inventare und Findbehelfe ersetzt werden, die letztlich eine Internetrecherche ermöglichen. Dieser "Quantensprung" in der Archiverschließung wurde schließlich im Jahr 2004 durch die Einführung des integrierten Archiv-Informationssystems scopeArchiv ermöglicht. Das Archiv der Universität Wien spielte diesbezüglich in Österreich die Vorreiterrolle, andere Archive wie das Österreichische Staatsarchiv sind inzwischen nachgefolgt. Es wird in Kürze möglich sein, Archivrecherchen sowie Bestellungen für den Lesesaal oder von Kopien, Scans und Mikrofilmen über das Internet durchzuführen. Das Archivgut: Pergamente, Akten, Bilder, Bücher, Museales Der Stiftbrief der Universität Wien vom 12. März 1365 mit der Unterschrift Herzog Rudolfs IV. und seiner Brüder, die päpstlichen Bestätigungsbullen seit Papst Urban V. sowie die von den nachfolgenden Herrschern ausgestellten Konfirmationsurkunden, die den Umfang der universitären Privilegien dokumentieren, die Statuten der Gesamtuniversität, der Fakultäten und akademischen Nationen sowie zahlreiche Stiftbriefe von mittelalterlichen Bursen (Studentenhäusern) und Stipendien sind das Herzstück der Altbestände. Daneben bilden die zahlreichen Matrikelbände (1377 ff.) eine der historischen Hauptquellen für die Personalgeschichte des Wiener Studiums. Studierende und Lehrende sind hier gleichermaßen namentlich erfasst. Zusammen mit den Inskriptionsblättern (Nationale) besitzen wir eine lückenlose "StudentInnenevidenz" aller Fakultäten für einen Zeitraum von mehr als 600 Jahren. Seit dem Mittelalter haben die Rektoren, die Dekane und die Prokuratoren der Akademischen Nationen Protokolle und Akten geführt. Das Archiv verfügt über eine weitgehend geschlossene Überlieferung vom 14. bis in das ausgehende 20. Jahrhundert. Neben den Aktenbeständen der Universitätseinrichtungen betreut das Archiv zahlreiche Sammlungen. Dazu gehören neben der etwa 90.000 Bände umfassenden universitätsgeschichtlichen Archivbibliothek, 80 Professorennachlässe, Sammlungen von Urkunden, Autographen, Bildern, Gemälden, Medaillen, Mikrofilmen, Siegeln und Petschaften (Stempel), Plänen etc. Im Barocksaal des Archivs werden im Rahmen der Schausammlung zur Wiener Universitätsgeschichte zahlreiche kostbare Objekte präsentiert: die päpstlichen und fürstlichen Stiftbriefe der Universität Wien, die so genannte "Celtis-Kiste" ? ein kunstvoll bemalter Holzschrein zur Verwahrung der Krönungsinsignien für Dichterkrönungen ? und das älteste Wiener Rektorsszepter aus dem Jahr 1558.   HR Dr. Kurt Mühlberger ist Direktor des Archivs der Universität Wien. Literaturhinweise: Kurt Mühlberger, Wissenschaftliche Einrichtungen und ihre Archive in Österreich. Rolle, Aufgaben und Perspektiven. In: Beiträge zur Geschichte und Entwicklung der mitteleuropäischen Universitätsarchive, ed. László Szögi (Budapest 2000), 19-32 Ders. (Hrsg.), Archivpraxis und historische Forschung. Mitteleuropäische Universitäts- und Hochschularchive. Geschichte, Bestände, Probleme und Forschungsmöglichkeiten (= Schriftenreihe des Universitätsarchivs, Universität Wien, 6. Band, Wíen 1992) Ders., Marija Wakounig, Vom Konsistorialarchiv zum Zentralarchiv der Universität Wien. Die Neuorganisation und Erweiterung des Archivs der Universität Wien im 19. Jahrhundert unter der Einflußnahme Theodor von Sickels. In: Scrinium 35 (1986), 190-213  

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