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Schritt für Schritt auf das Dach der Universität Wien
Orte der Universität Wien
Dieter N. Unrath (Redaktion) am  3. Juli 2003

Seit mehr als zehn Jahren wird das Hauptgebäude einer Runderneuerung unterzogen. Robert Haider vom Architekturbüro Simlinger erzählte derUniversitaet.at interessante Details von den Bauarbeiten an der Fassade der Universität Wien.

Putzquaderungen

Gleich zu Beginn sieht man, dass sich die Fassade vor allem aus (Kalk-)Stein zusammensetzt, nur wenige Bereiche sind mit Putzquaderungen versehen. Zuerst glaubte man, dass es sich hierbei um Originalmuster handelt, aber diese Quaderungen im so genannten "Fleischklopfermuster" wurden bereits in den 1930er Jahren restauriert.

 
 

 

"Von der technischen Seite her ist der Zustand dieser Quaderungen nicht schlecht gewesen, aber die Oberfläche war sehr stark verschmutzt", erklärt Robert Haider. Gereinigt wurden sie mit einer Sanddüse. Diese Quaderungen sind am ganzen Gebäude vorhanden. An der Süd- und Nordfassade gibt es sehr viele, an der Ringfassade dominiert der Stein. Heinrich Ferstl, der Erbauer des Hauptgebäudes, hat vor allem versucht, die qualitativ hochwertigeren Materialien an der Ringfassade zu verwenden. "Je weiter man von der Vorderfassade wegkommt, umso schlechter ist die verwendete Materialqualität, was sich auch bei den Restaurierungen abzeichnet, der Aufwand ist viel größer", bemerkt Haider.

Mit einem Zwischengesimse wird ein neuer Abschnitt begonnen, und je weiter man nach oben steigt, desto höher wird der Steinanteil. Der Kalkstein stammt von einem inzwischen aufgelassenen Steinbruch aus Istrien, der während der Zeit der Monarchie abgebaut wurde. Dieser Kalkstein ist ein sehr edles Material und hält Verwitterungen länger stand.

 

Hippokrates

 

Galenus

Figurennischen

Auf mittlerer Höhe befinden sich Nischen, die Figuren berühmter Gelehrter beherbergen wie z.B. Galenus von Pergamon oder Hippokrates. "Von der bildhauerischen Ausbildung sind die Figuren sehr hochwertig. Auch der Nischenhintergrund ist detailliert ausgeführt und aufwendig hergestellt", so Haider. Interessant zu erwähnen ist, dass der Stein relativ schnell bearbeitet werden musste, da er die Eigenschaft besitzt, mit der Zeit an der Luft auszuhärten.

Goldene Medaillons

Etwas weiter oben befinden sich vergoldete Medaillons mit Keramikköpfen. Bei früheren Restaurierungen wurde das Gold abgetragen, nun hat man sie erneut vergoldet. Das Edelmetall hat 24 Karat, ist aber hauchdünn. "Es ist natürlich sehr schwierig, am Gerüst damit zu arbeiten, weil jeder Windhauch ein Blattgold einfach wegblasen kann", erzählt Haider. Das Gold wird auf einen feinen Pinsel aufgetragen. "Es wird sicher ein sehr schöner Blickfang, wenn das Gerüst weg ist", freut sich Haider. Der blaue und weiße Hintergrund ist gebrannter Terrakotta, der mit Emaillefarben bearbeitet wurde.

 
 

 

Figurenornament mit Schiefertafeln

Über diesen Nischen verläuft um das ganze Universitätsgebäude ein Figurenband. An der Vorderseite ist dieses Ornament dreidimensional, während es auf der Rückseite des Gebäudes (Reichsrats-Fassade) in Graffiti ausgeführt ist. "Es ist eine sehr herausragende Leistung, so große Elemente zu brennen", meint Robert Haider. Dieses Band ist ein Serienelement und wird teilweise von Schiefertafeln mit Namen berühmter Gelehrter unterbrochen.

 

 

 

 

Von Tauben und anderen Tieren

Über das Serienband sind Netze und Abwehrleisten auf den Kanten angebracht, um Verunreinigungen durch Tauben zu verhindern. Eine weitere Maßnahme ist die Anlage von Stromschienen, wo mit Hochspannung verhindert wird, dass sich die Vögel niederlassen. "Wir haben vor der Restaurierung auch einige größere Tiere entdeckt, Krähennester mit einem halben Kubikmeter Größe. Diese haben auf den großen Dachgesimsen ihre Nistplätze aufgeschlagen", so Haider.

 

 

 

Iustitia

Figuren auf dem Dach

Schließlich, am Dach angekommen, fallen sofort die Figuren auf, besonders die allegorischen Darstellungen der vier Fakultäten, der Theologischen, der Juristischen, der Medizinischen und der Artisten-Fakultät, die sich vor den kleinen Kuppeln befinden. Auch diese wurden in einer bildhauerischen Meisterleistung hergestellt. Natürlich hat man vom Dach auch einen herrlichen Ausblick auf das Kunst- und Naturhistorische Museum, auf das Burgtheater, die Votivkirche sowie auf den Ringturm. Umso mehr tat es uns leid, dass wir wieder hinunter mussten. (du; Fotos: ro, mz)

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