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Forschungsplattformen gemäß Entwicklungsplan Dossier "Forschungsplattformen"
Sechs neue Forschungsplattformen an der Universität Wien
Forschungsprojekte, Forschungsplattformen
Bernadette Ralser (Redaktion) am 22. April 2009

Im März 2009 genehmigte das Rektorat der Universität Wien sechs neue, interdisziplinäre und interfakultäre Forschungsplattformen. Damit sind nun insgesamt 15 der fächerübergreifenden Forschungsvorhaben an der Universität Wien angesiedelt.

Im März 2009 wurden an der Universität Wien sechs neue Forschungsplattformen eingerichtet: "Structural and functional analysis of mRNA molecules targeted by the RNA-binding protein tristetraprolin, "Alternative solvents as a basis for life supporting zones in planetary systems", "Characterisation of drug delivery systems", "Wiener Osteuropaforum", "Migration and integration research" sowie "Theory and Practice of Subject Didactics/Teaching Methodologies".

Die fächerübergreifenden, zunächst für eine Laufzeit von drei Jahren konzipierten Forschungsplattformen verfolgen das Ziel, neue innovative Forschungsgebiete und ihre interfakultäre Bearbeitung zu fördern.

"Das gute Ende von mRNA"

Die Forschungsplattform "Structural and functional analysis of mRNA molecules targeted by the RNA-binding protein tristetraprolin" ist am Zentrum für Molekulare Biologie(Max. F. Perutz Laboratories) und der Fakultät für Chemie angesiedelt. Sie wird von Ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Pavel Kovarik vom Department für Mikrobiologie, Immunbiologie und Genetik und von Ao. Univ.-Prof. Dipl.-Phys. Dr. Ivo Hofacker vom Institut für Theoretische Chemie der Fakultät für Chemie geleitet.

"Wir untersuchen molekulare Mechanismen, die entscheiden, welche mRNA-Moleküle schnell und welche nur sehr langsam abgebaut werden", sagt Pavel Kovarik. Das ist u.a. deshalb bedeutend, da ein fehlgeleiteter Abbau der mRNA zu chronischen Entzündungen führen kann. "Im Speziellen werden wir uns mit dem Protein Tristetraprolin beschäftigen: Es bindet an mRNA-Moleküle, die ein bestimmtes Erkennungsmuster enthalten. Diese Bindung leitet schließlich den Abbau der gebundenen mRNA-Moleküle ein, die sonst schädliche Entzündungsreaktionen hervorrufen könnten", erklärt der Molekularbiologe.

Zurzeit ist nicht genau bekannt, welche Merkmale der mRNA-Moleküle die Bindung von Tristetraprolin ermöglichen. Sie sollen im Rahmen der Forschungsplattform mit Hilfe von Bioinformatik und Strukturvorhersage charakterisiert, sowie ihre Funktion beim mRNA-Abbau experimentell untersucht werden. Kovarek: "Durch die Kombination von Computer-unterstützten Analysen mit Laborexperimenten wird es die neue Forschungsplattform ermöglichen, grundlegende Kenntnisse über die Steuerungsmechanismen des mRNA-Abbaus zu gewinnen."

Ist Leben auf fremden Planeten möglich?

Unter der Leitung von Ao. Univ.-Prof. Dr. Maria Gertrude Firneis vom Institut für Astronomie beschäftigt sich die Forschungsplattform "Alternative solvents as a basis for life supporting zones in planetary systems" theoretisch mit der Frage, unter welchen Umständen Leben auf anderen Planeten in Systemen mit unterschiedlichen Typen von Zentralsternen möglich wäre. Die Plattform spannt den Bogen zwischen der Fakultät für Geowissenschaften, Geographie und Astronomie und der Fakultät für Physik.

Im Zentrum der Forschung steht - im Unterschied zum Begriff der klassischen habitalen Zone, welche sich nur auf das Vorhandensein von flüssigem, freiem Wasser auf einer Planetenoberfläche stützt - eine grundsätzlich "lebensermöglichende" Zone (Life Supporting Zone) und "exotisches Leben". "Mit "exotischem Leben" meinen wir Stoffwechselprozesse, die nicht unbedingt - so wie beim Leben auf der Erde - auf Kohlenstoffketten basieren, und das auch unabhängig von Wasser entstanden sein könnte", erklärt Gertrude Firneis.

Letztendliches Ziel der Forschung im Rahmen der neuen Plattform ist es, Biomarker zu identifizieren, die es zukünftigen Weltraumissionen gestatten, eventuelle Hinweise auf Signaturen von "exotischem" Leben zu entdecken.

Arzneiabgabesysteme an der Haut

Liposomen, Nanoemulsionen, Mikroemulsionen und kubische Gele gewinnen zunehmend an Bedeutung als Arzneistoffabgabesysteme an der Haut. "Ihre kolloid-chemische innere Struktur spielt in Bezug auf Wechselwirkungen mit der Haut eine große Rolle", erklärt Univ. Prof. Dr. Claudia Valenta vom Department für Pharmazeutische Technologie und Biopharmazie. Sie leitet die neue Forschungsplattform "Characterisation of drug delivery systems" an der Fakultät für Lebenswissenschaften und der Fakultät für Chemie. Ziel ist es, die Mikrostruktur von Arzneiabgabesystemen sowie physiologische Diffusionsprozesse besser zu verstehen.

"Es stellt sich die Frage, inwieweit diese innere Struktur von Wirkstoffen einen Einfluss auf ihre tatsächliche Hautdiffusion ausübt", so Valenta. Dies wird im Rahmen der Forschungsplattform u.a. mittels in-vitro Untersuchungen durch präparierte Haut gemessen. "Auch in-vivo Untersuchungen werden stattfinden, in denen der Einfluss der neu entwickelten Formulierungen auf den transepithelialen Wasserverlust getestet wird." Die dadurch gewonnenen Erkenntnisse sollen langfristig für die Entwicklung  neuer Arzneistoffabgabesysteme genutzt werden.

Osteuropa von der Adria bis an den Ural, von der Ostsee bis zur Ägäis

Das neue "Wiener Osteuropaforum" vereint WissenschafterInnen aus sechs Fakultäten: die Fakultät für Geowissenschaften, Geographie und Astronomie, die Fakultät für Sozialwissenschaften, die Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät, die Katholisch-Theologische Fakultät, die Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät sowie die Rechtswissenschaftliche Fakultät. Damit bringt die Forschungsplattform eine europaweit seltene Konzentration einer interdisziplinären Beschäftigung mit dem ost-, ostmittel- und südosteuropäischen Raum zum Ausdruck.

Das "Wiener Osteuropaforum" arbeitet zur ethnischen, sprachlichen und kulturellen Vielfalt des osteuropäischen Raumes, seine reiche Geschichte, die widersprüchliche Dynamik während der Epoche des Staatssozialismus und danach und seine Bedeutung für die Zukunft Europas.

"Wir möchten die umfangreiche einschlägige Fachkompetenz an der Universität Wien bündeln und nach außen deutlich sichtbar machen. Die räumliche Breite und zeitliche Tiefe der Osteuropaforschung sticht dabei als besondere Stärke der Forschungsstandorts Wien hervor", so Univ.-Prof. Dr. Oliver Schmitt vom Institut für Osteuropäische Geschichte, der Leiter der neuen Forschungsplattform, die sich einerseits als Koordinierungsstelle für eine interdisziplinär angelegte Nachwuchsförderung, zum anderen als Möglichkeit versteht, zentrale Fragestellungen in einem interdisziplinären Zugang aufzugreifen.

Fragen der Wanderung, Einwanderung und Integration

An der Forschungsplattform "Migration and integration research" sind das Institut für Geographie und Regionalforschung der Fakultät für Geowissenschaften, Geographie und Astronomie, das Institut für Rechtsphilosophie, Religions- und Kulturrecht und das Institut für Staats- und Verwaltungsrecht der Rechtswissenschaftlichen Fakultät sowie das Institut für Soziologie der Fakultät für Sozialwissenschaften beteiligt.

Leiter ist Univ.-Prof. Dr. Heinz Fassmann vom Institut für Geographie und Regionalforschung. Die Plattform strebt die Bündelung der an der Universität Wien vorhandenen Kompetenzen im Bereich Migrations- und Integrationsforschung an. Ziel ist der Aufbau einer kohärenten und geschlossenen Forschungsinfrastruktur in diesem Bereich.

"Die Plattform bringt die ForscherInnen der Universität zusammen, die sich mit Migrations- und Integrationsforschung beschäftigen, und ermuntert sie zur Kooperation", sagt Heinz Fassmann. Geplant sind eine Ringvorlesung, eine gemeinsame Publikation sowie ein virtueller und realer Kommunikationsraum. "Wir werden uns außerdem darum bemühen, diesen Forschungsbereich curricular zu verankern und gemeinsame Forschung durch den Aufbau mehrfach nutzbarer Datensätze zu unterstützen", fügt Fassmann hinzu.

Theorieentwicklung der Fachdidaktik fördern

Die Universität Wien als größte LehrerInnenbildungseinrichtung in Österreich hat in den vergangenen Jahren mit der Einrichtung von Fachdidaktischen Zentren bedeutende Anstrengung unternommen, um den Bereich Fachdidaktik institutionell zu stärken. Die neue Forschungsplattform "Theory and Practice of Subject Didactics/Teaching Methodologies" soll die Theorieentwicklung der Fachdidaktik(en) fördern sowie die systematische Forschung in interdisziplinär orientierten Fragen zur Fachdidaktik unterstützt werden.

Geleitet wird die Plattform, an der 19 Unterrichtsfächer aus insgesamt zwölf Fakultäten der Universität Wien beteiligt sind, von Ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Alois Ecker vom Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte: "Mit der Forschungsplattform wird nun das entsprechende Netzwerk zur Entwicklung, Diskussion und Dissemination von Forschungsergebnissen zur Fachdidaktik aufgebaut."

Ein erster Forschungsschwerpunkt wird in den kommenden drei Jahren der systematischen Beforschung und dem fachübergreifenden Vergleich der fachdidaktischen Ausbildungsmodelle dienen. "Wichtiges Ziel der Forschungsplattform ist darüber hinaus,  NachwuchswissenschafterInnen gezielt in ihrem Forschungsprogramm zu fördern und im Aufbau ihrer weiteren wissenschaftlichen Karriere zu unterstützen", so Alois Ecker.

15 Forschungsplattformen an der Universität Wien

Mit den sechs seit März 2009 laufenden Forschungsplattformen sind nun insgesamt 15 Forschungsplattformen an der Universität Wien angesiedelt. DieUniversität-online hat die neun bereits seit längerem erfolgreich laufenden Forschungsplattformen im Dossier "Forschungsplattformen" im Detail vorgestellt. (br)

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