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Serienstart: 250 Jahre Botanischer Garten
Botanischer Garten
Dieter N. Unrath (Redaktion) am 20. November 2003

DieUniversitaet-online.at beginnt heute eine Serie zum Thema "250 Jahre Botanischer Garten der Universität Wien". Ab März 2004 wird es anlässlich des Jubiläums Veranstaltungen, spezielle Führungen und verschiedene Events geben.

   

Der Botanische Garten der Universität Wien (Hortus Botanicus Vindobonensis - HBV) hat eine Fläche von ca. 8 ha, Gewächshäuser mit ca. 1500 m2, einen Pflanzenbestand von über  9500 Arten und wird jährlich von mehr als 100.000 Menschen besucht. Die Funktionen des Botanischen Gartens sind äußerst vielfältig. Die universitäre Forschung und Lehre (Institut für Botanik) stehen dabei klar im Vordergrund und sind Basis für alle weiteren Funktionen des Gartens: Benutzung durch Fremdinstitutionen für Lehr- und Ausbildungszwecke, Bereitstellung von Expertenwissen für botanische und gärtnerische Fragen, Erhaltung bedrohter Pflanzenarten und Biotope, Ausbildung von GärtnerInnen für wissenschaftliche Lebendsammlungen,

Die Gewächshausanlage wurde von 1890 bis 1893 erbaut und beherbergt die Forschungs- und Lehrsammlungen des Botanischen Gartens. Öffentlich zugänglich ist das Tropenhaus (Mitte). Hier eine Aufnahme um 1930. Die Pflanzen sind gegen zu intensive Sonneneinstrahlung und Überhitzung mit Außenschattierungen geschützt.  Foto: hbv_archiv

Samen- und Pflanzentausch mit anderen Institutionen weltweit, Volksbildung u.a. durch (Sonder-)Ausstellungen, thematische Gruppen und Führungen und Erholung für das gartenbesuchende Publikum. Gleichzeitig ist der Garten selbst ein artenreiches innerstädtisches Biotop für heimische Pflanzen- und Tierarten (z.B. ca. 200 verschiedene Bienenarten). Vom „Hortus Medicus“ zum  „Hortus Botanicus Vindobonensis (HBV)“            Der Botanische Garten wurde 1754 gegründet, als Kaiserin Maria Theresia am Rennweg ein ca. 2 ha großes Grundstück ankaufen ließ. Der Botanische Garten wurde ursprünglich als Hortus Medicus angelegt, um Medizinstudenten eine mehr praktisch orientierte pflanzenkundliche Ausbildung zu ermöglichen. Der erste Direktor war Robert Laugier (1722-1793), der auch erster Inhaber der im gleichen Jahr an der Universität neugeschaffenen Lehrstühle für Botanik und Chemie war. Die ersten Pflanzen stammten aus den Gärten Schönbrunns und des Belvederes. Unter der Leitung von Laugier wurden auch zwei Gewächshäuser errichtet.

1769 löste Nikolaus J. von Jacquin (1727-1817) Laugier als Leiter des Botanischen Gartens und Inhaber der Lehrstühle für Botanik und Chemie ab. Unter seiner Leitung entwickelte sich der Hortus Medicus zu einem wissenschaftlich orientierten Botanischen Garten. Sein Sohn Joseph F. von Jacquin (1766-1839) setzte ab 1796 als Direktor diese Entwicklung erfolgreich fort, wie man an den damals bereits kultivierten ca. 8000 Pflanzenarten erkennen kann. Aus dieser Zeit stammen noch heute vorhandene Bäume wie die großen Platane vor dem Institut für Botanik und der Ginkgobaum seitlich des Instituts.
Der folgende Direktor Stephan Endlicher (1804-1849) begann seine Vorstellungen von einem "System des Pflanzenreiches" im Botanischen Garten umzusetzen.

Nikolaus J. von Jacquin (1727-1817). Dieser herausragende Botaniker war von 1768 bis 1796 Direktor des Botanischen Gartens der Universität Wien und eine hoch angesehene Persönlichkeit der Wiener Gesellschaft. Foto: hbv_archiv

Dabei wurde der Garten nicht nur inhaltlich überarbeitet, sondern die barocken formalen Anlagen zu neuen thematischen Gruppen in Anlehnung an den englischen Landschaftsstil gestaltet, so wie sie teilweise noch heute erlebbar sind. Vollendet wurden diese Arbeiten unter Eduard Fenzl (1808-1879). Dessen Nachfolger Anton Kerner von Marilaun (1831-1898) entwickelte ein in Europa bis dahin einzigartiges Konzept: Er teilte die Pflanzen nach geographischen Gesichtspunkten ein, so entstanden die „Pflanzengeographischen Gruppen“. Weiterhin entstand von 1890 bis 1893 die heute noch bestehende Gewächshausanlage, die umfangreiche wissenschaftliche Spezial- und Lehrsammlungen enthält. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde das Botanische Institut neu gebaut und die biologischen Gruppen angelegt. Anfang der 1930er Jahre wurde mit der Neuanlage des heutigen Alpinums begonnen. Während des Zweiten Weltkrieges wurde die gesamte Anlage so stark beschädigt, dass man bis in die 1970er Jahren mit der Beseitigung von Kriegsschäden, der Wiederherstellung der Gartenabteilungen und dem Aufbau von Pflanzensammlungen beschäftigt war. Heute ist Univ.-Prof. Dr. Tod Stuessy Direktor des Botanischen Gartens. Ausblick

Im wissenschaftlichen Bereich steht der Erhalt und Ausbau der thematischen Sammlungen für Forschung und Lehre im Mittelpunkt der zukünftigen Arbeiten ? diese Aktivitäten erfolgen in enger Zusammenarbeit mit anderen Gärten in Wien und Österreich. Für die BesucherInnen sollen die Vermittlung von aktuellen Ergebnissen der Forschung in der Biologie an der Universität Wien, von botanisch-gartenkultureller Inhalten, von thematisch orientierten Gartengestaltungen und die Bewusstseinsbildung in der Bevölkerung in Hinsicht auf den Arten- und Naturschutz durch verschiedene Maßnahmen und Projekte weiter ausgebaut werden.

Zentraler Teil des Gartens in dem in formaler Gestaltung einkeimblättrige Pflanzen (z.B. Schwertlilie) vorgestellt werden. Im Frühjahr ist der Blick frei auf das Obere Belvedere. Foto: hbv_archiv_R. Hromniak

Als Service für die BesucherInnen soll der bisherige Hauptzugang zum Botanischen Garten attraktiver gestaltet werden. Überarbeitete und neue thematische Gruppen/Pflanzungen sollen die schon vorhandene Präsentation von Inhalten und Bedeutung von Biodiversität und Pflanzenvielfalt ergänzen. Die sogenannte Pannonische Gruppe im oberen Gartenbereich wird zum Kernstück einer Anlage, die sich beispielhaft stark gefährdeten Biotopen und Pflanzenarten (besonders Ost-Österreichs) widmet, in der ex-situ und in-situ Artenschutz durchführt werden, und wo der Bevölkerung die Bedeutung von Arten- und Naturschutz vor der eigenen Haustür nahe gebracht werden wird. Bei der Vermittlung all dieser Inhalte kommt der im Aufbau befindlichen „Grüne Schule“ für Kinder und Jugendliche ein besonderer Stellenwert zu. Geplante Jubiläumsveranstaltungen und Artikelserie

Im Botanischen Garten finden im Jubiläumsjahr 2004 zahlreiche Veranstaltungen statt, so z.B. die Eröffnung der Ausstellung ?Botanischer Garten in Plänen?, die Grundsteinlegung für den ?Bambusweg?, Gartenführungen mit historischem Hintergrund, die Eröffnung des neuen Teils der Pannonischen Gruppe, Symposien, Buchpräsentationen und die Präsentation des ?Baumpaten?-Projekts.

Diese Alte Allee ist bereits über 170 Jahre alt und erinnert an die formal-barocke Gestaltung des Gartens. Alte Bäume verschiedenster Arten säumen die Allee und Bänke laden zum Verweilen ein. Foto: hbv_archiv_R. Hromniak

Für die Artikelserie auf DieUniversitaet-online.at, die bis Ende Februar 2004 laufen wird, sind Themen geplant zu den Pflanzenbeständen des Botanischen Gartens, zu aktuellen Forschungsprojekten, zum Botanikstudium und zur Gärtnerausbildung, zu internationalen Kooperationen; detaillierte Informationen zu den geplanten Aktivitäten für die 250-Jahrfeier runden die Serie ab. (du)   Botanischer Garten der Universität Wien  

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