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Slawistik in Wien
EU-Erweiterung
Simone Kremsberger (Redaktion) am 31. März 2004

Seit der Ostöffnung wächst das Institut für Slawistik der Universität Wien in Fächerangebot und Studierendenzahlen und bietet in einer eigenen Galerie und zwei Filmreihen ein engagiertes Kulturprogramm.

Slawische Sprachen laborieren in Österreich an einem schwachen Image. Umso engagierter gibt sich das Institut für Slawistik der Universität Wien, dem mit der EU-(Ost)Erweiterung eine wichtige Funktion zukommt - schließlich werden hier die künftigen EU-Amtssprachen Tschechisch, Slowakisch, Slowenisch und Polnisch unterrichtet. Expansion des Instituts "Das Institut hat vor allem nach 1989/90 expandiert", schildert ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Michael Moser. In den letzten Jahren ortet sein Kollege ao. Univ.-Prof. Dr. Gero Fischer wieder einen größeren Andrang. "Stark wächst das Fach Tschechisch, ebenso Polnisch. Seit dem Wintersemester 2002/03 haben wir Slowakisch, Bulgarisch und Ukrainisch als Studienrichtungen." Das Publikum werde bunter: "Es kommen nicht nur Studierende aus umliegenden Ländern verstärkt zu uns, sondern auch die Zweite Generation: Viele Polen sind in den 1980er Jahren nach Wien emigriert, und die Kinder wollen nun die Sprache der Eltern und Großeltern neu entdecken." Mit der EU-Erweiterung steigt die Bedeutung osteuropäischer Sprachen zumindest in den Grenzregionen Österreichs an: "Dort wird der Mangel an Sprachkenntnissen klar erkannt. Es gibt eine Reihe von lokalen Sprachlehrinitiativen. Soweit, dass der nächste Schritt gemacht wird und die Sprachen in Schulen angeboten werden, sind wir aber noch nicht. Es gibt zwar das Lehramtsstudium für Russisch, Tschechisch, Kroatisch und Slowenisch, aber keines für Slowakisch und Polnisch. Das heißt es gibt auch keine ausgebildeten Lehrkräfte für diese Fächer." Austausch und Kooperation mit dem Osten Das Institut bietet viele Möglichkeiten zum Studierenden- und Lehrendenaustausch mit slawischen Ländern. "Wir betreiben gemeinsam mit der Abteilung für Nederlandistik und dem Institut für Finno-Ugristik ein CEEPUS-Netzwerk, in dem wir die Universitäten Agram (Zagreb), Laibach, Brünn, Prag, Olmütz, Preßburg (Bratislava), Warschau, Krakau, Wrocław (Breslau) sowie Budapest zu unseren Partnern zählen dürfen, außerdem haben wir ERASMUS-Programme mit Laibach, Warschau, Brünn und zukünftig Prag. Zusätzlich werden am Institut zahlreiche Sommerkurse angeboten, so von Institutsangehörigen selbst etwa in Polen, Bulgarien und in der Ukraine", zählt Michael Moser auf. Auch im Bereich Forschung wird kooperiert. Moser nennt das Forschungsprojekt "Comparative Cultural Studies in Central Europe", das über die Aktion Österreich-Tschechien gemeinsam mit dem Institut für Slawistik der Universität Brünn durchgeführt wurde und sich mit dem Begriff Mitteleuropa auseinandersetzte. Im Moment arbeitet Moser an einem Forschungsprojekt über UkrainerInnen in Österreich-Ungarn, das über die Aktion Österreich-Ungarn finanziert wird. Gero Fischer weilt ebenfalls oft in Brünn. Im vergangenen Wintersemester hielt er an der Pädagogischen Fakultät der Universität Brünn eine Lehrveranstaltung über die Beziehungen des Wienerischen zum Tschechischen und forschte mit der Tschechischen Akademie der Wissenschaften über "Das multiethnische Brünn am Vorabend des EU-Beitritts": "Wir haben untersucht, welche Minderheiten es in Brünn gibt und welche Integrationsperspektiven sie haben." Kulturangebot auf der Slawistik Besonderen Einsatz zeigt Gero Fischer bei der Einbindung von Medien in Wissenschaft und Lehre. Er ist Gründer der Galerie auf der Pawlatsche am Institut für Slawistik, die heuer ihr fünfjähriges Jubiläum feiert. Die Galerie versteht sich als Plattform für osteuropäische und grenzüberschreitende fotografische Projekte. Fischer, selbst Fotograf, erläutert: "Hinzu kommt der didaktische Aspekt: Da wir uns auf Fotodokumentaristik beschränken, sind die ausgestellten Bilder Informationen über die jeweiligen Länder, quasi erweiterte Landeskunde. Wir präsentieren die Fotografen in Vernissagen persönlich und haben auch schon Workshops mit bedeutenden Fotografen angeboten." Ginge es nach Fischer, würden Medien in der Philologie eine größere Rolle spielen: "Man könnte die Fotografie genauso wie das Umgehen mit Tonband und Film als Hilfsdisziplin für philologisches Arbeiten verwenden. Grundsätzlich wäre es aber für die beruflichen Perspektiven der Studierenden, sei es im Journalismus oder Tourismus, sinnvoll, einen Medienkurs anzubieten." Neben der Fotografie arbeitet Fischer gerne mit Neuen Medien - er hat etwa mehrere CD-ROMs erstellt, auf der er LiedermacherInnen aus slawischen Ländern präsentiert. Das hauseigene Kulturangebot auf der Slawistik erstreckt sich auch auf das Medium Film: Die Reihen "Tschechische und slowakische Filme" und "Russische Filme" sind regelmäßig gut besucht - die nächsten Termine sind der Homepage des Instituts für Slawistik zu entnehmen. (sk) Institut für Slawistik Galerie auf der Pawlatsche

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