Die Literaturwissenschafterin Christina Pinkernell hat mittlerweile schon alle Stationen an der KinderuniWien mitgemacht: als Organisatorin, als Mutter und heuer, bei der fünften Kinderuni, erstmals auch als Lehrende. Die Pädagogin Karoline Iber, mit Christina Pinkernell und Christine Löffler Begründerin der KinderuniWien, leitet das Kinderbüro der Universität Wien. Im Interview stellten sich beide den Fragen der Kinderuni-ReporterInnen Katrin Fallmann, Verena Heinthaler, Erich Kieslinger, Laura Palmetzhofer und Linda Palmetzhofer. |
Kinderuni-ReporterInnen: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, die Kinderuni zu veranstalten? Karoline Iber: Wir waren damals nur zu dritt ? Christina Pinkernell, Christine Löffler und ich ? und haben uns gedacht, dass wir gerne etwas Lustiges zur Ferienbetreuung im Sommer machen wollen. Und da wir alle selbst an der Universität beschäftigt waren, haben wir uns gedacht: OK, machen wir doch eine Kinderuni. So ist die Idee entstanden. Eigentlich ganz einfach.
Welche Perspektive ? Mitorganisatorin, Mutter oder Lehrende ? gefällt Ihnen am besten? Christina Pinkernell: Es hat alles seine Vor- und Nachteile. Mittendrin zu sein, sowohl beim Organisieren als auch beim Lehren, ist besonders schön, weil man einfach sehr viel weitergeben kann.
Was ist der Unterschied zwischen der ersten Kinderuni und der jetzigen? Christina: Die Jahre sind vergangen, aber die Basis ist die gleiche geblieben. Die Kinder haben auf der Uni Spaß und können hier ganz viele Fragen stellen. In den letzten fünf Jahren ist die Kinderuni natürlich größer geworden. Bei der ersten waren rund 1.000 Kinder mit dabei, heuer sind es 3.600 Kinder.
Karoline: Für mich ist es schwierig zu sagen, wie viel sich verändert hat, weil ich mitgewachsen bin. Oft kann ich die Jahrgänge gar nicht mehr unterscheiden. Da helfen mir dann die verschiedenen T-Shirtfarben, die jedes Jahr wechseln. Und das Jahr mit orangen T-Shirts wird uns ganz sicher in Erinnerung bleiben, weil es heuer unsere fünfte Kinderuni ist. Natürlich haben wir auch einiges über die Jahre gelernt, zum Beispiel, dass es gut ist, wenn Lehrende und die Team-MitarbeiterInnen unterschiedliche T-Shirtfarben anhaben. Im ersten Jahr hatten alle Blau, da haben wir uns oft gegenseitig verwechselt. Und manche Dinge sind schon von Beginn an sehr gut, wie zum Beispiel die Kinderuni-ReporterInnen.
Wären Sie auch gerne an die Kinderuni gegangen? Christina: Ja, unbedingt. Karoline: Natürlich. Und das Schöne am Kinderuni-Dasein ist ja, dass wir uns ans Kindsein wieder erinnern können.
Wie wird die Kinderuni finanziert? Karoline: Vor der ersten Kinderuni haben wir uns das gar nicht richtig überlegt. Erst als wir erste Ausgaben hatten, wie zum Beispiel die Ausweise drucken, mussten wir uns etwas überlegen. Wir haben dann bei der Mobilkom gefragt, ob sie uns unterstützen wollen und sie haben sofort zugesagt. Seitdem sind sie unsere Partner. Und mittlerweile fördert uns auch das Wissenschaftsministerium, denn die Kinderuni ist eine Riesenorganisation geworden. Bei der ersten Kinderuni dachten wir, es werden circa 100 Kinder kommen. Es kamen 1.000 Kinder. Wir waren organisatorisch total überfordert, aber es hat dann doch funktioniert.
Wie lange arbeiten Sie an einer Kinderuni? Karoline: Wir arbeiten ein halbes Jahr dafür: Im Jänner werden die Lehrenden angesprochen, im Februar und März entsteht das Studienbuch und ein Stundenplan wird erstellt sowie die Räume organisiert. Ab Mai suchen wir dann zusätzliche MitarbeiterInnen. Heuer sind es fast 70. Dann folgt die Organisation der Anmeldung und erst dann kann die Kinderuni richtig losgehen. Ursprünglich dachten wir ja, dass wir die Kinderuni nur ein Mal machen werden. Aber schon nach der ersten Kinderuni war klar, dass wir weitermachen müssen. Und so lange die Kinder neugierig bleiben und die WissenschafterInnen gerne mitmachen, machen wir auch weiter.
Gibt es in Zukunft noch weitere Projekte? Karoline: Ein Problem, das wir erkannt haben, ist, dass nicht alle Kinder zur Kinderuni kommen können, weil sie zu weit weg wohnen oder keine Eltern haben, die sie hierher begleiten können. Und deswegen probieren wir dieses Jahr im August etwas Neues aus: "Kinderuni on Tour". Mit einem großen Zelt, das wir als Hörsaal verwenden, fahren wir in Wiener Parks und bringen die Uni direkt zu den Kindern.
Was hätten Sie sich für Vorlesungen ausgesucht, wenn Sie ein Kind wären? Karoline: Wahrscheinlich hätte ich mich nicht entscheiden können. Aber Chorgesang hätte mir Spaß gemacht, obwohl ich nicht singen kann. Generell hätte ich eine kunterbunte Auswahl getroffen, mal hier, mal dort.
Danke für das Interview! (Bearbeitung: Theresa Dirtl) |