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Sommerserie: "Reisen und Wissenschaft"
Sommerserie, Reisen und Wissenschaft
Michaela Hafner (Redaktion) am  4. August 2004

Nachdem dieUniversitaet-online.at letztes Jahr ?Orte der Universität Wien? erkundet hat, möchten wir unsere LeserInnen mit der heurigen Sommerserie ?Reisen und Wissenschaft? zu weiter entfernten Orten einladen. Die Serie beleuchtet Reisen einerseits als Mittel der Wissenschaft, um zu Wissen(saustausch) zu gelangen, und stellt andererseits Projekte und Disziplinen vor, die Reisen und Reisende zum Gegenstand ihrer Forschung machen.

Die meisten Menschen gehen privat auf Reisen, um sich zu erholen, neue Erfahrungen zu machen, FreundInnen zu besuchen, dem Arbeitsalltag zu entfliehen oder per Sightseeing touristische Ziele abzuhaken. Neben Rucksack-, Wochenend- und All-inclusive-TouristInnen ist eine Reihe von Menschen täglich aus beruflichen Gründen unterwegs: PolitikerInnen und VertreterInnen der Wirtschaft ebenso wie WissenschafterInnen. Forschung auf Reisen Während in früheren Jahrhunderten Händler, Seefahrer, Pilger, Kreuzritter, Missionare, Kolonialbeamte und Entdeckungsreisende für den Austausch von Wissen(schaft) sorgten, werden heutzutage Forschungsergebnisse über Publikationen, Gastprofessuren, E-Mail oder persönlichen Kontakt an FachkollegInnen in der ganzen Welt transferiert. ForscherInnen aus allen Teilbereichen treffen sich zum Austausch auf internationalen Tagungen ? vom Elfenbeinturm keine Rede, und die Wirtschaft lebt nicht schlecht vom ?Kongresstourismus?. Manche WissenschafterInnen müssen aus inhaltlichen Gründen für ihre Forschungen auf Reisen gehen, weil sie ihre Forschungs?objekte? nicht (nur) mittels Büchern oder im Labor fassen können. Es sind dies vor allem Disziplinen, die sich mit dem ?Fremden? und fremden Menschen beschäftigen, wie Anthropologie, Afrikanistik, Orientalistik oder Sinologie, aber auch Humanbiologie, Volkskunde oder Soziologie. Andere reisen in ferne Länder, weil sie ? wie GeologInnen, BotanikerInnen, ZoologInnen, ArchäologInnen oder PrähistorikerInnen ? dort ihre Forschungsgegenstände finden, ihre Quellen in ausländischen Archiven lagern oder sie als PhilologInnen den kulturellen und sprachlichen Austausch ?vor Ort? benötigen. Andere Fächer haben Reisen und Reisende selbst zum Forschungsgegenstand und beschäftigen sich mit  Tourismus aus wissenschaftlicher Sicht wie Teile der Geographie, Wirtschaft, Wissenschaftsforschung oder Ethnologie. Ein Thema der Sommerserie beschäftigt sich mit Reise-Welten und der Konstruktion touristischer Räume aus ethnologischer Sicht. Ein Gastbeitrag stellt sich die Frage, ob ForscherInnen TouristInnen sind und worin sie sich unterscheiden ? gerade ethnographische Feldforschungen müssen sich manchmal den Vorwurf des wissenschaftlich legitimierten Tourismus gefallen lassen. Virtuelle Reisen Roland Dreger hat sich angesehen, wie virtuelle Reisen in die Vergangenheit funktionieren. Während Expeditionsreisende in früheren Jahrhunderten noch viele Mühen und Strapazen auf sich nehmen mussten wie zum Beispiel Alexander von Humboldt (1769-1859), der vor 200 Jahren, am 3. August 1804, von seiner fünfjährigen Reise durch Südamerika zurückkehrte, können Archäologie-Interessierte heutzutage bequem vom Home-Office aus in längst vergangene Geschichte/n Einblick nehmen und mithilfe dreidimensionaler Modelle Ephesos oder das antike Rom besuchen. Ein Zweig der Kartographie beschäftigt sich aktuell mit ?Virtuellen Globen? mit dem Ziel, den Globus aus seinem bisherigen Daseinskorsett zu befreien und ihn auf eine neue Stufe als Objekt der Wissensvermittlung globaler Sachverhalte zu stellen. Von Missionaren und mobilen Studenten War Alexander von Humboldt noch direkt vor Ort, um Messergebnisse, Pflanzen, Tiere und Reiseeindrücke zu sammeln, so hatten andere Wissenschafter des 18. und 19. Jahrhunderts oft wenig Bedürfnis, in fremden Ländern Forschungsmaterial zu generieren und ließen sich dieses lieber von Missionaren oder Entdeckungsreisenden mitbringen. Diese Reisen standen zudem meist unter dem Eindruck des Kolonialismus mit dem Hintergedanken, andere Völker und Länder zu beherrschen und von ihren Bodenschätzen zu profitieren, betont Univ.-Prof. Dr. Walter Sauer vom Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte im Gespräch mit Dieter N. Unrath die teilweise kritisch zu hinterfragenden Ziele mancher Expeditionen. Ein UniBlick stellt zusätzlich kurz einige Forschungsreisende der Universität Wien vor, die in den letzten Jahrhunderten im Dienste der Wissenschaft in der Welt unterwegs waren. Studieren in Wien, Prag und Brünn: Während es heutzutage mit Mobilitätsprogrammen wie ERASMUS ein leichtes ist, ein Studien-, aber auch Forschungssemester im Ausland zu absolvieren, war es schon zur Zeit der Habsburgermonarchie üblich, an verschiedenen Universitätsstandorten zu studieren und zu lehren. Der Physiker Ludwig Boltzmann studierte beispielsweise in Wien, Heidelberg und Berlin, der Salzburger Physiker und Mathematiker Christian Doppler wirkte zunächst in Prag und Schemnitz, ehe er nach Wien ging. Bis in die Frühe Neuzeit erleichterte die gemeinsame Wissenschaftssprache Latein zudem den Austausch in Forschung und Lehre. Für viele Studierende sorgen Exkursionen im Laufe des Studiums ? um ein spektakuläres Ziel zu nennen: beispielsweise nach La Gamba, Österreichs einzige ?universitäre Außenstelle? in den Tropen ? nicht nur für willkommene Abwechslung, sondern bieten auch einen spannenden Einblick in den Forschungsalltag ? dieUniversitaet-online.at berichtete. Erzählungen über das Fremde: Reiseliteratur Ein reisender Mensch hat meist auch viel zu erzählen: Mit der Entfaltung des Buchdrucks entwickelte sich die europäische volkssprachige Reiseliteratur zu einer popularisierten Gattung, die eine anwachsende Vielfalt von kulturell Unvertrautem importierte. Die moderne Reisebeschreibung ab dem 18. Jahrhundert richtet den Blick nicht nur nach außen, sondern auch nach innen: Mit modernen Transportmitteln wie der Eisenbahn werden die Distanzen geringer, die Welt wird kleiner, und man beginnt, das Fremde im eigenen Interieur, in der eigenen Nachbarschaft zu suchen. Dr. Annegret Pelz, Lektorin am Institut für Germanistik, sprach mit Simone Kremsberger über reale und imaginäre Reisen und den ?Touristen als Leser kultureller Zeichen?. Und wenn einigen LeserInnen nun der Sinn nach einer kleinen Reise inklusive Bildung steht, dann empfehlen wir einen Ausflug an die tschechisch-österreichische Grenze zur Ausstellung ?Reiselust & Kunstgenuss? über barocke Künstlerreisen, die zeigt, dass Mobilität und Flexibilität keine Schlagworte von heute sind, sondern für Kunst, Wirtschaft und auch Wissenschaft schon lange vor der ?Globalisierung? eine Rolle spielten. Dr. Friedrich Polleroß vom Institut für Kunstgeschichte hat sie kuratiert. (mh) Sommerserie 2003: ?Orte der Universität Wien?: Vom Dach des Hauptgebäudes in den Heizungsraum, vom Universitätsarchiv zum Campus, von der Hausdruckerei in die UB.  

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