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Sport(studium) für Körper- und Sinnesbeeinträchtigte |
| Behinderung/Integration |
| Daniela Schuster (Redaktion) am 9. April 2003 |
Die Arbeit mit Menschen mit Beeinträchtigen kann für SportwissenschaftInnen ein spannendes Arbeitsfeld sein. Die Lehrveranstalttung "Sportangebote für Körper- und Sinnesbehinderte" von Mag. Andrea Scherney am Institut für Sportwissenschaft der Universität Wien gibt erste Einblicke. |
In Österreich leben rund zwei Millionen Menschen mit einer körperlichen Beeinträchtigung. Will nur ein Prozent dieser Gruppe Sport unter Anleitung treiben, so müssten 20.000 Menschen betreut werden. Ein riesiges Arbeitsfeld - auch für SportwissenschafterInnen. Deren universitäre Ausbildung beschäftigt sich jedoch nur am Rande mit dieser Zielgruppe. An der Universität Wien wird am Institut für Sportwissenschaft im Rahmen des alten Studienplanes die Lehrveranstaltung "Sportangebote für Körper- und Sinnesbehinderte" angeboten. Ziel der Übung im Bereich Prävention/Rekreation: Vorurteile und Ängste im Umgang mit behinderten Menschen abbauen und Studierende für den Vereinssport begeistern. Ein Basketballmatch ist ein Basketballmatch ist ein Basketballmatch Veranstaltet wird die Übung von Lektorin Mag. Andrea Scherney, deren Unterschenkel amputiert ist und die als Sportdirektorin dem Österreichischen Behindertensportverband vorsteht. "Durch meine eigene Behinderung und meine Tätigkeit ist das, was ich vermittle, glaubhafter", sagt Scherney. Ihr Anliegen ist es, Studierenden ein Bild darüber zu verschaffen, was Behindertensport ist, nämlich Angebote für Amputierte, Blinde und Sehbehinderte, CerebralparetikerInnen, Hör- und Mentalbehinderte und RollstuhlfahrerInnen auf hohem Niveau, mit dem Ziel Paralympics. "Ich will zeigen, dass sich ein Basketballmatch zwischen Rollstuhlfahrern beispielsweise gar nicht sehr von einem 'gewöhnlichen' Spiel unterscheidet, weder was das Regelwerk noch die Motivation der Spieler angeht. Die Behinderung ist für die Sportler eine zusätzliche Herausforderungen", so die Lektorin. Kaum integrativer Schulsport Unter den Studierenden, die sich für die Lehrveranstaltung interessieren, vermisst Scherney oft LeibeserzieherInnen. "Innerhalb des Lehramts 'Bewegung und Sport' ist die Übung 'Sportangebote für Körper- und Sinnesbehinderte' leider nur ein Freifach", bedauert die Lektorin. Dabei sei es gerade für die Integration behinderter SchülerInnen wichtig, dass sie nicht vom Sportunterricht durch Attest befreit, sondern in den Unterricht einbezogen werden. "Natürlich ist es leichter, eine homogene Gruppe zu unterrichten als eine heterogene. Doch mit einer spezifischen Ausbildung ist es einfach, z.B. auch einen Rollstuhlfahrer, der ja ansonsten gesund ist, im Rahmen seiner Möglichkeiten in die Turnstunde zu integrieren", so Scherney. Neue Arbeitsfelder eröffnen Früher hatten Lehrveranstaltungen wie "Sportangebote für Körper- und Sinnesbehinderte" in der Fächerkombination Prävention/Rekreation als Wahlfreifach innerhalb der Sportwissenschaft ihren festen Platz. Mit dem neuen Studienplan wird dem Behindertensport in Zukunft weniger Platz eingeräumt werden, fürchtet Scherney. "Wenn dieser Themenbereich nicht explizit gelehrt, sondern unter Lehrveranstaltungen mit dem schwammigen Titel 'Sport für Randgruppen' subsummiert wird, dann geht er unter." SportstudentInnen mit Beeinträchtigungen Für ein Sportstudium an der Universität Wien sind derzeit nur ganz wenige Studierende mit Beeinträchtigungen eingeschrieben. "Und diese sind allesamt Leistungssportler", erinnert Scherney. "Für sie stellt die Aufnahmeprüfung trotz z.B. eines fehlenden Armes kein Hindernis dar." Anders würde es etwa für einen Rollstuhlfahrer aussehen. Weder ist das Institutsgebäude auf der Schmelz barrierefrei - zu den Sportplätzen führt trotz regelmäßiger Wettkämpfe des Österreichischen Behindertensportverbandes am Ort keine Rampe hinunter - noch der Zugang zum Studium selbst. "Es ist klar, dass ein Rollstuhlfahrer nicht dieselbe Aufnahmeprüfung machen kann wie ein Nicht-Behinderter. Hier müssen andere Kriterien gefunden werden, um seine Eignung für das Studium individuell festzustellen. Unter anderem müssten Experten in die Berufungskommission aufgenommen werden, die das beurteilen können", so Scherney. Bislang gibt es solche Ausnahmeregelungen nicht. "Ich habe den Eindruck, als würde man ein wenig den Kopf einziehen und hoffen, das erst gar kein Rollstuhlfahrer auf die Idee kommt, sich für ein Studium der Sportwissenschaft zu interessieren, so dass man die Frage einer angepassten Aufnahmeprüfung bislang gerne unter den Tisch fallen lassen hat." Eigene Erfahrungen Scherneys Meinung nach ist das Sportstudium so lange nicht offen und barrierefrei, wie nicht über Lösungen für behinderte Studierende gesprochen wird. "Natürlich kann es nicht DIE Lösung für alle geben, Entscheidungen müssen im Einzelfall individuell getroffen werden." Wie schwer sich die Institute mit der individuellen Beurteilungen von behinderten SportlerInnen im Studium tun, hat Andrea Scherney selbst erfahren. Sie hatte bereits ein achtsemestriges Studium absolviert, als sie bei einem Unfall ihren Unterschenkel verlor. "Ich wollte gerne weiterstudieren, doch am Institut sah man zu Beginn keine Möglichkeit wie. Ich war ein Präzedenzfall." Ein Präzedenzfall, der mit dem Magistertitel entschieden wurde. (dan) Institut für Sportwissenschaft der Universität Wien |
