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Stärkere Netzwerkbildung mit den Universitäten der neuen EU-Länder
EU-Erweiterung
Eszter Bokor (Redaktion) am 24. März 2004

DieUniversitaet-online.at bat aufgrund der bevorstehenden EU-Erweiterung Arthur Mettinger, Vizerektor Lehre und Internationales, zu einem Gespräch. Themen waren die EU-Erweiterung, der Bologna-Prozess und die Entstehung des Europäischen Hochschulraumes.

Redaktion: Hat die Erweiterung der EU mit 1. Mai 2004 direkte Auswirkungen auf die Universität Wien? Arthur Mettinger: Wir werden von einer Randlage-Universität zu einer Zentrums-Universität. Redaktion: Was bedeutet der Bologna-Prozess für Europa? Mettinger: Der Bologna-Prozess ist ein Versuch, das stark nach Ländern und Regionen divergierende Hochschulsystem vergleichbar und in seinen Ideen, Grundlagen und Zielen auch außerhalb Europas kommunizierbar zu machen. Es ist ein freiwilliger Prozess, denn die Hoheit über die Bildungsgesetze verbleibt bei den einzelnen Mitgliedsländern. Der Prozess wird von den BildungsministerInnen der jeweiligen  Länder politisch getragen, muss jedoch im Konkreten von den Universitäten umgesetzt werden. Es gibt eine Aufgabenteilung auf drei Ebenen: Regierungen müssen ihre Hochschulrahmengesetze so umgestalten, dass die Schaffung des Europäischen Hochschulraumes möglich ist. Auf der institutionellen Ebene der Universitäten sind dann eine Reihe von Maßnahmen zu setzen. Das Ganze wird komplettiert durch Überlegungen auf der gesamteuropäischen Ebene zur Rolle der Universitäten in der Wissensgesellschaft und zu den Zielen des Bologna-Prozesses und des Europäischen Hochschulraumes. Redaktion: Was bedeutet der Prozess spezifisch für die Universität Wien? Mettinger: Für die Universität Wien stellt sich die strategische Frage: Möchte die Universität Wien eine europäische, internationale Universität sein, oder möchte sie in erster Linie eine regionale Universität sein? Aus meiner Sicht ist aus der Tradition, aus der Geschichte und aus dem Selbstverständnis der Universität Wien ganz klar abzuleiten, dass wir eine europäische und internationale Universität sind und weiter sein wollen. Die Uni Wien hat eine besondere geopolitische Lage in der Ausstrahlung nach Zentraleuropa, sie hat aber als ein Flagschiff europäischer Universitätskultur auch die Aufgabe, außerhalb Europas zu wirken. Das setzt voraus, dass wir unsere Studienstruktur und unser Studienangebot auf diese Internationalität ausrichten. Redaktion: Es bestehen schon zahlreiche Netzwerke mit den mittel- und osteuropäischen Ländern. Was wird sich durch die Implementierung des Bologna-Prozesses ändern? Mettinger: Es wird zu einer stärkeren Netzwerkbildung kommen. Die Frage ist, können und wollen wir unser Forschungs- und Studienangebot gemeinsam weiterentwickeln? Wenn es zum Beispiel an der Universität Bratislava ein ausgezeichnetes Bakkalaureatsprogramm in einem bestimmten Fach gibt, aber kein Magisterprogramm, dann würde es Sinn machen, dass die Universität Wien ein entsprechendes komplementäres Programm dazu anbietet. Damit schafft man neue Bildungsmöglichkeiten in einer Region. Die Schaffung von gemeinsamen Bildungsprogrammen von zwei oder mehreren Universitäten bringt viele Vorteile: Die beteiligten Unis können ihr Profil und ihr Studienportofolio erweitern, können den Studierenden eine breitere Palette von Bildungsmöglichkeiten anbieten und durch die Kooperation im Bereich der Lehre erfolgt sehr oft eine verstärkte Kooperation in der Forschung. Redaktion: Welche Maßnahmen setzt die Universität, um die Mobilität zu fördern? Mettinger: Je interessanter und attraktiver unser Studienangebot wird und je mehr abgestimmt und besser vergleichbar es mit den Angeboten anderer Universitäten es ist, umso leichter wird die Mobilität sein. Wir haben noch einen leichten Überhang an Outgoing-StudentInnen in westeuropäische Länder, während weniger österreichische Studierende in den Osten Europas gehen. Ich glaube, dass die EU-Erweiterung den Blick dafür schärfen wird, dass es auch für unsere Studierenden interessant ist, nach Ungarn, Polen oder Slowenien zu gehen. Das Prinzip der Reziprozität bleibt weiterhin unser Ziel. (eb) Lesen Sie hier den 2. Teil des Interviews mit Vizerektor Arthur Mettinger. Vizerektor Arthur Mettinger

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