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StudentInnen mit Behinderung an der Universität Wien - ein Einblick |
| Behinderung/Integration |
| Dieter N. Unrath (Redaktion) am 11. April 2003 |
Studieren mit Behinderung ist nicht einfach. Wie erleben Studierende mit Behinderungen ihren Universitätsalltag? DieUniversitaet.at befragte einige behinderte Studierende zur ihrer Studiensituation an der Universität Wien. |
Niemand darf laut Gesetz wegen seiner Behinderung benachteiligt werden. Wie schaut die Situation behinderter Studierender an der Universität Wien aus? Wie können Probleme gelöst werden? Wer bietet Hilfestellungen an? Wie können behinderte und nichtbehinderte Studierende miteinander umgehen? Das Spektrum von Studierenden mit Behinderung ist sehr breit. Es reicht von Sprach-, Seh-, Hör- und Mobilitätsbehinderungen über chronische und psychische Erkrankungen bis hin zu Mehrfachbehinderungen. Studieren ohne Barrieren Die meisten Gebäude der Universität Wien sind für gehbehinderte Menschen mehr oder weniger erschlossen, sie sind jedoch nicht in allen Fällen barrierefrei. Jasna Puskaric, Jusstudentin und Elektrorollstuhlfahrerin bestätigt dies: "Das Juridicum ist für mich zugänglich und in einem großen Maße barrierefrei, trotzdem gibt es immer wieder kleine Barrieren, die ein großes Hindernis darstellen: Zum Beispiel sind die Türen, die die Aula von Liftraum abtrennen, nur schwer zu öffnen. Leider muss ich auch betonen, dass nicht alle Institute für mich mit Rollstuhl zugänglich sind, so hat das Institut in der Heßgasse zwar einen Lift, jedoch führen sieben Stufen dorthin." Auch Karin Matschir, Pädagogikstudentin und ebenfalls an den Rollstuhl "gefesselt", sieht einige Mängel: "Die normalen Zugänge zu den Hörsälen sind oft nicht benutzbar und es müssen 'Schleichwege' zu den Hörsälen gefunden werden, die eventuell - so wie in meinem Fall - durch fremde Institute führen. Manche Hörsäle sind mit dem Rollstuhl nicht erreichbar, da kein Lift hinführt, und diese Lehrveranstaltungen kann ich somit gar nicht besuchen." Trotz vieler baulicher Hindernisse wurde doch einiges für Studierende mit Behinderung getan, so bietet beispielsweise das Institut für Afrikanistik einen Schüssel für gehbehinderte Studierende an, damit diese einen gesondertern, behindertengerechten Eingang verwenden können. Zusammenarbeit mit Mitstudierenden und Professoren Das Miteinander von behinderten und "gesunden" StudentInnen ist wichtig: Behinderte Studierende möchten normal behandelt werden. Alfred Dietrich, berufstätiger gehbehinderter Studierender, zum Umgang mit KollegInnen: "Es gibt einige nette Institutsangehörige und Studienkollegen, die mir bei Schwierigkeiten wie Abholen von Zeugnissen, Anmeldungen etc. behilflich sind." Jedoch hat er leider auch negative Erfahrungen gemacht: "Manche StudentInnen reagieren entweder mit Staunen, Ignoranz oder Unverständnis auf meine Behinderung." Und Jasna: "Einige schauen halt öfter, für die meisten ist meine Behinderung aber nichts besonderes." Ein vorbildliches Projekt an der Universität Wien zur Förderung der Zusammenarbeit behinderter und nichtbehinderter Studierender ist die "Integration behinderter und/oder chronisch kranker Studierender am Institut für Germanistik". Seit Jänner 2001 existiert dort eine Arbeitsgruppe unter der Leitung von Mag. Susanne Hochreiter (Institut für Germanistik), die die Aufgabe hat, Maßnahmen zur Integration von behinderten Studierenden zu entwickeln und umzusetzen. Dabei bieten u.a. StudentInnen behinderten KollegInnen ihre Hilfe an, etwa als Begleitpersonen. Auch die Zusammenarbeit mit ProfessorInnen funktioniert im Großen und Ganzen gut. "Die Professoren haben keine 'übergroße Rücksicht' mir gegenüber, ab und zu werde ich gefragt ob ich länger Zeit brauche bei Klausuren, aber sonst bin ich eine Studentin wie alle anderen, zumindest fühle ich mich so, und das ist gut!", meint Jasna Puskaric. "Wende ich mich mit einem konkreten Problem an den Lehrveranstaltungsleiter, kann meistens Abhilfe geschaffen werden", so Alfred Dietrich. Die Wahl des Studienfaches für behinderte Studierende ist meistens nicht einfach. Leider kommt es auch vor, dass Studierende mit Behinderung ihr Studium abbrechen oder gar wechseln mussten: "Auch wenn sehr viel bereits getan wurde, manchmal ist man immer noch gezwungen aufgrund von baulichen Barrieren die Studienrichtung zu ändern. Bei mir war es auch ein Grund, warum ich von Übersetzung- Dolmetsch zu Jus gewechselt habe", so Jasna Puskaric. Mehr Aufklärungsarbeit über Behinderung an der Universität Wien Ziel sollte letztendlich sein, Studierenden mit Behinderung und chronisch erkrankten Studierenden den Weg durch das Studium möglichst "ohne Behinderung" zu ermöglichen. Mehr Aufklärungsarbeit ist hier notwendig. "Aufklärungsarbeit ist wichtig, vor allem über die Medien. Viele Menschen wissen gar nicht, dass man an der Universität Wien nicht alle Hörsäle problemlos mit dem Rollstuhl erreichen kann, aber man muss genauso Studiengebühren bezahlen wie jeder andere auch", kritisiert Karin Matschir. Alfred Dietrich fügt hinzu: "Ich denke, jeder Behinderte leistet im Rahmen seines Studiums bei seinen Mitstudierenden Aufklärungsarbeit. Wie sie auf größere Ebene erfolgen kann, kann ich nur schwer beurteilen, da ja die meiste Berichterstattung über behinderte Menschen über die "Mitleidsschiene" läuft und dies für Verbesserungen bzw. für die Bewusstseinsschaffung in der Öffentlichkeit kontraproduktiv ist." (du) |
