Apart - das bedeutet "außergewöhnlich, geschmacks- und reizvoll", aber auch "getrennt, einzeln, für sich". Wie viele andere Wirtschaftszweige Südafrikas ist auch der Weinbau des Landes nach wie vor von sozialen Ungleichheiten geprägt. Daher implementierte die südafrikanische Regierung bereits vor Jahren ein Programm, das sich Black Economic Empowerment (BEE) nennt und die Schieflage in allen Wirtschaftszweigen beheben soll. Unter "black" versteht die neue Regierung AfrikanerInnen, "Farbige" und InderInnen. Es beschreibt daher nicht eine Hautfarbe, sondern eine gesellschaftliche Kategorie von Menschen, die im Apartheidregime systematisch unterdrückt und ausgebeutet wurden.
Eine spannende Frage ist, inwieweit das Programm BEE funktioniert und welche sozialen Veränderungen seit Ende der Apartheid im Jahr 1994 stattfanden. Zwanzig Studierende des Instituts für Kultur- und Sozialanthropologie machten sich im Jahr 2005 im Rahmen eines Feldpraktikums unter der Leitung von Ao. Univ.-Prof. DDr. Werner Zips auf die Suche nach Antworten. Als Beispiel wählten sie die Weinindustrie, die einer der wichtigsten Wirtschaftszweige des Landes ist.
Black Economic Empowerment
"Die Situation im Weinbau ist sehr bedenklich", sagt Werner Zips, "denn beinahe hundert Prozent des Landbesitzes und der Produktionsmittel sind noch in den Händen 'Weißer', 'Schwarze' leben am Rande der schönsten Weingegenden in Ghettos und sind höchstens VertragsarbeiterInnen." Im Rahmen der Programmlinie "Black Economic Empowerment" werden daher beispielsweise "schwarze" Weinfirmen subventioniert oder Ausbildungen und Schulungen gefördert: So werden etwa angehende "schwarze" WeinmacherInnen nach Frankreich in die Region Bordeaux geschickt.
Exkursion in die Weinberge
Geschickt wurden auch die Studierenden der Sozial- und Kulturanthropologie, nämlich nach einem Semester Vorbereitungsseminar in die südafrikanischen Weinberge. Dort untersuchten die TeilnehmerInnen der Exkursion drei BEE-Projekte mit anthropologischen Methoden. Dabei verbrachte die Gruppe je ungefähr eine Woche auf den ausgewählten Weinfarmen, lebte mit den ArbeiterInnen und führte Interviews.
Drei BEE-Projekte
Eines der ausgewählten Fallbeispiele betraf die erste Landübereignung in der Weinindustrie durch den Eigentümer an seine ArbeiterInnen; es handelte sich um eine alteingesessene, bekannte Weinfarm. "Dieses Projekt mit dem Namen New Beginnings bekam in Südafrika viel Presse", erzählt Werner Zips, "es wurde aber auch angefeindet, weil der Eigentümer quasi diese 'weiße' Linie, kein Land zu übereignen, übertreten hatte."
Das zweite Projekt - genannt Thandi, was übersetzt "durch Liebe wachsen wir zusammen" heißt - hatte eine größere Dimension: In diesem fanden sich 150 WeinarbeiterInnen; sie erhielten je die Hälfte Land von einem Eigentümer und die andere Hälfte von der Waldbehörde, um ihr eigenes Unternehmen zu betreiben. Das dritte Fallprojekt mit dem Namen Sonop betrieb eine Schweizer Firma, die von sich aus, ohne um eine BEE-Förderung anzusuchen, auf Empowerment setzte.
Erfolgreiches "schwarzes" Business?
In der letzen Phase des Forschungsseminars ging es um die Verschriftlichung der Ergebnisse, die nun auch als Buch vorliegen. Die Studierenden bearbeiteten die Daten unter unterschiedlichen Gesichtspunkten, abhängig von den ausgewählten Themenblöcken, die von Gender oder Landreform bis zu "Politik der Versöhnung" und Tourismus reichten. Ein generelles Ergebnis des Forschungsprojekts ist, dass die Erfolge der drei Empowerment-Projekte sehr unterschiedlich, aber teilweise eher verhalten sind.
Im ersten Fallbeispiel war die Problematik, dass die neuen, "schwarzen" Weinbauern letztlich auf "weißes" Know-how angewiesen waren, weil Wein ein kompliziertes, auf langjährige Erfahrung aufbauendes Geschäft ist. Das große Projekt funktionierte recht gut, der Wein erhielt internationale Auszeichnungen und wird auch an Board der South African Airline serviert - die Einkünfte reichen aber noch nicht aus, dass 150 Leute davon leben können.
To BEE or not to be
Trotz diverser Schwachstellen im Ansatz zieht das kultur- und sozialanthropologische Forschungsteam die Schlussfolgerung, dass BEE ein notwendiger, wichtiger Steuerungsmechanismus ist. "Wenn es Südafrika nicht schafft, die Disparitäten zu überwinden, könnten die Konsequenzen tragisch sein", meint Werner Zips. Entweder werde der Druck von unten so groß, dass es zu sozialen Unruhen komme und/oder ein autoritäres Regime könnte entstehen. Deswegen sieht Zips trotz berechtigter Kritik in BEE, das auf Wirtschafts- und Verteilungsgerechtigkeit abzielt, eine der wenigen Möglichkeiten, Stabilität herzustellen. (hh)
Bei dem Projekt "To BEE or not to be? Soziale Transformationen im Neuen Südafrika am Beispiel der Weinindustrie" handelte es sich um ein Feldpraktikum, das innerhalb des Anthropologie-Studiums vorgeschrieben ist und in diesem Fall als studentisches Forschungsprojekt mit finanzieller Unterstützung der südafrikanischen halb-staatlichen Organisation SAWIT (South African Wine Industry Trust) stattfand. Projektleiter war Ao. Univ.-Prof. DDr. Werner Zips vom Institut für Kultur- und Sozialanthropologie. Die Projektergebnisse erschienen bereits als Film, der unter anderem auf Bayern alpha ausgestrahlt wurde, und liegen nun gesammelt in Buchform vor.
Buchtipp Werner Zips (Hg.): To BEE or not to be? Black Economic Empowerment im Neuen Südafrika am Beispiel der Weinindustrie, Lit Verlag 2008 |