![]() Am 2. und 3. März 2006 diskutierten Rektoren und andere Uni-Verantwortliche ... ![]() ... über die Situation von Hochschulbildung und Forschung in Ländern des westlichen Balkans. ![]() In verschiedenen Arbeitsgruppen wurde ein Papier erarbeitet, das am 16. März den europäischen BildungsministerInnen vorgestellt wird. European University Association (EUA) "EUA Seminar on Higher Education and Research in South East Europe" |
Südosteuropäische Universitäten im "Spotlight" bei EUA-Konferenz |
| Forschungspolitik, EU und Universität Wien |
| Michaela Hafner (Redaktion) am 6. März 2006 |
Wie können Hochschulbildung und Forschung in Südosteuropa gestärkt werden? Im Rahmen einer internationalen Konferenz an der Universität Wien wurde vergangene Woche ein Papier erarbeitet, dass die Implementierung des Bologna-Prozesses und den Aufbau einer verbesserten Infrastruktur vorschlägt. |
"Die Menschen, insbesondere junge Menschen in Südosteuropa setzen große Erwartungen in Bildung und Ausbildung", sagte Lamija Tanović von der Universität Sarajewo nach Abschluss der zweitätigen Konferenz "Strengthening Higher Education and Research in South East Europe". Das sehen viele ExpertInnen mittlerweile genau so: Bildung und Forschung als Chance, mittel- und langfristig wirtschaftliche Probleme auszumerzen. Über 100 Rektoren und Uni-VertreterInnen aus Südosteuropa diskutierten vergangene Woche an der Universität Wien, wie das Hochschulsystem auf dem Westlichen Balkan an internationale Standards angepasst werden könnten.
Treffen der Bildungsminister am 16. März
Georg Winckler, Rektor der Universität Wien und seit einem Jahr Präsident der EUA, sieht die Konferenz als Vehikel für Veränderungen in der Gesellschaft und in der Region. Die TeilnehmerInnen erarbeiteten ein Papier mit Empfehlungen, die Winckler in seiner Dinner Speech im Rahmen des Treffens der EU-BildungsministerInnen am 16. März in Wien vorstellen wird. Verantwortliche aus 38 Ländern (die EU-25 sowie die Efta-Länder Island, Schweiz, Norwegen und Liechtenstein, weiters Beitrittskandidaten und "Vor-Beitrittskandidatenländer") werden bei diesem Treffen teilnehmen.
Konkrete Empfehlungen
Den jeweils für Bildung und Universitäten zuständigen MinisterInnen in den Staaten des Westbalkans wird empfohlen, die Kriterien des so genannten Bologna-Prozesses zu implementieren, der zu einer Angleichung der Studiensysteme in Europa führen soll, und dadurch auf EU-Standards zu bringen. Der Austausch der Studierenden und WissenschafterInnen müsse verstärkt und vereinfacht werden ("brain circulation"); die Mobilität könne nur vorangehen, wenn es gemeinsame Spielregeln gebe, die die Qualitätssicherung oder die Anrechenbarkeit betreffen. Auch deshalb sei die Implementierung des Bologna-Abkommens in Südosteuropa so wichtig, so Winckler bei einem Pressegespräch.
Weiters müssten die Forschung gestärkt, eine bessere Infrastruktur aufgebaut und institutionelle Reformen angeregt werden, fasste Winckler zusammen. Für eine bessere Vernetzung mit den EU-Staaten sollten die Westbalkan-Länder die Anstrengungen zur Teilnahme an EU-Forschungsprogrammen intensivieren. Doch um die Region stärker vor allem ins kommende, 7. Rahmenprogramm einzubinden ? Ziel müsse die volle Partizipation sein ?, brauche es spezielle Calls und unterstützende Mechanismen.
Diskussion über Probleme wichtig
Mindestens so wichtig wie diese Empfehlungen ist für Lamija Tanović, dass sich die Uni-Verantwortlichen und Rektoren der Region getroffen und ihre ? durchaus ähnlichen ? Probleme diskutiert haben. So würde sich die Politik oft zu stark in Uni-Angelegenheiten einmischen, einige Professoren seien gleichzeitig auch als Politiker tätig. Sie zeigte sich dankbar gegenüber der österreichischen EU-Präsidentschaft, die den westlichen Balkan in den Mittelpunkt der Diskussionen rückt, und plädierte dafür, solche Events zu wiederholen. Auch Janja Komljenovic, Studentin an der Universität Ljubljana und Mitglied der National Unions of Students in Europe (ESIB), betonte, wie wichtig es sei, dass diese Region im "Spotlight" stehe. Die Studentenvertreterin sprach auch an, dass Studierendenorganisationen oft keine Finanzierung hätten.
Räumliche Nähe
"Regionale Kooperationen sind wichtig, da sie die Unis gegenseitig stärken", sagte Winckler und wies auf die räumliche Nähe mancher Universitäten hin: So liege manche Universität in Rumänien näher zur Universität Wien als Innsbruck. Um Joint-Degree-Programme oder gemeinsame Forschungsbereiche (Knowledge Communities) aufzustellen, müsse man sich kennen lernen. Vernetzungstreffen, wissenschaftliche Kooperationen und die Angleichung der Studiensysteme sind ein Schritt in diese Richtung. (mh)
Die Konferenz "Strengthening Higher Education and Research in South East Europe", die von der Universität Wien und der EUA (European University Association) mit Unterstützung der österreichischen EU-Präsidentschaft veranstaltet wurde, fand von 2. bis 3. März 2006 an der Universität Wien statt. |



