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Das neue Buch stellt die Fauna des Botanischen Gartens vor, darunter sind:


der Zangenschwanz Catajapyx aquilonaris (E. Christian),


der Carabus violaceus (Goldleiste), ein häufiger Bewohner großer Park- anlagen (Foto: A. Nemec),


die parthenogenetische Weichwanze Campyloneura virgula (Foto: W. Rabitsch),


ein Männchen der Blattschneiderbiene Megachile lagopoda (Foto: G. Hölzler),


die häufigste Schwebfliege im HBV, Eristalis tenax (Foto: N. Szucsich), ...


und die Kohlmeise (Foto: P. Buchner).


In den von Betonringen eingefassten Wasserstellen befinden sich zahlreiche räuberische Wasser- insekten, die kein Aufkommen von Gelsenbrut erlauben (Foto: B. Seidel).


Institut für Botanik der Universität Wien
Institut für Zoologie der Universität Wien
Botanischer Garten der Universität Wien
Institut für angewandte Biologie und Umweltbildung IfaBU  
Tiere unter Pflanzen: Die Tierwelt des Botanischen Gartens
Botanischer Garten
Michaela Hafner am 20. Dezember 2004

Der Botanische Garten der Universität Wien ist nicht nur Ort von Lehre und Forschung und Erholungsraum für Zweibeiner, sondern bietet auch einen besonderen Lebensraum für viele Tiere. Eine Art Inventarisierung der tierischen Bewohner des Botanischen Gartens liegt nun erstmals in Buchform vor. Besonders beeindruckend: 18 Erstnachweise konnten für Österreich festgestellt werden, unter den Milben wurde sogar eine weltweit bisher unbekannte Art entdeckt.

Eichhörnchen, Schmetterlinge, Bienen oder Heuschrecken sind wohl den meisten BesucherInnen bei einem Spaziergang im Botanischen Garten im dritten Bezirk bereits aufgefallen. Dass der Garten aber weit mehr Tieren und Insekten Lebensraum bietet, zeigt ein kürzlich erschienenes Buch, das dem Hortus Botanicus Vindobonensis (HBV) zum heurigen 250-jährigen Geburtstag "geschenkt" worden ist. Erstmals liegt somit durch die Kooperation zwischen dem Institut für Botanik und dem Institut für Zoologie der Universität Wien, dem Institut für Zoologie der Universität für Bodenkultur und dem Institut für Angewandte Biologie und Umweltbildung eine versuchte Gesamt-Bestandsaufnahme der tierischen Bewohner vor ? bisher wurden nämlich nur einzelne Tiergruppen, z.B. Wildbienen, untersucht. Im Boden und auf dem Boden, im Busch und auf dem Baum Wie viele Tierarten haben nun in dieser grünen Oase mitten in der Stadt ihre (zeitweise) Heimat gefunden? "Das Ergebnis ist beeindruckend", meint Herausgeber Mag. Alexander Pernstich vom Institut für Angewandte Biologie und Umweltbildung (IfaBU), "über 700 Arten wurden gefunden. Besonders artenreich sind hierbei naturgemäß die Vertreter aus der Tiergruppe der Gliedertiere (Arthropoda)." Neben Bodentieren, Käfern, Spinnen, blütenbesuchenden Insekten sowie Säugetieren und Vögeln wurden auch weniger vertraute Tiere wie Bodenmilben, Schwebfliegen und Wanzen, selbst die bei Menschen äußerst unbeliebten Stechmücken in beinahe dreijähriger Arbeit von 22 WissenschafterInnen, SpezialistInnen für die jeweiligen Tiergruppen, beobachtet, erforscht und dokumentiert. Dabei wurden 18 Erstnachweise für Österreich erbracht, etwa die Wanzen Metacanthus annulosus und Dichrooscyus gustavi oder der Wenigfüßer Trachypauropus chordatus. "Möglicherweise wurde auch eine für die Wissenschaft gänzlich neue Tierart entdeckt, in der Gruppe der bodenlebenden Milben", deutet Pernstich einen sensationellen Fund an. Die Vielfalt der im Botanischen Garten lebenden Fauna verdankt sich dem Umstand, dass er ein reiches, auch exotisches Angebot an Pflanzen beherbergt, der zum Teil über 200 Jahre alte Baumbestand bietet hervorragende Nistmöglichkeiten für Höhlenbrüter. "Der Botanische Garten ist ein wichtiger, von vielen Tierarten genutzter Lebensraum innerhalb seines städtischen Umfeldes", so der Zoologe Pernstich über eine der ältesten und artenreichsten Grünanlagen im Zentrum Wiens. Sammelband: "Die Tierwelt des Botanischen Gartens" In 16 Beiträgen beschreiben die WissenschafterInnen ? die Hälfte von ihnen forscht und lehrt an der Universität Wien ? die Artenvielfalt des HBV: Am Anfang jedes Artikels gibt es eine kurze allgemeine Einführung in die jeweilige Tier- oder Insektengruppe, ehe detaillierte Beschreibungen, Informationen zur Untersuchungsmethode oder ein tabellarischer Überblick zu Häufigkeit, Familien etc. folgen. Das Buch schafft somit den Spagat zwischen wissenschaftlichem Anspruch an FachkollegInnen und populärwissenschaftlicher Aufbereitung für interessierte LaiInnen. Die reiche Bebilderung macht Lust, selbst möglichst bald in den dritten Bezirk zu fahren und das eine oder andere tierische Lebewesen zu suchen, was auch durch im HBV aufliegende Folder mit Kurzinformationen erleichtert werden soll ? die ersten zu Bienen, Schmetterlingen und Wanzen liegen seit heuer für BesucherInnen bereit. Fortsetzung folgt? Die beschriebene Tierwelt ist jedoch nur eine Momentaufnahme, gibt Alexander Pernstich zu bedenken. "Höchstwahrscheinlich gibt es weit mehr Tierarten im Botanischen Garten, als wir bisher gefunden haben." Pernstich hofft daher auf eine Fortsetzung des von der Hochschuljubiläumsfondstiftung finanzierten Projekts, schließlich ist die Artenvielfalt des HBV mit dem vorliegenden Band noch nicht vollständig beschrieben: Amphibien, Reptilien, Nachtvögel oder Fledermäuse warten beispielsweise noch auf ihre Dokumentation. (mh) Alexander Pernstich, Harald W. Krenn (Hg.): Die Tierwelt des Botanischen Gartens der Universität Wien. Eine Oase inmitten der Großstadt. Wien 2004. Das Buch ist über office@ifabu.at bzw. beim Portier des Instituts für Botanik (1030 Wien, Rennweg 14) erhältlich und kostet 17,95 Euro (+ Versand).  

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