Redaktion: Wie lautet das Kernanliegen von eument-net? Evi Genetti: Es geht um die Etablierung von transnationalen Mentoring-Netzwerken, die nach Abschluss des Programms im September 2008 noch weiter bestehen sollen. Dabei ist natürlich die Grundfrage entscheidend, wie wir kooperieren können, um den Weg für gemeinsame Mentoring-Programme zu ebnen.
Redaktion: Welche Institutionen nehmen an dem Programm teil? Herta Nöbauer: Die Hauptkoordination befindet sich an der Universität Fribourg in der französischsprachigen Schweiz, die Universität Bern ist die zweite Schweizer Teilnehmerin, aus Deutschland ist das Mentoring-Programm MUT aus Baden-Württemberg dabei und als einzige wissenschaftliche Organisation, die noch keine Erfahrung im Mentoring Bereich hat, die Akademie der Wissenschaften in Sofia, Bulgarien. Jede dieser fünf Partnerinstitutionen verfolgt ein Arbeits-Programm mit bestimmten Zielsetzungen für diese zwei Jahre. Evi Genetti: Gerade der Transfer nach Osteuropa ist ein ganz wichtiger Schwerpunkt des Projekts. Wir als Universität Wien haben dazu den Kontakt gelegt, durch unsere Empfehlung wurde die bulgarische Partnerin aufgenommen. Es hat sich gezeigt, dass die Universität Wien im Gegensatz zu Deutschland oder der Schweiz eine viel größere Sensibilität gegenüber dem osteuropäischen Raum hat und über mehr Know-How verfügt.
Redaktion: Was sind die Ziele des EU-Projekts? Herta Nöbauer: Das erste und oberste Ziel lautet "Wissensaustausch und -transfer". Das muss man allerdings etwas differenzierter sehen, da vier Institutionen im Bereich Mentoring schon jahrelange Erfahrungen aufweisen, während die Institution in Bulgarien noch nie ein Mentoring-Programm durchführte. Das heißt der Austausch findet zwischen vier bereits etablierten Programmen statt und der eigentliche Transfer verläuft von West- nach Osteuropa. Ein weiteres großes Ziel ist es, innerhalb der Partnerorganisationen transnationale Mentoring-Strukturen aufzubauen. Die Erstellung solcher Strukturen ist nicht einfach, weil es sehr große nationale Unterschiede gibt.
Redaktion: Was ist der Beitrag und die Aufgabe des Referats Frauenförderung und Gleichstellung? Evi Genetti: Wir sind für ein Workpackage verantwortlich, das sich mit Implementierungsstrategien von Mentoring-Programmen auseinandersetzt. Hier können wir unsere eigenen Erfahrungen des muv-Programms sehr gut einbringen. Im Mai findet in Wien dazu ein Workshop statt, wo übrigens alle Teilnehmerinnen des Projekts zum ersten Mal zusammen treffen. Derzeit identifizieren wir die Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen den beteiligten Institutionen. Wir gehen davon aus, dass zuerst einmal die unterschiedlichen nationalen Forschungssysteme verstanden werden müssen, um sich zu überlegen, wie solche grenzüberschreitenden Mentoring-Programme funktionieren können. Herta Nöbauer: So wie es bisher aussieht, sind die Unterschiede größer als die Ähnlichkeiten. Wir wollen trotzdem versuchen, einen allgemeinen Nenner herauszuarbeiten und daraus ein englischsprachiges Guideline-Manual zu erstellen. Darin wird es ganz konkret um Implementierungsstrategien und -methoden gehen, auch mit Fokus auf Osteuropa. Dieses Manual wird auch in Bulgarisch sowie eventuell andere osteuropäische Sprachen übersetzt werden. Evi Genetti: Weiters gibt es noch andere Workpackages, wo wir mitarbeiten, aber nicht zentral verantwortlich sind. Ein besonders wichtiges Projekt ist dabei die Erstellung einer elektronischen Plattform: Diese Plattform soll möglichst alle Mentoring-Programme in Europa vereinen sowie Best practices und Guidelines zur Verfügung stellen. Diese Homepage für Wissensautausch und -transfer auf elektronischem Weg ist ein zentraler Aspekt des ganzen Projekts.
Redaktion: muv, das Mentoring-Programm der Universität Wien, existiert nun seit 2000 und wird ab 2007 direkt von der Universität Wien finanziert. Das ist ein großer Erfolg. Wie ist die Lage von Mentoring-Programmen in den anderen Teilnehmer-Ländern? Herta Nöbauer: In der Schweiz existieren sehr viele Mentoring-Programme, wobei sie über den Bund und nicht die Universitäten finanziert werden. Eine Schweizer Kollegin hat es gut auf den Punkt gebracht: "Die Schweiz hat das Geld, aber nicht die Gesetze für Gleichstellung. In Österreich gibt es die Gesetze, aber nicht das nötige Geld, sie umzusetzen." In Deutschland ist es ähnlich wie in Österreich: Dort gibt es ganz gute Gesetze in Bezug auf Gleichstellung, aber einen Mangel an Geldern.
Redaktion: Was sind Ihre persönlichen Erwartungen an das EU-Projekt? Herta Nöbauer: Für mich geht ein Traum in Erfüllung, weil ich von Beginn unseres Mentoring-Programms muv den Wunsch hatte, dass wir transnational agieren. Zudem finde ich es als ausgebildete Sozial- und Kulturanthropologin ganz besonders spannend, die Zusammenarbeit mit anderen Ländern und deren kulturellen Eigenheiten zu erleben. Auch der Blick auf das Eigene - die eigene Arbeit hier und die Universität Wien - wird durch den Vergleich mit dem Anderen erneuert. Evi Genetti: Für mich ist ebenso der internationale und transnationale Austausch das spannende an diesem Projekt. Wir bewegen uns weg von der lokalen Ebene und sehen, wie es ExpertInnen in anderen Kontexten geht. (td)
eument-net Das EU-Mentoring Projekt eument-net startete im Jänner 2007 und läuft bis September 2008. Insgesamt nehmen daran fünf wissenschaftliche Institutionen teil: Universität Fribourg, Service de l?égalité entre femmes et hommes, Réseau romand de mentoring pour femmes; Bulgarian Academy of Sciences, Institute for Philosophical Research; Universität Bern, Abteilung für die Gleichstellung von Frauen und Männern, Mentoring Deutschschweiz; Landeskonferenz der Gleichstellungsbeauftragten an den wissenschaftlichen Hochschulen Baden-Württembergs, Mentoring-Programm MUT sowie Universität Wien, Referat Frauenförderung und Gleichstellung, Mentoring Programm muv.
Literaturhinweise zum Thema Mentoring: Herta Nöbauer, Evi Genetti, Waltraud Schlögl (Hg./Eds.): Mentoring für Wissenschafterinnen. Im Spannungsfeld universitärer Kultur- und Strukturveränderung. Mentoring for Women Academics and Scientists: Questioning Structural and Cultural Change in Academia. Wien 2005: Verlag Österreich. Materialien zur Förderung von Frauen in der Wissenschaft - Band 20.
Herta Nöbauer und Evi Genetti: Geschlecht, Organisation und Transformation: Reflexionen über die Grenzen und Potenziale von Mentoring-Programmen für eine universitäre Kultur- und Strukturveränderung, in: Franzke, Astrid/Helga Gotzmann (Hg.): Mentoring als Wettbewerbsfaktor für Hochschulen. Strukturelle Ansätze der Implementierung. Hamburg: LIT Verlag 2006, S. 67-81.
Evi Genetti: Breaking through the Glass Ceiling: Gender Equality Policies in Austrian Higher Education, in: Science Policy and Human Resources Development in South-Eastern Europe in the Context of European Integration, ed. by Gajdusek, Martin/Mayr, Andrea Christiane/Polzer, Miroslav, bmbwk, 2006, pp. 187-196. (kostenlose Exemplare können bei evi.genetti@univie.ac.at bestellt werden)
Informationsabend: Auftakt zur dritten Runde von muv, dem Mentoring-Programm des Referats Frauenförderung und Gleichstellung der Universität Wien Mittwoch, 18. April 2007 von 18 bis 19.30 Uhr Aula, Universitätscampus Hof 1, Spitalgasse 2-4, 1090 Wien Programm
Die Bewerbungsfrist für Mentees beginnt am 19. April 2007 und endet am 16. Mai 2007. |