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Typisch gemütlich? Österreichs Fußball-Image
EURO 2008, Forschungsprojekte
Gastbeitrag von Otmar Weiss am 12. Juni 2008

"Der österreichische Fußball lebt nur mehr von seinem Mythos: den großen Taten der Vergangenheit", "Der ÖFB zeichnet sich dadurch aus, dass die Dinge schön geredet werden" oder "Typisch für den österreichischen Fußball ist die Gemütlichkeit": Solche und ähnliche Zitate spiegeln die Haltung vieler ÖsterreicherInnen gegenüber dem österreichischen Fußball wider. Otmar Weiss und Manfred Russo haben im Vorfeld der EURO 08 untersucht, was sich österreichische Fußballfans von ihrer Nationalmannschaft erwarten.

Das Image des österreichischen Fußballs ist durch eine lange Durststrecke bezüglich internationaler Erfolge, Überheblichkeit mancher Spieler und mangelndes Selbstvertrauen gegen stärkere Gegner geprägt. Neben den legendären Erfolgen in der Vergangenheit ist im Bewusstsein der Fußballfans aber auch die erfolgreiche Nachwuchsarbeit präsent - zum Beispiel das Abschneiden der U20-Mannschaft in den USA.
Die Nachwuchsarbeit der letzten Jahre, wie die Gründung der Fußballakademien, lässt viele Fans doch noch auf einen Aufschwung des österreichischen Fußballs hoffen. Allerdings wird vielfach beklagt, dass bei den Vereinen zumeist schlechte ausländische Spieler den österreichischen Talenten den Platz wegnehmen würden. Dies sind Ergebnisse der Studie "EURO 08: Erwartungen österreichischer Fußballfans", die Stärken und Schwächen des österreichischen Fußballs aus der Sicht österreichischer Fußballfans untersucht.
Unter der Leitung des Sportwissenschafters Otmar Weiß und des Soziologen Manfred Russo wurden 60 in Wien lebende Fußballfans - Personen, die regelmäßig Fußballspiele besuchen - mittels qualitativer Befragung um ihre Einschätzung zur Europameisterschaft gebeten. Rund 20 Prozent der Befragten haben Migrationshintergrund, rund ein Drittel der befragten Fans waren Frauen: Diese werden seltener von der "Fußballleidenschaft" mitgerissen. Im Grunde sehen Frauen die Hauptmerkmale ähnlich wie männliche Fußballfans, allerdings urteilen sie rationaler und nüchterner, so das Ergebnis.

Große Vorfreude

Die Vorfreude auf die EURO 08 - Fußballfans nennen sie das "Mega-Event der Superlative" - ist enorm und lässt die "Fußballherzen" höher schlagen. Die Fans erwarten sich "eine super Stimmung, gute Spiele und viele Tore".
Gleichzeitig werden der österreichischen Nationalmannschaft nur sehr geringe Chancen eingeräumt, einige befürchten sogar eine Blamage. Public Viewing (von den Fans "Stadionfeeling" bezeichnet) und Fanmeilen kommen besonderes gut an, wiewohl häufig angemerkt wurde, dass dafür die Donauinsel viel besser geeignet wäre als die Ringstraße.

Negative Assoziationen

Leider ist der Festcharakter auch mit negativen Assoziationen verbunden. Viele Fans haben Angst vor Vandalismus und Hooligans. Die Vorfreude ist durch die Sorge vor Umweltverschmutzung, Preissteigerung und einem Verkehrsgau etwas beeinträchtigt.

Ergebnisse der Umfrage

Die Hauptergebnisse der Fanbefragung drücken eine grundsätzlich positive Haltung aus: Die EURO gilt als sympatisches, spannendes und einmaliges Sportereignis. Ganz so sicher ist man sich nicht, ob die EM den ÖsterreicherInnen, dem österreichischen Fußball und der Völkerverständigung viel bringt.

Insgesamt bestätigt sich die Meinung, dass es sich um ein Event von außerordentlichem Rang handelt, dessen Imageelemente einen starken Zug zur Kommerzialisierung - der ja für den Sport typisch ist - aufweisen.

Das Projekt "EURO 08: Erwartungen österreichischer Fußballfans. Stärken und Schwächen des Österreichischen Fußballs aus der Sicht österreichischer Fußballfans" wurde im Sommersemester 2008 unter der Leitung von Univ.-Prof. Mag. Dr. Otmar Weiß vom Institut für Sportwissenschaft und Dr. Manfred Russo vom Institut für Soziologie durchgeführt.

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