"Typisch Universität Wien!" ? Ein unverwechselbares Logo für die Universität |
| Corporate Design |
| Redaktion am 6. Oktober 2004 |
DieUniversitaet.at sprach mit Mag. Martin Dunkl, dem Gestalter des neuen Corporate Designs, über die visuelle Unverwechselbarkeit einer Institution, das Konzept seines Designentwurfs und allgemeine Kriterien für gutes Corporate Design. |
Redaktion: Was sind für Sie die wichtigsten Kriterien für gutes Corporate Design? Martin Dunkl: Generell unterscheide ich zwischen Kriterien nach außen und nach innen. Kriterien nach außen sind zunächst Einheitlichkeit und Geschlossenheit des Erscheinungsbildes. Dem Betrachter muss auf den ersten Blick klar sein, dass ein Dokument, eine Publikation oder eine Einrichtung zur Universität Wien gehören. "Typisch Universität Wien" sollte der erste Gedanke sein. Es geht hier nicht nur um Visitenkarten oder das Logo, sondern um alle Produkte der Universität: wissenschaftliche Berichte, Stellenanzeigen, Veranstaltungen, Sponsorlogos. In jedem Fall soll die Persönlichkeit der Institution deutlich hervortreten. Ein wichtiges Kriterium nach außen ist weiters die Übereinstimmung mit dem Selbstbild der Institution. Aufmerksamkeit, Auffälligkeit, Einheitlichkeit und Geschlossenheit sind wichtig, aber die Frage bleibt immer: "Passt das zu uns?" Das klingt zwar abstrakt, aber die MitarbeiterInnen spüren intuitiv, ob ein Logo zu ihnen passt oder nicht. Im Idealfall sagen sie: "Typisch, das passt zu uns, das sind wir." Nach innen gibt es wiederum zwei Kriterien: Praktikabilität, also die Umsetzbarkeit. Das Corporate Design darf den Workflow nicht behindern, den Verwaltungs- und Bearbeitungsaufwand nicht steigern. Im Gegenteil: Gutes CD kann diesen Aufwand sogar verkleinern. Das zweite Kriterium nach innen ist die Funktionalität: Die Elemente des Corporate Designs müssen in allen erdenklichen Bereichen problemlos anwendbar sein. Ein gutes Logo soll kleine Datenmengen haben, um einen schnellen Datentransfer zu ermöglichen, muss extrem verkleinerbar sein, um auch in einer Sponsorzeile leserlich zu bleiben. Auch die Schwarzweiß-Wiedergabe des Logos muss möglich sein. Redaktion: Wie war Ihr erster Eindruck vom bisherigen Logo der Universität Wien? Dunkl: Wir haben bisher von generellen Kriterien des Corporate Designs gesprochen, nun geht es um die individuellen Kriterien, die nur für die jeweilige Institution, also für die Universität Wien gelten. Diese Kriterien wurden uns im Zuge der Ausschreibung mitgeteilt: Tradition und Innovation, Interdisziplinarität, Dialog und Kooperation mit anderen Bereichen der Gesellschaft. Diese Werte konnte das alte Logo nicht kommunizieren. Was das bisherige Logo sehr gut transportieren konnte, waren die Werte Tradition, Qualität, Wissenschaftlichkeit, Seriosität. Diese Werte konnte das Logo hervorragend vermitteln, das Problem war aber, dass das Logo von dem anderer Universitäten kaum unterscheidbar war. Wenn man die Wochenzeitung DIE ZEIT aufschlägt und sich die Ausschreibungen der Universitäten ansieht, dann fällt auf, dass die meisten ein rundes Siegel verwenden, flankiert vom Namen der Universität in Großbuchstaben. Redaktion: Unternehmen sollen durch ein CD unverwechselbar präsentiert sein. Was ist in Ihren Augen das Unverwechselbare der Universität Wien und wie möchten Sie das grafisch herausstreichen? Dunkl: Die Tatsache, dass die Universität Wien die älteste Universität im deutschsprachigen Raum ist, ist für Studierende oder Kooperationspartner nicht wirklich relevant. Dieser Umstand hat zwar Auswirkungen auf Seriosität, Qualität, Tradition, aber meiner Meinung nach liegt das Unverwechselbare am Standort selbst. In der grafischen Umsetzung wird darauf Bezug genommen durch die Ligatur, also durch die Verbindung der Buchstaben "u" und "n" und der exakten Ausrichtung der beiden "i". Damit wird Bezug genommen auf die Wiener dekorative Tradition, den Jugendstil. Es mag zwar ein Klischee sein, aber weltweit wird Wien mit dem Jugendstil assoziiert. Das Spielerische, Dekorative gilt als typisch für diese Stadt. Die Ligatur drückt das aus. Als Ausgleich ist der Buchstabe "i" im Logo sehr präzise gezeichnet und vermittelt so Genauigkeit, Wissenschaftlichkeit. Eine strategische Überlegung war, kein eigenes Logo für den internationalen Verkehr auf Englisch zu kreieren, weil wir selbstbewusst den Standort betonen wollen. Es wird nur ein deutschsprachiges Logo geben, nur im Adressblock wird es eine Übersetzung geben. Man übersetzt ja auch nicht "Volkswagen" als "People's Car" ? "Universität Wien" muss eine Marke werden. Redaktion: Sie sprechen jetzt von Modernisierung, aber die Universität Wien begreift sich doch als Traditionsuniversität. Sie sagten, dass das CD zum Selbstbild der Einrichtung passen muss ? ist das nicht ein Widerspruch? Dunkl: Diese Eigendefinition ist zweifellos noch da, das ist aber nicht alles. Wenn das Selbstbild ausschließlich auf Tradition beruhen würde, dann wäre das alte Logo perfekt und ein Re-Design nicht nötig. Neben diesem traditionsgerichteten Selbstbild gibt es die Eigendefinition von Innovation, moderner Wissensvermittlung und Interdisziplinarität. Dieser Dualismus zwischen Tradition und Modernität wird nun im Logo kommuniziert. Es gibt natürlich auch technische Überlegungen: Das bisherige Logo ist sehr lang, beim Verkleinern ist es kaum noch erkennbar. Wir haben jetzt eine kompaktere Form und damit eine bessere Lesbarkeit. Redaktion: Welche Überlegungen stehen generell hinter dem Konzept des neuen Corporate Designs für die Uni Wien? Dunkl: Einerseits stehen die generellen Kriterien wie Praktikabilität, Funktionalität, Einheitlichkeit und Geschlossenheit dahinter. Bezogen auf die speziellen Kriterien der Universität Wien mussten wir strategische Entscheidungen treffen: Eine radikale Modernisierung hätte die Universität Wien in die Nähe von Fachhochschulen oder neu gegründeten Universitäten gerückt. Fachhochschulen können naturgemäß in ihrem Selbstbild nicht auf Tradition verweisen, sondern nur auf Modernität. Eine weitere Möglichkeit wäre gewesen, das Siegel selbst zu re-designen, zu modernisieren. Das haben wir nicht getan, denn ein Siegel ist ein historisches Dokument, wir wollten kein modernes Siegel erfinden. Im Detail wurde es überarbeitet, um es praktikabler zu machen, eine bessere Verkleinerbarkeit zu gewährleisten. Die modernitätsrelevanten Designkriterien Kommunikation, Interdisziplinarität und Kooperation werden durch die Kleinschreibung und die Verwendung einer serifenlosen Schrift erfüllt. Unverwechselbarkeit und Individualität signalisieren die Ligatur und die ungewöhnliche i-Anordnung mit dem fehlenden Punkt. Redaktion: Die Vorgaben von der Uni Wien waren relativ streng, es wurden genaue Kriterien definiert. Fühlen Sie sich dadurch in Ihrer Kreativität eingeschränkt, oder ist das eher eine Hilfe? Dunkl: Nein, im Gegenteil, das ist eine große Hilfe. Die Kriterien sind unser Fahrplan. Kreativität heißt für mich, alte schwierige Fragen auf neue und überraschende Art zu lösen. Dafür brauche ich aber eine konkrete Aufgabenstellung und Zielvorgaben. Redaktion: Vielen Dank für das Gespräch! Das Interview führte Eszter Bokor. Kurzbiografie zu Martin Dunkl: Jahrgang 1957 Diplom an der Hochschule für Angewandte Kunst in Wien Seit 1990 Lehrtätigkeit an der Höheren Graphischen Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt in Wien 1994 Österreichischer Corporate-Design-Preis Seit 1995 Dozent an der Werbeakademie Wien Autor des Fachbuchs "Corporate Design Praxis" Zahlreiche Vorträge zum Thema Corporate Design bei Seminaren und Kongressen Zu den Klienten von Dunkl Corporate Design gehören u.a. das BMVIT, der Rechnungshof, Forstinger, Manz und die Stadt Krems. |

