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Fotos: UB Wien



Universitätsbibliothek Wien
OPAC-Online-Katalog
"Ask a librarian"
Universitätsbibliothek Wien: Die Ordnung des Wissens
UB
Gastbeitrag von Sieghard Neffe und Sandra Mann am 29. September 2004

Die Universitätsbibliothek Wien verspricht Wissen: Sechs Millionen Bände befinden sich in den Magazinen, über 10.000 elektronische Medien stehen den LeserInnen zur Verfügung. Sie ist sowohl Zeitzeugin als auch zukunftsweisende Informantin, birgt Kulturerbe und beschwört zugleich den Zeitgeist. Eine neue Serie wirft in den nächsten Wochen einen Blick hinter die Kulissen der größten Universitätsbibliothek Österreichs.

In den letzten zwei Jahrzehnten hat die Universitätsbibliothek viele Änderungen und technische Neuerungen erfahren. Vor 18 Jahren wurde erstmals eine computerunterstützte Entlehnverbuchung in der Lehrbuchsammlung angeboten, 1989 wurde die interne Buchverwaltung mittels Computer begonnen (Online-Katalog), 1999 mit der Umstellung auf das Bibliothekssystem ALEPH eine neue Ära eingeleitet. Buchbestellungen können von nun an rund um die Uhr getätigt werden, auch Vormerken und Verlängern von Büchern ist online jederzeit möglich. Täglich gibt es bis zu 3000 Online-Entlehnungen. Der Wandel zum benützerorientierten Dienstleistungsbetrieb wird laufend weiterentwickelt. Die Macht der Schrift Seit der Gründung als "gemaine Puechkammer und Libreye" im Jahre 1365 durch Rudolf den Stifter haben sich viele Geschichten um den universitären "Ort des Lesens" gerankt. So waren vor einem halben Jahrtausend manche Bücher so wertvoll und schützenswert, dass sie angekettet auf Pulten standen ("libri catenati"). Noch im 19. Jahrhundert durften nur Professoren Bücher entlehnen, bis 1848 wurde die Lektüre der Bibliotheksbenützer in schriftlichen Entlehnprotokollen festgehalten. Der Index librorum prohibitorum (1559-1967) war eine durch Staat und Kirche kontrollierte Zensur, um Bücher mit "verbotenem" Inhalt für die Öffentlichkeit nicht zugänglich zu machen. Hierzu zählten zum Beispiel aufgrund ihres "Revolutionsgeistes" Autoren wie Voltaire und Rousseau. Eine erneute Zensur erfuhren gewisse Bücher während der NS-Zeit: Ein eigenes Magazin wurde geschaffen, um Publikationen politisch Andersdenkender und unerwünschter Autoren dort ohne Signatur zum Verwahren und Vergessen "abzustellen" ? darunter berühmte Namen wie Sigmund Freud, Albert Einstein, Thomas und Heinrich Mann, Franz Werfel und Stefan Zweig. Nach 1945 wurden diese Bände wieder in den Bestand der Universitätsbibliothek integriert. "Träge, Schwätzer, Hin- und Hergeher bleiben fern!" Obige Aufforderung an unerwünschte Bibliotheksbenutzer befand sich im Dekret der ersten Benutzerordnung von 1834. Heute steht die Universitätsbibliothek nicht nur Lehrenden und Studierenden, sondern allen Interessierten offen. In den letzten 100 Jahren hat die Lesesaalbenutzung ernorm zugenommen. Noch vor 50 Jahren beklagte der Direktor der Universitätsbibliothek eine sehr geringe Frequenz der Benützung, bedingt durch die Emigration und Ermordung jüdischer Studierender und im Krieg umgekommener junger Menschen. Nur wenige Menschen konnten sich während der Nachkriegszeit ein Studium leisten, der Ort war "elitär" und forderte dementsprechendes Verhalten: Beschwerdezettel, die die BibliothekarInnen in den 1950er Jahren über ungebührliches und freches Verhalten im Lesesaal verfasst hatten, sind heute nur noch Kuriosität. Der Große Lesesaal, der sein ursprüngliche Aussehen, von Architekt Heinrich v. Ferstel 1884 gestaltet, weitgehend erhalten hat, ist heute aufgrund seines Ambientes und seines Freihandbestands von ca. 60.000 Bänden bei den LeserInnen eine beliebte und stark frequentierte Räumlichkeit. Bibliothekarisches Wissen und Informationsmanagement Professionelle Hilfe bei der Recherche erhalten die BenutzerInnen auf Wunsch von den BibliothekarInnen der Universitätsbibliothek. Zusätzlich werden regelmäßig Benutzerschulungen und Führungen angeboten. Für umfangreichere Recherchen steht das Zentrum für elektronische Recherchen (ZER) zur Verfügung. Aufgrund der Buchbestellungen werden täglich bis zu 5000 Bücher in den 72 (!) km langen Bücherregalen der Hauptbibliothek bewegt (ausgehoben und rückgestellt). Mediales Kompetenzzentrum der Zukunft Als Grundlage für einen reibungslosen Studienbetrieb sowie für Lehre und Forschung befindet sich die Universitätsbibliothek aufgrund von qualitätssichernden Strukturveränderungen fortwährend im Wandel. So sind für 2005 eine Neugestaltung der Entlehnung mit Selbstverbuchungsgeräten sowie Effizienzmaßnahmen für den Magazinsbetrieb geplant. Wechselnde Ausstellungen und Veranstaltungen bieten Anregungen zum Lesen und bringen eine Imageverbesserung für die Bibliothek und die gesamte Universität. Für Fragen, die Dienstleistungen und das gesamte Bibliotheksangebot betreffen, steht den BenutzerInnen die Kommunikationsservicestelle "Ask a librarian" zur Verfügung. Dr. Sieghard Neffe ist Leiter der Benützungsabteilung der Universitätsbibliothek Wien. Mag. Sandra Mann ist Fachreferentin an der Universitätsbibliothek Wien. Literaturhinweise: Walter Pongratz: Geschichte der Universitätsbibliothek. Wien 1977 Ort(e)des Lesens? Die Universitätsbibliothek Wien. Wien 2001 (Nachlese zur Ausstellung: 20.1. ? 24.2.2001)  

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