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Universitätscampus (1)
Orte der Universität Wien
Dieter N. Unrath (Redaktion) am 24. September 2003

DieUniversitaet.at stellt diesmal den Campus der Universität Wien vor. Das seit 1998 von der Universität genutzte Gelände war bis in den 1980er Jahren das Allgemeine Krankenhaus der Stadt Wien und wurde unter Kaiser Josef II. erbaut.

Vom Großarmenhaus zum Krankenhaus ...

Vor der Errichtung des (Alten) Allgemeinen Krankenhauses durch den Sohn Kaiserin Maria Theresias befand sich auf dem Gelände des heutigen Universitätscampus seit dem 17. Jahrhundert das Großarmenhaus der Stadt Wien. Im August 1784 wurde das Krankenhaus unter der Leitung des Hofarztes und ersten Direktors des Allgemeinen Krankenhauses Josef Quarin eröffnet.

 
 

Statue im Hof 2: Kaiser Josef II., Gründer des Allgemeinen Krankenhauses. Fotos:du

Die Anlage umfasste die heutigen Höfe 1 bis 7. Zum Krankenhaus gehörten ein Gebärhaus, ein Findelhaus und das von Isidor Canevale errichtete Irrenhaus, besser bekannt als "Narrenturm". Die Anlage wurde im 19. Jahrhundert erweitert, und zwar um die Gebäude in den Höfen 8 und 9. Internationale Größen der Wiener Medizinischen Schule haben hier gelehrt: Ignaz Philipp Semmelweis, Theodor Billroth und Karl Landsteiner.

... und schließlich zum Universitätscampus

Im Jahr 1988 schenkte die Stadt Wien das Gelände und die Gebäude des AAKH an die Universität Wien. Die gesamte Anlage wurde umgebaut, adaptiert und revitalisiert. Der Universitätscampus wurde am 16. Oktober 1998 feierlich eröffnet.
Zahlreiche Institute der Geistes- und Kulturwissenschaftlichen Fakultät fanden am Universitätscampus eine "neue Heimat": Die Institute für Afrikanistik, Anglistik und Amerikanistik, Finno-Ugristik, Judaistik, Kunstgeschichte, Musikwissenschaft, Orientalistik, Ostasienwissenschaften (Japanologie, Koreanologie und Sinologie), Osteuropäische Geschichte, Romanistik, Slawistik, Südasien-, Tibet- und Buddhismuskunde, Zeitgeschichte sowie das Institut für Ethik und Recht in der Medizin. Die Gebäude im größten Hof, Hof 1, beherbergen vor allem Büros, Geschäfte, einen Supermarkt und Gastronomiebetriebe. Dieser Hof sollte im wesentlichen öffentlich genutzt werden. Seine Grünflächen und parkähnliche Anlage laden die Wiener Bevölkerung zum Rasten ein. Hof 2 bildet das universitäre Zentrum: Er liegt im Schwerpunkt der Anlage und kommt damit dem Anspruch eines Zentrums sehr entgegen. Außerdem liegen alle Hörsäle in den Trakten um den zweiten Hof.

 

Die Parkbänke im Hof 1 laden zum Rasten ein.

 

Hof 2 mit Hörsaalzentrum.

Es wurde versucht, die verschiedenen Nutzungen nach ihrer inhaltlichen Charakteristik in Gruppen zu unterteilen und dementsprechend die Verortung im Areal durchzuführen: So legte man die großen Sprachinstitute (Anglistik/Amerikanistik, Romanistik und Slawistik) und die kleineren sprachkundlich und kulturgeschichtlich ausgerichteten Institute (Tibetologie, Indologie, Sinologie, Japanologie, Orientalistik, Afrikanistik, Ost- und Südosteuropaforschung, Judaistik und Finno-Ugristik) geographisch zusammen. Weiters die Institute für Kunstgeschichte und Musikwissenschaft, Zeitgeschichte, Ethik in der Medizin und schließlich die zentralen Einrichtungen wie das EDV-Zentrum, das Prüfungsreferat der Geistes- und Kulturwissenschaftlichen Fakultät, das Sprachlabor, das Audiovisuelles Zentrum und die Österreichische HochschülerInnenschaft.

Narrenturm

 

Ein Kuriosum ist das ehemalige Irrenhaus, im Volksmund auch "Narrenturm", "Toll-Turm" oder "Kaiser Josefs Guglhupf" genannt, und heutiges Pathologisch-Anatomisches Bundesmuseum. Er wurde 1784 als erstes psychiatrisches Krankenhaus vom Architekt Isidore Canevale errichtet. Ab 1866 wurde der "Narrenturm" als Schwersternwohnheim, für Ärztedienstwohnungen und als Depot von Universitätskliniken und Werkstätten genutzt.

Narrentum (Pathologisch-Anatomisches Bundesmuseum)

 

Seit 1971 ist das Pathologisch-Anatomische Bundesmuseum im Narrenturm untergebracht, seit 1993 wird das gesamte unter Denkmalschutz stehende Gebäude als Museum genutzt.

Tor der "heimlich Schwangeren"

Alle Tore des Universitätscampus wurden nach berühmten WissenschafterInnen benannt. Man wollte ein Zeichen der Zusammengehörigkeit der zahlreichen an der Universität Wien vertretenen Fächer und Disziplinen setzen. So wurden Namen wissenschaftlicher Persönlichkeiten aus allen acht Fakultäten ausgewählt, außerdem wurde mit dem Tor für die "heimlich Schwangeren" an die Hunderttausenden ledig gebärenden Frauen erinnert, die hier eine Zufluchtstätte gefunden haben. Lesen Sie nächste Woche mehr über die "Tore" des Universitätscampus und nach welchen berühmten Persönlichkeiten sie benannt wurden. (du)

Buchtipp:
Alfred Ebenbauer/Wofgang Greisenegger/Kurt Mühlberger (Hrsg.): Universitätscampus Wien, 2 Bände: Band 1: Historie und Geist, Band 2: Architektur als Transformation, Wien 1998

Universitätscampus
Pathologisch-anatomisches Bundesmuseum Wien

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