Die insgesamt 23 neu benannten Tore geben Anlass zur Rückbesinnung auf die über 600jährige Geschichte der Universität Wien und dienen zur Erinnerung an einige der bedeutendsten Persönlichkeiten der Wiener Wissenschaft. "Die Benennung der Tore sollte eine weitere Form der Ehrung für verdiente Persönlichkeiten rund um die Universität sein, vor allem für jene, die noch keine Ehrung erhalten haben", erklärt Hofrat Dr. Kurt Mühlberger, Leiter des Universitätsarchivs. | |  | | | Haupttor: Sonnenfels-Tor. Fotos:du |
Die Namen wurden aus allen acht Fakultäten ausgewählt, und mit dem Tor der "heimlich Schwangeren" wurde auch an die Tausenden ledig gebärenden Frauen erinnert, denen hier bis 1908 geholfen wurde. Das zentrale Tor bildet das "Sonnenfels-Tor", "denn Josef von Sonnenfels lebte zur gleichen Zeit, als das AKH gegründet wurde", so Mühlberger. Einige Tore wurden nach zwei Personen benannt, die den gleichen Namen tragen. So gibt es ein "Menger-Tor", einmal nach dem berühmten Nationalökonomen Carl Menger benannt, und gleichzeitig nach seinem Sohn, Karl Menger, Mathematikprofessor und Mitglied des Wiener Kreises. "Diese Variante hatte sich sehr gut angeboten, denn beide Personen hatten gute Beziehungen zur Universität Wien", erklärt Mühlberger. Berühmte Männer Beth-Tor (Spitalgasse - Hof 1): Karl Beth (1872-1959), Dekan der Evangelisch-Theologischen Fakultät in den 1930er Jahren, 1938 Emigration nach Amerika Holzknecht-Tor (Rotenhausgasse - Hof 7): Guido Holzknecht (1872-1931), bedeutender Röntgenologe Seligmann-Tor (Hof 2 - Hof 3): Romeo Seligmann (1808-1892), erster (außerordentlicher) Professor für das Fach Geschichte der Medizin Suess-Tor (Hof 1 - Hof 7): Eduard Suess (1831-1914), 1867 Ernennung zum ordentlichen Professor der Paläontologie, unter seiner Ägide wurde die erste Wiener Hochquellenwasserleitung errichtet Verdross-Tor (Hof 3 - Hof 5): Alfred Verdross (1890-1980), Professor für Völkerrecht, Rechtsphilosophie und Internationales Privatrecht, Dekan der Rechtswissenschaftlichen Fakultät 1946/47 und 1958/59, Rektor der Universität Wien 1951/52 Berühmte Frauen  | | Bolla-Kotek-Tor (Rotenhausgasse - Hof 8): Sibylle Bolla-Kotek (1913-1969), erste außerordentliche Professorin für Römisches und Bürgerliches Recht, damit erste Rechtsprofessorin in Österreich, 1958 Ernennung zur ordentlichen Professorin, damit auch erste Frau, der ein juristischer Lehrstuhl übertragen wurde | Tore sind mit Informationstafeln versehen, hier Browne-Tor | |
Browne-Tor (Hof 3 -Hof 6): Martha Stephanie Browne (Braun) (1898-1990), Staatswissenschafterin, Emigration in die USA, Professorin am Brooklyn College in New York
Jahoda-Tor (Hof 1 - Hof 2): Marie Jahoda (1907-2001), empirische Sozialforscherin, Studie: "Die Arbeitslosen von Marienthal" Karlik-Tor (Thavonatgasse): Berta Karlik (1904-1990), habilitierte 1937 für Physik mit der Arbeit "Die Grenzen der Nachweisbarkeit der schweren Edelgase in Helium" Wagner-Rieger-Tor (Hof 8 - Hof 9): Renate Wagner-Rieger (1921-1980), 1971 Ernennung zur Ordinaria für Österreichische Kunstgeschichte, 1978 Vorstand des Instituts für Kunstgeschichte Gelehrte vor 1800 Celtis-Tor (Hof 4 - Hof 5): Konrad Celtis (1459-1508), Professor für Rhetorik und Poetik, bedeutendster deutscher Humanist und neulateinischer Dichter der vorreformatorischen Zeit Hell-Tor (Hof 2 - Hof 7): Maximilian Hell (1720-1792), Professor für Astronomie und Mechanik an der Universität Wien, erster Direktor des neu errichteten Observatoriums in der Neuen Aula (heute Akademie der Wissenschaften) Peuerbach-Tor (Hof 6 - Hof 7): Georg Aunpeck von Peuerbach (1423-1461), bedeutender Astronom und Mathematiker, sein Hauptwerk "Theoricae novae planetarum" war Standardlehrbuch an allen europäischen Universitäten | |  | | | Peuerbach-Tor |
Sonnenfels-Tor (Haupttor Alserstraße 4): Josef von Sonnenfels (1732-1817), erhielt 1763 die neu geschaffene Professur für Polizei- und Kameralwissenschaft, 1794 und 1796 Rektor der Universität Wien Sorbait-Tor (Hof 5 - Hirnforschung): Paulus de Sorbait (1624-1691), Dekan der Medizinischen Fakultät in den Jahren 1666, 1669, 1678, Rektor 1668, Werke zur Geschichte und Organisation der Universität Wien "Gemeinsame Tore" Bühler-Tor (Spitalgasse nächst Alserstraße): Charlotte Bühler (1893-1974), außerordentliche Professorin für Psychologie, 1938 von den Nationalsozialisten vertrieben, Emigration, arbeitete zusammen mit ihrem Ehemann Karl Bühler (1879-1963) am Aufbau des neugegründeten Psychologischen Instituts, wo Karl Bühler eine Professur annahm Freud-Tor (Spitalgasse Mitte): Anna Freud (1895-1982), Tochter von Sigmund Freud (1856-1939), Ausbildung als Psychoanalytikerin, 1938 Emigration nach London gemeinsam mit ihrem Vater, der 1919 den Titel eines ordentlichen Professors der Universität Wien annahm Lesky-Tor (Hof 3 - Hof 13): Albin Lesky (1896-1981), 1949 Ordinarius des Instituts für Klassische Philologie, 1958/59 Dekan und 1963/64 Rektor, verheiratet mit Erna Lesky (1911-1986), 1960 Leiterin des Instituts für Geschichte der Medizin, erste ordentliche Professorin an der Medizinischen Fakultät Menger-Tor (Hof 1 - Hof 4): Carl Menger (1840-1921), Professor für Volkswirtschaftslehre, Begründer der Österreichischen Schule der Nationalökonomie, Sohn Karl Menger (1902-1985), Professor für Mathematik, Mitglied des Wiener Kreises Pfleger-Ehrmann-Tor (Hof 2 - Hof 4): Getraut Ehrmann (1915-1997), Dermatologin, gemeinsam mit Victoria Lilly Pfleger-Schwarz (1909-1992) zählt sie zu den ersten für das Fach Dermatovenerologie an der Universität Wien habilitierten Frauen Der "Humanismuspapst" und der Heilige Johannes Johannes-Tor (Spitalgasse 2): Hl. Johannes, Apostel und Evangelist, seit 1389 Patron der Katholisch-Theologischen Fakultät Piccolomini-Tor (Hof 7 - Hof 8): Enea Silvio Piccolomini (1405-1464), 1458 Papst, "Apostel" der humanistischen Bildung in Österreich Tor der "heimlich Schwangeren" Das Allgemeine Krankenhaus hatte bei seiner Gründung 1784 im östlichen Trakt (heute Thavonatgasse/Rotenhausgasse) eine eigene Gebärabteilung. Diese war auch eine Zufluchtsstätte für ledig gebärende Frauen, die ihre Neugeborenen im angeschlossenen Findelhaus zurücklassen konnten. Fast 700.000 Frauen nutzten im Laufe der Geschichte diese Einrichtung, die den Forderungen aufgeklärter Zeitgenossen, denen das Schicksal lediger Mütter am Herzen lag, entsprach. (du) Buchtipp: Alfred Ebenbauer/Wofgang Greisenegger/Kurt Mühlberger (Hrsg.): Universitätscampus Wien, 2 Bände. Band 1: Historie und Geist, Band 2: Architektur als Transformation, Wien 1998 Lesen Sie hier den ersten Teil des Artikels zum Universitätscampus. Universitätscampus

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| Verdross-Tor, im Hintergrund Browne-Tor | Celtis-Tor | Piccolomini-Tor, im Hintergrund Wagner-Rieger-Tor | |