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Institut für Klinische, Biologische und Differentielle Psychologie, Arbeitsbereich Klinische Psychologie und Gesundheitspsychologie, Fakultät für Psychologie
Urlaub - die schönste Zeit des Jahres?
Freizeit ? Urlaub ? Reisen
Daniela Schuster (Redaktion) am  5. August 2005

Der ideale Urlaub ist die Vision vom Paradies. Der Haken: Aus dem Paradies kann man vertrieben werden. Nach Ansicht von o. Prof. Dr. Ilse Kryspin-Exner, Leiterin des Instituts für Klinische, Biologische und Differentielle Psychologie der Universität Wien, droht die Vertreibung sogar gleich mehrmals: vor, in und nach den Ferien.

Urlaub ? an kaum etwas sind ähnlich hohe Erwartungen geknüpft wie an diese sechs Buchstaben. Erholung sollen die freien Tage bringen und die Batterien aufladen, neue Welten erschließen und den Abenteuerdurst stillen, der Partnerschaft neues Leben einhauchen und all jenes umsetzen, was unter dem Jahr nie über die Planungsphase hinauskam. Und ganz nebenbei sollen die Ferien auch noch die schönste Zeit des Jahres werden. Ist das nicht ein bisschen viel verlangt? "Das kommt ganz auf die Planung an", meint die Psychologin Ilse Kryspin-Exner. Die Vor-dem-Urlaub-Falle(n) Ob der Urlaub auch das hält, was wir uns von ihm versprechen, entscheidet sich nämlich nicht am Strand, sondern schon zu Hause ? beim Brüten über Reiseprospekten und dem Kalender. Da wäre zunächst die Frage zu klären: Wie viel Urlaub braucht der Mensch? "Die Urlaubsdauer hängt natürlich von Lebensalter, beruflicher Belastung und Gesundheitszustand ab. Physiologisch sind drei Wochen an einem Stück sicherlich sinnvoll, um sich zu erholen und zu regenerieren, auf diesen Zeitraum bauen ja auch viele Kuren auf. So lange braucht der Körper einfach, bis er seinen Rhythmus umgestellt hat", erklärt Ilse Kryspin-Exner. Raus aus der Routine Ebenso entscheidend für die Erholung ist indes die Frage: "Welcher Urlaub?" Im Gegensatz zu Großvaters Zeiten, als die Menschen den natürlichen Zyklen von Ruhephasen und Anspannung der Jahreszeiten folgten, glaubt der Mensch im 21. Jahrhundert, andauernd Höchstleistungen erbringen zu müssen. Urlaub ist also auch deshalb notwendig, "weil wir unter Monotonie, Überforderung, Übersättigung und Erfolgsdruck leiden", so die Psychologin. Urlaub hat für sie daher vor allem die Aufgabe, die Routine zu unterbrechen, einen Ausgleich zu schaffen. Und das gelingt den wenigsten auf Balkonien, sondern nur fern von Daheim. "Wer im Sitzen arbeitet, sollte sich im Urlaub zudem Bewegung verschaffen. Wer bei der Arbeit immer nur reagiert, sollte im Urlaub die Regie übernehmen, wer dagegen eine Firma oder Abteilung leitet, darf sich im Urlaub zurücklehnen und gehen lassen", sagt die Psychologin. Die Urlaubsgestaltung ? ob Faulenzen, Spaßhaben, Bildung, Abenteuer, Rückzug, Fitness oder das Kennenlernen neuer Kulturen im Vordergrund stehen ? ist individuell sehr unterschiedlich. Richtig starten "Wer von der Arbeit gleich in den Urlaub startet, kommt dort auch nicht wirklich sofort an. Der Geist ist meist noch bei der Arbeit oder daheim", erklärt Ilse Kryspin-Exner. Ihre Empfehlung: Vor dem Start in die Ferien sich mindestens einen Tag Ruhe für die Vorbereitungen zu gönnen. Zu denen gehört auch: Den eigenen E-Mail-Account mit einer "Out of office"-Meldung auszustatten, um nach der Rückkehr an den Arbeitsplatz nicht mit einer kaum zu bewältigenden Anzahl an Anfragen und E-Mails, die Antworten urgieren, konfrontiert zu sein. Die Mitten-im-Urlaub-Falle(n) Wer endlich glücklich am Strand oder im Dschungel angelangt ist, ist aber noch lange nicht zwangsläufig auch glücklich. "Viele fallen in den ersten Urlaubstagen in ein regelrechtes Loch. Sei es, weil sich ihre hohen Erwartungen nicht erfüllen, sie mit ihrer Zeit selbst wenig anzufangen wissen und deshalb ständig Animation brauchen oder weil es mit dem Partner nicht klappt", meint Kryspin-Exner. Für viele Partnerschaften seien Urlaube nämlich alles andere als die schönste Zeit des Jahres. Wer plötzlich 24 Stunden mit "dem/der Liebsten" verbringt, hat sich oft bald nichts mehr zu sagen. Oder noch schlimmer: nur noch böse Worte. "Konflikte, die unter dem Jahr nicht ausgetragen wurden, brechen in Urlaubszeiten häufig aus. Zudem ist es ja auch nicht immer einfach für Strandfaulenzer und Kulturliebhaber, einen Kompromiss bezüglich des Ferienprogramms zu finden", sagt die Psychologin. Die Nach-dem-Urlaub-Falle Hat man diese Hürden genommen und einen schönen Urlaub verbracht, darf man sich freuen: "Freizeitforscher sagen, ein 'gelungener' Urlaub wirke bis zu einem Jahr positiv nach", so Kryspin-Exner. Und noch einen erfreulichen Aspekt macht die Institutsleiterin aus: "Wer sich eine Auszeit genommen hat, freut sich auch wieder auf die Routine, er erkennt den Wert der Arbeit, sieht sie nicht mehr nur als Pflicht und Möglichkeit zum Gelderwerb, sondern bemerkt, was ihm die sozialen Netze dort und das Gefühl, gebraucht zu werden, geben. Das motiviert." Bei wem sich diese positive Einstellung nicht einstellen mag, der leidet möglicherweise an einer Post-Urlaubs-Despression. "150, 500 und mehr unbeantwortete E-Mails und das Wissen, dass die nächste Auszeit noch lange auf sich warten lässt, können belastend sein ? vor allem dann, wenn die Arbeit nicht erfüllt", so die Psychologin. Sie empfiehlt, den nächsten Kurztrip für den Herbst beim Sommerurlaub gleich mitzubuchen ? und sich so eine Insel im Ozean zu schaffen. (dan)  

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