Verschollenes Buch nach Jahrzehnten zurück in der UB |
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| UB | |
| Michaela Hafner (Redaktion) am 5. April 2005 | |
Dass Bücher verschwinden oder gar gestohlen werden, ist Alltag in Bibliotheken weltweit. Kürzlich tauchte ein seit den Nachkriegsjahren verschollenes Buch der Universitätsbibliothek Wien aus dem Jahre 1670 wieder auf: Es war auf der Internet-Auktionsplattform eBay zum Verkauf angeboten worden. |
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Spielzeug, Kleidung, alte Platten, Autos, Sammlerstücke, Kunstwerke und natürlich Bücher ? im riesigen virtuellen Warenhaus von eBay wird so mancher fündig. Oder stutzig, wenn es sich beim zum Verkauf stehenden Angebot um eine nicht rechtmäßig erworbene Ware handelt. Signaturschild verriet Herkunft "MitarbeiterInnen der UB Wien recherchieren regelmäßig im Internet nach antiquarischen Büchern", erzählt Wolfgang Mayer von der größten heimischen Universitätsbibliothek (UB). Ein informelles Netzwerk unter BibliothekarInnen sorgt auch dafür, dass Informationen über verdächtige angebotene Ware weitergegeben werden. In diesem Fall wurde Mayer Anfang März 2005 von einem Kollegen im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum kontaktiert, der den Verdacht äußerte, dass auf eBay ein Buch aus dem Bestand der UB Wien zum Verkauf stehe. Auslöser des Verdachts: das Signaturschild am Buchdeckel. Episches Gedicht über das befreite Jerusalem "Was dann folgte, war ein spannendes Beweisesammeln", so Mayer. Eine Überprüfung mittels alter Kataloge, Inventar- und Registerlisten bestätigte, dass das rund 15 Zentimeter große Büchlein ? "La Gierusalemme liberata" des Renaissance-Dichters Torquato Tasso in einer Ausgabe von 1670 ? nie offiziell aus dem Bestand der UB ausgeschieden wurde: "1947 war das Buch definitiv noch in der Bibliothek, bei der Gründung des A-Magazins 1970 und der Überführung eines Teils des Bestandes dorthin war es nicht mehr da", schildert Wolfgang Mayer, in der UB zuständig für elektronische Medien und Online-Recherche. Während heutzutage nur noch Bücher ab einem Erscheinungsdatum nach 1903 entlehnt werden dürfen, war es damals für einige Personengruppen möglich, solch alte Werke mit nach Hause zu nehmen. Ob das Buch gestohlen oder einfach nicht mehr zurückgebracht wurde, ist heute nicht mehr nachvollziehbar. "Laut Dr. Leopold Cornaro, Leiter des Teams Alte und wertvolle Bestände, gab es in den 1950er und 60er Jahren auch eine Diebstahlsserie, wo einiges gestohlen wurde. Der Täter wurde gefasst und das eindeutig nachgewiesene Diebesgut wieder in die Bibliothek überführt. Ob der 'Tasso' unter den damals gestohlenen Büchern war, ist unklar", so Mayer. Zusammenarbeit mit Polizei ? und Zufall Nachdem die AnbieterInnen auf eBay anonym agieren, wurden die Staatsanwaltschaft und das Dezernat Wirtschaftskriminalität der Kripo eingeschalten, um an die Daten des Anbieters heranzukommen. Was sich als gar nicht so leicht herausstellte und vor allem eine Frage der Zeit war: Rund drei bis sechs Wochen kann die Herausgabe der Daten dauern, obwohl Polizei und eBay in (mutmaßlichen) Kriminalfällen eng zusammenarbeiten. Nachdem die UB und die Kripo mehrere Strategien überlegt hatten, um an das Buch heranzukommen ? etwa das Buch selbst zu ersteigern ?, half König Zufall bei der Kontaktaufnahme mit dem Anbieter: Dieser, ein Altwarenhändler, hatte noch andere Produkte zum Verkauf angeboten, darunter eine Vitrine, die in Wien persönlich besichtigt werden konnte. Zwei Tage vor Ablauf der Auktion wurde diese gestoppt und das Buch sichergestellt: "Den Anbieter trifft in diesem Fall sicherlich keine Schuld. Er hatte das Buch aus einer Wohnungsräumung. Allerdings hätte ihn das Signaturschild stutzig machen können", so Mayer. Größte Universitätsbibliothek Österreichs "Bei einem einzigartigen und viel benutzten Bestand von über sechs Millionen Bänden kam und kommt es an der Universitätsbibliothek immer wieder zu Verlusten", erklärt die Leiterin des Bibliotheks- und Archivwesens an der Universität Wien, Mag. Maria Seissl. "Doch dank der effizienten Zusammenarbeit von Bibliothek und Polizei konnte das Buch, das auf rund EUR 3000,- geschätzt wird, wiederbeschafft werden", zeigt sich Mag. Seissl erfreut über den Ausgang dieser Geschichte. Das Buch, das sich nun wieder im A-Magazin befindet, steht somit seit Jahrzehnten den Benutzerinnen und Benutzern erstmals wieder zur Verfügung. Wie alle Werke, die vor 1780 erschienen sind, allerdings nur im Sonderleseraum der UB Wien. (mh)
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