Kathrin Pascher vom Department für Naturschutzbiologie, Vegetations- und Landschaftsökologie untersuchte mit einem WissenschafterInnenteam aus Österreich und Italien konventionelle verwilderte Populationen von Raps mit molekulargenetischen Analysen. Dabei stellte sie fest, dass diese außerhalb der Felder auftretenden Populationen über mehrere Jahre bestehen können und potenzielle "Brücken" für die Übertragung von Transgenen in andere Wildpopulationen darstellen. Diese Ergebnisse wurden nun in der Online-Zeitschrift "BMC Evolutionary Biology" publiziert. |
Die Diskussion über ökologische Auswirkungen beim Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen wird seit Jahren intensiv geführt, in der wissenschaftlichen Fachliteratur gibt es aber nur wenige Fakten dazu. Versuche mit verwilderten Populationen von Raps, dem sogenannten Ruderalraps, zeigten, dass sich Transgene von gentechnisch verändertem Raps auch in natürlichen Populationen verbreiten können.
Ökologische Risikoanalyse
Je stabiler die Populationen von Ruderalraps sind, umso eher dienen sie als "Brücke", über die Transgene in andere Pflanzenpopulationen übertragen werden. Solches "Entkommen" von Transgenen aus der Kulturfläche könnte die Evolution neuer Beikräuter induzieren oder die Unverfälschtheit der genetischen Ressourcen von Wildpopulationen gefährden. Beim Raps ist dieser Aspekt besonders brisant, da er sich mit einer Vielzahl an verwandten Wildarten, die ihren Verbreitungsschwerpunkt ebenfalls im Agrarraum besitzen, kreuzt.
Gibt es eine unabhängige Evolution bei verwilderten Rapspopulationen?
Das häufige Vorkommen von konventionellem Ruderalraps ist im Frühjahr in Form von dichten gelben Bändern entlang von Straßen und Bahngleisen wahrzunehmen. Keine der von der Vegetationsökologin Kathrin Pascher und ihren KollegInnen untersuchten Ruderalpopulationen konnte direkt einer Sorte zugeordnet werden. Erklärungsansätze dafür sind, dass die analysierten Populationen aus der Bodensamenbank älterer Sorten stammen könnten, die in den Analysen nicht eingeschlossen waren, und so die Langjährigkeit ihres Bestehens belegen. Die Populationen könnten sich allerdings auch mit verwandten Kulturarten oder wilden Verwandten gekreuzt haben. Das hieße, die Ruderalpopulationen unterliegen bereits einer eigenen unabhängigen Evolution.
"Eine wesentliche Schlussfolgerung ist, dass die Ruderalpopulationen in einer ökologischen Risikoanalyse von transgenem Raps zu berücksichtigen sind", so Kathrin Pascher, die weiter erklärt: "Eine Ausbreitung der Transgene in Ruderalpopulationen ist - auch wenn man bei einem Anbau von gentechnisch verändertem Raps intensiv Maßnahmen dagegen setzen würde - nach aktuellem wissenschaftlichem Kenntnisstand nicht vermeidbar." In Österreich wird gentechnisch veränderter Raps nicht angebaut. "In Kanada beispielsweise sind jedoch bereits unterschiedliche Herbizidresistenzgene aus verschiedenen Kultursorten in der gleichen Ruderalpflanze gefunden worden", so die Forscherin.
Kooperation von mehreren Universitäten und Institutionen
Bei dem Forschungsprojekt handelt es sich um eine Kooperation des Departments für Naturschutzbiologie, Vegetations- und Landschaftsökologie unter der Leitung von Georg Grabherr mit dem Zentrum für Angewandte Genetik der Universität für Bodenkultur (Leitung: Josef Glössl). Neben der Vegetationsökologin Kathrin Pascher und dem Evolutionsbiologen Günter Gollmann von der Universität Wien arbeiteten die Molekulargenetikerin Susanne Macalka (Universität für Bodenkultur), der italienische Populationsgenetiker Domenico Rau (Università Sassari) und der Agrarfachmann Helmut Reiner mit. Die gemeinsamen Projektergebnisse erschienen kürzlich in der Fachzeitschrift "BMC Evolutionary Biology". (vs)
Das Paper Molecular differentiation of commercial varieties and feral populations of oilseed rape (Brassica napus L.) (BMC Evolutionary Biology 10: 63) von Pascher, K., Macalka, S., Rau, D., Gollmann, G., Reiner, H., Glössl, J. und Grabherr, G. erschien am 1. März 2010 im Journal BMC Evolutionary Biology.
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