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Bis April 2008 forscht die Informatikerin Birgit Hofreiter an der University of Technology Sydney (UTS).


Institut für Distributed and Multimedia Systemsder Fakultät für Mathematik University of Technology Sydney (UTS)
Lesen Sie auch: E-Government bekommt Unterstützung durch Uni Wien (November 2005)  
Vienna mailing to ... Sydney
Vienna m@iling to ?, Personalia
Redaktion am  5. Juni 2007

Schon während ihrer Dissertationszeit kooperierte die Informatikerin Birgit Hofreiter mit einer australischen Firma, die die von ihr mitentwickelte Methode zur Modellierung von Geschäftsprozessen in der Praxis einsetzte. Ein Erwin-Schrödinger-Stipendium ermöglicht ihr nun einen längeren Forschungsaufenthalt - 1. November 2006 bis 30. April 2008 - in der größten Stadt Australiens, Sydney. Im E-Mail-Interview erzählt Birgit Hofreiter über ihre Forschungsarbeit und Erfahrungen an der University of Technology Sydney (UTS).

Univ.-Ass. Mag. Dr. Birgit Hofreiter vom Institut für Distributed and Multimedia Systems an der Fakultät für Informatik hat ihr Studium und ihre bisherige Assistentenlaufbahn in Wien verbracht. Im Herbst zog es sie ins Ausland, um auch einen anderen Forschungsstandort kennenzulernen. Sydney bot sich für die Forscherin an, da sie schon im Zuge ihrer Dissertation Kontakt mit einer australischen Firma vor Ort geknüpft hatte.

Gleichzeitig hat Hofreiter auch mit Prof. Igor Hawryszkiewycz vom Department of Information Systems an der University of Technology Sydney (UTS) Kontakt aufgenommen, der ihren Antrag auf das Erwin-Schrödinger-Stipendium unterstützte. Bis Ende April 2008 wird sie in "Down under" forschen, und dabei kommt es ihr auch gelegen, dass dadurch ihr Vertrag an der Universität Wien verlängert wird: "Der für mich reizvolle Diskurs mit WissenschafterInnen einer anderen, ausländischen Universität wird ja in Zukunft auch von der Universität Wien als verpflichtend für eine Vertragsverlängerung angesehen. Somit erfüllt mein Forschungsaufenthalt auch ein von der Universität Wien vorgegebenes Formalkriterium für eine Vertragsverlängerung", so die Informatikerin per E-Mail.

Redaktion: Sie forschen zu "Design von Geschäftsabläufen aus globaler und lokaler Sicht" an der University of Technology in Sydney. Was kann man sich darunter genau vorstellen und welche Möglichkeiten bieten sich Ihnen dazu in Sydney?´
Birgit Hofreiter: Ich muss vorausschicken, dass es sich bei meinen Forschungsarbeiten immer um unternehmens- übergreifende Geschäftsprozesse handelt. D.h. es gilt, die Geschäftabläufe zwischen den GeschäftspartnerInnen festzulegen. Bei solchen unternehmensübergreifenden Geschäftsprozessen gibt es kein einzelnes Informationssystem - es muss ein "System" entwickelt werden, in dem mehrere, unabhängige Informationssysteme miteinander kommunizieren.
Eine lokale Sicht beschreibt nun den Geschäftsprozess aus der Sicht eines/r beteiligten Geschäftspartners/in bzw. seines/ihres Informationssystems. Wenn zum Beispiel ein Käufer und eine Verkäuferin einen Bestellprozess abwickeln, so ist die Sicht des Käufers nicht gleich der der Verkäuferin, aber hoffentlich zueinander komplementär. Das heißt, wenn der Käufer eine Aktion "sende Bestellung" hat, so befindet sich bei der Verkäuferin ein komplementärer Schritt "empfange Bestellung".
Eine globale Sicht beschreibt den Geschäftsprozess aus einer neutralen Position. Das heißt es gibt nur eine Beschreibung des Bestellprozesses.
Es ist nötig, dass die globale Sicht und die verschiedenen lokalen Sichten zueinander konsistent sind. Damit beschäftigt sich meine Arbeit. Wie kann ich lokale Sichten aus globalen Sichten ableiten? Wie kann ich dann im Sinne der modell-getriebenen Architektur aus meinen Modellen maschinen-lesbare Codes ableiten, damit mit Hilfe von Workflow-Systemen der Prozess automatisiert abläuft?

Redaktion: Inwieweit können Sie in Australien Ihre Schwerpunkte vertiefen?
Hofreiter: Die Forschungsgruppe an der UTS arbeitet an verwandten Forschungsthemen wie z.b. e-negotiation, dabei handelt es sich um Prozesse die wiederum per Definition unternehmensübergreifend sind, und e-markets, die ebenfalls eine Koordination zwischen den teilnehmenden GeschäftspartnerInnen erfordert. Folglich kann man davon sprechen, dass sich unsere Forschungsthemen ergänzen. Die als Beispiel genannten Themen beinhalten Anwendungsfälle, die wir bisher nicht in unserem Tool zur Unterstützung für die  Modellierung unternehmensübergreifender Geschäftsprozesse berücksichtigt haben. Diese neuen Erkenntnisse werden sich sicherlich positiv auf das Projektergebnis auswirken.

Unser Tool "UMM Add-in" wird derzeit auch im australischen e-Government Framework GovDex eingesetzt. Eine Analyse vor Ort mit den ExpertInnen des jeweiligen Geschäftsumfeldes, SoftwareentwicklerInnen die mit dem Tool-Output arbeiten, liefern wertvolle Erkenntnisse, um unsere Methodologie zu erweitern und somit auch ihre Tool-Unterstützung. Außerdem sind es wertvolle Erfahrungen und Erkenntnisse, die eine ähnliche e-Government Initiative in Österreich auslösen/begründen könnte.

Redaktion: Wie ist die Atmosphäre am Institut, wie sieht die Zusammenarbeit mit KollegInnen aus?
Hofreiter: Die Atmosphäre ist gut. Ein junges, dynamisches Team forscht an verwandten Themen. Obwohl das Schrödinger-Stipendium ein reines Forschungsstipendium ist, bin ich als Co-Supervisor in die Betreuung von PhD-StudentInnen involviert, was natürlich eine Einflussnahme auf die Forschungsergebnisse ermöglicht. Zusätzlich erfolgen erste Kontaktaufnahmen mit potentiellen ProjektpartnerInnen für ein EU-Projektproposal im Rahmen des 7. Rahmenprogramms, da Australien als Mitglied des Commonwealth als Projektpartner möglich ist.

Redaktion: Zum Thema "Kulturschock": Bei Australien und gerade Sydney denkt man an Surfen, Sonne, Strand und Meer. Gab es bisher einen Moment, wo Sie sich dachten, 'Das ist jetzt aber ganz anders als zu Hause'?
Hofreiter: Nicht im universitären Umfeld. Was vielleicht etwas eigenartig anmutet, ist die Tatsache, dass die im australischen Winter getragene Mode nicht notwendigerweise auf Winter schließen lässt: Während die einen Stiefel und Jacken tragen, laufen die anderen in Flip-Flops und Shorts oder Minirock umher - wenn überhaupt Schuhe getragen werden. Ich habe bisher noch nie eine Großstadt erlebt, wo so viele Menschen barfuss herumlaufen.

Redaktion: Kennt man im fernen Australien überhaupt das kleine Austria? Welcher Ruf eilt der Universität Wien und der Stadt Wien voraus?
Hofreiter: Leider muss ich sagen, dass die Verbindung zu Wien und zur Universität in meiner Fachrichtung immer über die Technische Universität Wien geht. Natürlich kennt man Österreich und Wien - und ich habe bisher noch niemanden getroffen, der von der Stadt Wien nicht begeistert wäre.

Redaktion: Wie werden Sie die neuen (Forschungs-)Erfahrungen bei Ihrer Rückkehr an der Universität Wien einbringen?
Hofreiter: Der Bereich unternehmensübergreifende Geschäftsprozesse bietet aus wissenschaftlicher Sicht noch einige unbehandelte Aspekte. In Australien wird wie oben erwähnt die von mir mitentwickelte Methode im e-Government praktisch eingesetzt. Somit ergibt sich für mich die Möglichkeit, aus praktisch gewonnenen Erfahrungen die Methode zu verbessern. Es ist natürlich für mich ein großes Ziel, nach meiner Rückkehr die verbesserte Methode auch in österreichischen/europäischen Projekten einzusetzen und weiter zu entwickeln. (td)


Informationen zur Gast-Universität: University of Technology Sydney (UTS)
Die University of Technology Sydney (UTS) entstand 1988 aus dem früheren New South Wales Institute of Technology. 1990 wurde die Universität mit dem Kuring-gai College of Advanced Education, der School of Design und dem Institute of Technical and Adult Teacher Education zusammengelegt, deren Gründungen teilweise bis zum Ende des 19. Jahrhunderts zurückgehen. Die UTS gehört zu den führenden Institutionen einer professionellen und karriereorientierten Ausbildung und legt viel Wert auf internationale Ausrichtung und praxisorientierte Lehre und Forschung.
Die UTS arbeitet eng mit der Wirtschaft und Industrie zusammen und kann eine der höchsten Zahlen an Studienprogrammen vorweisen, in denen Vollzeitstudium und Arbeitserfahrung kombiniert werden.

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