Vizerektor Arthur Mettinger betrachtet die nachhaltige und reflexive, d.h. durch Theorie geleitete Einbeziehung von Neuen Medien in die Lehre als anspruchsvolle Herausforderung für eine erfolgreiche Behauptung der größten Universität Österreichs im europäischen Hochschul-, Forschungs- und Kulturraum. Dem Start eines umfassenden Curriculumsprojekts an der Universität Wien in nächster Zukunft misst er entscheidende Bedeutung zu. Vizerektor Mettingers Initiativen für den Wandel der universitären Ausbildung in Richtung einer Lehr-/Lernkultur, in der Studierende unverzichtbare Kompetenzen für eine wissensorientierte Gesellschaft entwickeln, sollen die Universität Wien in den eEurope-Programmen verankern. Redaktion: Wie sieht der Ist-Stand von eLearning an der Universität Wien aus? Arthur Mettinger: Im Bereich von eLearning sind wir bisher auf die individuellen Initiativen von einzelnen UniversitätslehrerInnen angewiesen. Da gibt es - wie wir am Tag der Neuen Medien im Juni 2003 gesehen haben - eine ganze Reihe interessanter Projekte. 2003 begann auch die Diskussion über die Strategie, wie die Universität als Institution diese einzelnen Initiativen stützen, abfangen und auch weiterführen soll. Wir haben noch einen sehr geringen Prozentsatz an Lehrveranstaltungen, die eLearning-gestützt sind. Die zentralen Fragen der Universitätsleitung sind, zu welchen Zielsetzungen eLearning in den kommenden Jahren eingesetzt wird und vor allem wo im Studienverlauf. Redaktion: Hat der Bologna-Prozess Auswirkungen auf eLearning an der Universität Wien? Mettinger: Es wäre unklug, eLearning nicht im Hinblick auf den Bologna-Prozess zu sehen. Wenn wir davon ausgehen, dass die Universität Wien in den nächsten Jahren in die europäische Studienarchitektur gehen wird, bedeutet es, dass wir sehr viele Curricula neu strukturieren müssen. Jetzt muss synchron gearbeitet werden, d.h. wir müssen die Möglichkeiten des eLearnings bei der Curriculumentwicklung mitberücksichtigen, damit wir im Aufbau der Curricula gleich die Neuen Medien von Anfang an integriert haben. Da gibt es eine Rahmenbedingung im Universitätsgesetz, die dem sehr entgegen kommt: In Zukunft wird der Studienumfang nicht mehr in Semesterstunden definiert werden, sondern in ECTS-Punkten (European Credit Transfer System, Leistungspunkte, Anm. d. Red.). Das eröffnet die Möglichkeit, blended learning, d.h. also Onlinelehre, Präsenzlehre und Selbststudiumphasen, gut aufeinander abgestimmt in den Studienplänen entsprechend zu verankern. Redaktion: An der Universität Wien gibt es eine "Steuerungsgruppe Neue Medien". Wer arbeitet dort mit, und welche Ziele hat sich diese Gruppe gesetzt? Mettinger: Zur Steuerungsgruppe zählen Vizerektor Günther Vinek und ich aus dem Rektorat, Dr. Peter Rastl vom ZID, ao. Univ.-Prof. Dr. Alois Ecker vom Zentrum für Lehrentwicklung, Univ.-Prof. DDr. Christiane Spiel als Bildungsexpertin sowie als Mitglied des Gründungskonvents, und Mag. Gerda Mraczansky von der Personalentwicklung. Unsere Aufgaben sind die Verbesserung der Qualität der Lehre, die Förderung einer didaktisch orientierten Zugangsweise, die Förderung der Flexibilisierung und Individualisierung des Lernens sowie die Ausdehnung des selbstgesteuerten Lernens von Studierenden. Es geht weiters um eine Professionalisierung der Lehrenden in ihrer didaktischen Medienkompetenz. Wir wollen Standards der universitären Lehre entwickeln bzw. weiterentwickeln, und wir möchten diese Transparenz auch ausweiten. Wichtiges Ziel ist die theoriegeleitete Reflexion der universitären Lehre. Wichtig ist uns auch, dass wir im Support der Studierenden und Lehrenden Didaktik und Technik verknüpfen. In der Vergangenheit wurde oft eines von Beidem außer Acht gelassen. Daher ist in diesem Strategieprojekt der Zusammenschluss der Lehrentwicklung - mit der stärker ausgeprägten didaktischen Kompetenz - mit dem ZID, der natürlich sehr stark die technische Kompetenz hat, ganz wichtig. Wir sind gerade dabei zu überlegen, welche Lernplattformen für die Universität Wien relevant wären, vor allem wie sie am besten mit der Datenstruktur der Universität Wien verzahnt werden können. Redaktion: Wann, denken Sie, werden diese Aufgaben zur Gänze erfüllt sein? Mettinger: Ich meine, dass wir einen Horizont von fünf Jahren anpeilen müssen. Es wird letztendlich auch davon abhängen, wie unser Universitätsbudget aussieht und wie weit wir in der Lage sind, in diesen Bereich zu investieren. Mit den Budgets, die wir in den letzten Jahren hatten, war es ausgesprochen schwierig etwas Neues zu machen, aber wir haben uns trotzdem bemüht. Man soll sich aber davor hüten, in den Neuen Medien das Allheilmittel zu sehen, und man soll nicht glauben, dass mit den Neuen Medien die Lehre billiger wird. Das heißt für die Universität Wien konkret: Sie wird sich nicht zu einer virtuellen Universität entwickeln. Das ist mit unserer Mission und mit unserem Selbstverständnis nicht kompatibel, aber wir müssen eben versuchen, verschiedene Lehr- und Lernformen miteinander in Bezug zu setzen. Redaktion: Haben Sie jemals eLearning in Ihren Lehrveranstaltungen angewendet? Mettinger: O ja, ich habe erste Erfahrungen in einem Seminar im Wintersemester 2001 gesammelt, wo wir über das Oxford-English-Dictionary gearbeitet haben. Wir haben damals eine zwar rudimentäre, aber im Grunde durchaus gut funktionierende Lernplattform verwendet. Für mich war das Verblüffende, mit welcher Begeisterung Studierende diese Beiträge gestaltet haben. Es war damals eine sehr interessante und sehr positive Erfahrung - wenn ich unterrichten würde, dann würde ich eLearning unbedingt weiter verwenden und noch ausbauen. (du) Vizerektor Arthur Mettinger
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