Die Universitätsbibliothek Wien ist mit einem Bestand von über 6,7 Millionen Büchern die größte Bibliothek Österreichs. Allein in der Hauptbibliothek befinden sich mehr als 2,7 Millionen Bücher, von denen täglich 3.000 bis 4.000 entlehnt werden. Doch welchen Weg muss eigentlich ein Buch zurücklegen, bis es in der Entlehnung zur Abholung bereitliegt? |
Online-Bestellung

Für den/die BenützerIn ist alles ganz einfach: Im Online-Katalog der Universitätsbibliothek kann man bequem den Bibliotheksbestand recherchieren und Bücher per Mausklick bestellen. Bereits ein paar Stunden später warten die gewünschten Exemplare in der Entlehnung der Hauptbibliothek auf ihre Abholung. Hinter dieser scheinbar unkomplizierten Serviceleistung steckt jedoch ein ausgeklügeltes logistisches System …
Bestelldrucker

Wenige Sekunden nach der Online-Bestellung wird hier im Druckerraum im Hauptgebäude ein farbig kodierter Bestellzettel ausgedruckt, wobei je nach Aufstellungsort im Magazin ein unterschiedlicher Drucker den Zettel auswirft. Zu den jeweiligen Aushebezeiten nimmt dann der/die zuständige AusheberIn die Zettel vom Drucker und holt die entsprechenden Bücher aus dem Magazin.
Die Magazine

In den Magazinen der UB Wien werden die Bücher nach Numerus Currens (laufender Nummer) aufgestellt. Zusätzlich sind sie aber nach unterschiedlichen Formaten geordnet, um den vorhandenen Platz optimal zu nutzen.
80 Kilometer Regalbretter auf 13 Stockwerken

Die beiden größten Magazine sind der "Nordturm" und der "Südturm", die sich über 13 Stockwerke erstrecken. Wenn man die prall gefüllten Regalbretter der Universitätsbibliothek alle aneinanderreihen würde, wären sie insgesamt knapp 80 Kilometer lang.
Büchertransport
 Für den Büchertransport stehen den MitarbeiterInnen der Universitätsbibliothek abgesehen von normalen Personenaufzügen keinerlei automatische Buchbeförderungsanlagen oder sonstige technische Hilfsmittel zur Verfügung. Alle Bücher werden händisch aus dem Regal genommen und mit den im Bild sichtbaren Wagen, die bei Volllast über 100 Kilogramm wiegen, durch das Gebäude transportiert.
Aufteiltische
 Zu den Aushebezeiten (6.30, 11.30 und 14.30 Uhr) werden die Bücher an den Aufteiltischen alphabetisch (nach den Namen der BenützerInnen) geordnet. "An diesem Punkt müssen zwei Abteilungen sehr eng miteinander zusammenarbeiten", erklärt Pamela Stückler, Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit der Universitätsbibliothek. "Während die MitarbeiterInnen der Abteilung Lesesäle-Büchermagazine die Bücher zu den Aufteiltischen bringen, ist die Entlehnung für die Aufteilung und den anschließenden Weitertransport in die Entlehnung zuständig. Da es bei der Bücheraufteilung oft stressig zugeht, ist hier Teamwork angesagt."
Abholung in der Entlehnung
 Erst am Ende dieses langen Weges kommen die Bücher in die Entlehnung, wo sie wiederum alphabetisch und nach Eingangsdatum gereiht eingeschlichtet werden. Eine Woche kann man sich Zeit lassen, um bestellte Werke abzuholen. Hält man diese Frist nicht ein, so kommen sie zurück ins Magazin.
Alte Bücher
 Die Universitätsbibliothek Wien wurde 1365 gegründet und ist somit die älteste Universitätsbibliothek im deutschen Sprachraum. Obwohl ihr Sammelschwerpunkt bei der aktuellen Literatur für Forschung und Lehre liegt, besitzt die Universitätsbibliothek Wien aufgrund ihrer langen Tradition auch zahlreiche alte Bücher. Diese kann man selbstverständlich nicht entlehnen, da sie wertvoll und empfindlich sind. Nach Ausfüllen eines Bestellscheins ist es jedoch möglich, alte Bücher im Lesesaal der Abteilung Alte und wertvolle Bestände einzusehen. Das älteste im Bestand befindliche Buch ist übrigens die Historia naturalis von Plinius und stammt aus dem Jahr 1469. Dieses Buch wurde im vergangenen Jahr digitalisiert und ist online über das Langzeitarchivierungssystem der Universität "PHAIDRA" verfügbar.
Der Große Lesesaal
 Die Lesebereiche der Universitätsbibliothek Wien stehen zur allgemeinen und freien Benützung der Bestände zur Verfügung. Vor allem der Große Lesesaal ist bei den Studierenden aufgrund seiner angenehmen Lernatmosphäre sehr beliebt. Wenn man entlehnbare Bücher nicht mit nach Hause nehmen möchte, besteht auch die Möglichkeit, diese direkt in den Lesesaal zu bestellen.
Digitale Bibliothek Die Universitätsbibliothek Wien engagiert sich intensiv im weiteren Ausbau ihrer digitalen Bibliothek und ihrer E-Ressourcen. Aktuell stellt sie dabei ihren BenützerInnen 950 Online-Datenbanken und 31.000 Online-Zeitschriften zur Verfügung. Zudem bietet sie ein Digitalisierungsservice an: E-Books on Demand
Schulungen, Projekte, Ausstellungen
 Die Universitätsbibliothek Wien ist keine reine Entlehnbibliothek. "Wir verstehen uns auch ganz stark als Schulungsbibliothek, da wir die Informationskompetenz unserer BenützerInnen gezielt mit einführenden und fachspezifischen Schulungen, so Pamela Stückler. "Außerdem beteiligt sich die Universitätsbibliothek an zahlreichen bibliothekarischen und archivarischen Projekten und öffnet regelmäßig ihre Räumlichkeiten für Veranstaltungen. Besonders am Herzen liegen uns die Ausstellungen, die regelmäßig im Foyer der Hauptbibliothek stattfinden. Highlights des vergangenen Jahres waren die "Struwwelpeter"-Ausstellung sowie die "Vergessenen Helden". Für 2010 sind u. a. eine "Ex Libris" Ausstellung sowie die Präsentation der zoologischen Sammlung der Universität Wien geplant. (Fotos: Verena Gappmaier und Pamela Stückler)
Zahlen und Fakten der Universitätsbibliothek aus dem Jahr 2008:
6,739.178 Bücher 11.082 Zeitschriften 85.706 gültige Bibliotheksausweise 60.687 aktive EntlehnerInnen 14,039.563 Suchanfragen im Online-Katalog 6,432.064 Entlehnfälle |