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Alle Fotos: Sammlung Frauennachlässe (SFN), Institut für Geschichte, Nachlass 32/Fam. Siess.


Typische Beschäftigungen in der Sommerfrische: die Seele baumeln lassen,


... baden,


... Tennis spielen.


Sammlung Frauennachlässe, Institut für Geschichte

Sommerserie 2004: "Reisen und Wissenschaft"
Vom Nichtstun im Paradies
Freizeit ? Urlaub ? Reisen
Michaela Hafner (Redaktion) am 27. Juli 2005

Raus aus dem Alltag, rein in den Urlaub. WissenschafterInnen der Universität Wien berichten in der Sommerserie der Online-Zeitung "Freizeit ? Urlaub ? Reisen" über Wellness- und Abenteuerurlaub, Coachpotatoes, Lohnnebenkosten und Entspannungstipps.

Was mit eintägigen Lustfahrten und Landpartien in die nähere Umgebung Wiens ? nach Laxenburg, Purkersdorf oder Klosterneuburg ? um 1800 begonnen hatte, erlebte in den 1870er und 1880er Jahren seinen Höhepunkt mit der Sommerfrische des Adels und des Bürgertums. Großstädtische Familien zogen für mehrere Monate aufs Land, um den ungesunden Lebensbedingungen in der sommerlich heißen Stadt wie Lärm, Gestank und Staub, vor allem aber den jährlichen Typhus- und Dysenterieepidemien zu entgehen. Mit der Eisenbahn in die Sommerfrische Sommerfrische, Landpartie, Bergtourismus, Kulturreise, Kuraufenthalt ? sie alle sind "Kinder des 19. Jahrhunderts". Anders als bei den bis dahin verbreiteten Arten des Reisens, den Handels-, Wallfahrts- oder Bildungsreisen, wurde nun erstmals im großen Stil zweckfrei verreist. Der Aspekt der Erholung stand dabei im Vordergrund. Wesentlich erleichtert wurde dies durch den Ausbau der Eisenbahn, die in den 1840er Jahren den Gebirgsrand erreichte und den WienerInnen neue Räume wie das Salzkammergut oder die Kärntner Seen erschloss. Alltag versus Freizeit Das Reiseverhalten gliederte das Jahr und das Leben in neue Rhythmen ? freilich je nach Geldbörse und Zeitbudget. Bis ins 19. Jahrhundert wurde das Jahr durch den sich meist wiederholenden Alltag und daraus herausragende kirchliche Fest-/Feiertag strukturiert. Fest- und Feiertage, aber auch Hochzeit oder Taufe wurden meist im Schoß der örtlichen Gemeinschaft begangen. Die neuen Reisemöglichkeiten und die damit verbundene örtliche Veränderung bildeten einen neuen privaten Freiraum vom beruflichen und öffentlichen Alltag. Generation Freizeit - von 9 auf 25 Urlaubstage Neben zunehmender Motorisierung, steigender individueller Mobilität und wachsendem Wohlstand führten auch der immer größer werdende Anteil an frei verfügbarer Zeit und die höhere Lebenserwartung zu einem starken Anstieg des Reiseverkehrs. Keine (arbeitende) Generation je zuvor hatte so viel Freizeit zur Verfügung: In den letzten vier Jahrzehnten steigerte sich die werktägliche freie Zeit von 1,5 auf über vier Stunden, die Urlaubsdauer verdreifachte sich beinahe von neun auf 25 Tage pro Jahr. Volkswirtschaftslehre: Urlaubsgeld versus Lohnnebenkosten Damit einher ging die Verkürzung der Arbeitszeit, die vom Zehn-Stunden-Arbeitstag und der Sechs-Tage-Woche um 1900 im Laufe des 20. Jahrhunderts zur Fünf-Tage-Woche mit insgesamt 38,5 Stunden führte. Die Auszahlung des Urlaubsgeldes an die ArbeitnehmerInnen erleichtert es vielen zusätzlich, im wohl verdienten Urlaub eine Reise anzutreten. Für Unternehmen jedoch verursachen die Ferien ihrer MitarbeiterInnen vor allem eines: Lohnnebenkosten. Und jedes Jahr entbrennt erneut eine Diskussion um die Abschaffung von Feiertagen zur Ankurbelung der Wirtschaft ? warum dies allerdings wenig Sinn macht, erklärt der Volkswirtschafter Peter Rosner. Psychologie: Die Vertreibung aus dem Paradies Ob mit dem Auto, dem Flugzeug, dem Schiff oder der Bahn, ob Pauschal-, Gesundheits- Bildungs-, Abenteuer-, Sport- oder Weltreise: Letztlich würden wir immer nach dem Paradies suchen, meint die Psychologin Ilse Kryspin-Exner. Sie verrät Strategien gegen die Post-Urlaubs-Depression und Partnerschaftskonflikte in der "schönsten Zeit des Jahres". Sportsoziologie: Vom Sofa zum Wellnessurlaub Zum Glück gibt es den Sommer ? denn sonst würden wir unsere Freizeit großteils nur vor dem Fernseher verbringen, wie aktuelle Studien belegen (auch wenn dies niemand zugeben mag). Doch längst ist nicht nur im Sommer Urlaubszeit, sondern beinah schon das ganze Jahr über. Denn der Trend geht zum Kurz- und da verstärkt zum Wellnessurlaub, beobachtet der Sportsoziologe Roland Bässler. Volkskunde: Mut zum Nichtstun Immer mehr Menschen haben allerdings das Gefühl, auch im Urlaub etwas "leisten" zu müssen: immer mehr sehen und erleben, um mehr erzählen können. Um dem "Freizeitstress" zu entgehen, rät die Volkskundlerin Klara Löffler zu "mehr Mut zum Nichtstun". Die Redaktion empfiehlt: Probieren Sie das doch einfach einmal aus! (mh) Buchtipp: Willibald Rosner (Hg.): Sommerfrische. Aspekte eines Phänomens. Vorträge des 13. Symposiums des Niederösterreichischen Instituts für Landeskunde (5. bis 8.7.1993). Wien 1994 Dass die Sommerfrische durchaus langweilige Seiten aufweisen konnte, verdeutlicht dieser Brief einer jungen Lehrerin, Tilde Mell, an ihre Freundin Tilly Hübner (1904) (PDF). Quelle: Sammlung Frauennachlässe, Institut für Geschichte der Universität Wien, NL I/2b.  

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