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Wärme, Wasser, Wind
Orte der Universität Wien
Gastbeitrag von Li Gerhalter und Michaela Hafner am 24. Juli 2003

Was früher zehn Kesselmeister und Heizer beschäftigte, erledigen heute dank Fernwärme zwei Personen. Eine Expedition in die unterirdischen Gänge der Heizungsanlage der Universität Wien.

Wer an einem lauen Sommertag den Arkadenhof des Hauptgebäudes für Ruhepausen nützt, dem/der ist vielleicht der große Brunnen in der Mitte des Hofes, versteckt hinter Bäumen, aufgefallen. Er beherbergt allerdings kein Wasser, sondern der rund 15 Meter tiefe Schacht dient als Luftbrunnen. Frische Luft wird über riesige Schächte eingesogen, die zur Belüftung einiger Räumlichkeiten der Universität, z.B. des Großen Festsaals, des Audimax oder des Lesesaals, verwendet wird. Die Luft, mit welcher der Fest- und Lesesaal beheizt werden, wird nach der Filterung erwärmt und befeuchtet.


 

Luftbrunnen im Arkadenhof (Fotos: mh)

 

 


Kohle, Öl und Fernwärme - ein Rückblick

Das Heizungssystem der Universität Wien war und ist nicht einheitlich. Den unterschiedlichen Anforderungen der Räumlichkeiten entsprechend wurde in den 1880er Jahren eine Dampfluftheizung (für den großen Lesesaal, den Festsaal und das Audimax), eine direkte Dampfheizung (für Hörsäle) sowie einzelne Öfen (für Hörsäle, Kanzleien etc.) eingebaut. In der Bureau-Ordnung von 1872 wurde den Beamten empfohlen, "in Winterszeiten täglich 4 Pfund Kohle pro Personalmitglied mitzubringen". Bis in die 1960er Jahre wurden zehn Kohlekessel von bis zu zehn Kesselmeistern betrieben. Der heiße Dampf wurde in einem ausgeklügelten Schächtesystem durch die ganze Universität geleitet und mit Klappen und Schiebern reguliert. Dieses Umluftsystem fand in Großbauten des 19. Jahrhunderts häufig Verwendung. 1966 wurde die Hälfte der Kohlekessel durch Ölkessel ersetzt, eines der Kesselhäuser wurde geschlossen, heute ist dort die Telefonzentrale der Universität untergebracht. In den Hörsälen und den Gängen wurden Heizkörper installiert, der tägliche Ölverbrauch an einem kalten Wintertag betrug bis zu 4000 Liter. 1986 erfolgte die Umstellung auf Fernwärme, das Heizungssystem funktioniert seither computergesteuert. Derzeit sind ein Heizer und ein Arbeiter beschäftigt.

Besonderer klimatischer Bedingungen bedürfen die Magazine der Bibliothek. Um die Haltbarkeit der Bücher optimal zu gewährleisten, sind spezielle Temperatur- und Feuchtigkeitsverhältnisse notwendig (18° Celsius im Sommer, 24° Celsius im Winter mit einer relativen Luftfeuchtigkeit von 40 bis 55 %). Alte und wertvolle Bücher befinden sich in einem speziell dafür eingerichteten Raum mit besonders hoher Luftfeuchtigkeit und ausschließlich künstlichem Licht.

"Reise in das Innere des Heizkörpers ..."


 

Kesselmeister Gerhard Meidl ist seit 1982 als Heizer an der Universität beschäftigt und kennt das System genau. Er führt uns durch lange unterirdische Gänge und Winkeln auf mehreren Ebenen, vorbei an riesigen Ventilatoren, computerbetriebenen Schaltsystemen und durch meterhohe Schächte, in denen Luft für das Belüftungssystem angesogen wird.

Kesselmeister Gerhard Meidl

 

Wir passieren viele hundert Meter von glänzenden Rohren, erhalten Erklärungen zu Luftfiltern, klettern bis ins Innere des Luftbrunnens und fühlen uns ein bisschen wie RomanheldInnen von Jules Verne. Zwischen den verschiedenen Räumen und Niveaus wechseln auch die Temperaturen: während es in den Kellergängen recht kühl und in der Nähe des Luftbrunnens sehr windig und zugig ist, herrscht drückende Hitze unter dem Glasdach des Kesselhauses (Hof VIII).




Klappe des Luftbrunnens

 

Glasdach des Kesselhauses

Arbeitsalltag

Zu den Aufgaben der Abteilung Immobilienmanagementgesellschaft des Bundes mbH. Gebäudeverwaltung (IMG GV) 12 Universität 1 zählen die Beheizung und Belüftung des Gebäudes sowie die Aufbereitung des Warmwassers, weiters ist sie für die Klimaanlagen und 18 Aufzüge verantwortlich.


Der Arbeitstag von Gerhard Meidl und seinem Kollegen Branislav Jovanovic beginnt um sechs Uhr früh. Ihre Aufgaben bestehen aus Kontrollgängen, Wartungs- und kleineren Reparaturarbeiten, Kontrollfahrten mit den Aufzügen, Überwachung von Baufirmen und Schreibarbeiten. Ihr Verantwortungsradius umfasst das Hauptgebäude, das NIG und die Universitätsinstitute in der Liebiggasse. Das Hauptgebäude selbst ist in fünf Heizzonen unterteilt.

 
 

 

Warm, lau, kalt

Die offizielle Heizsaison beginnt am 15. Oktober und endet am 15. April, außer die Wetterlage erfordert anderes. Die Temperatur des Wassers in den Heizkörpers muss je nach Zone und Sonneneinstrahlung auf 40 bis 60° Celsius erwärmt werden, damit die gesetzlich exakt vorgeschriebene Raumtemperatur von maximal 20° Celsius erreicht wird. Die meisten Uni-Angehörigen können ein Lied singen über die divergierenden Temperaturverhältnisse in den einzelnen Büros, verantwortlich dafür ist aber - wie uns versichert wurde - nicht menschliche Willkür, vielmehr liegt das an den einzelnen Heizkörpern und Rohren. Nichtsdestotrotz unterstreicht Meidl zum Schluss unseres Besuches nochmals sein Angebot, sich jederzeit mit heizungstechnischen Fragen an ihn zu richten; schließlich ist ein wohliges Klima in den Universitätsgebäuden nicht nur der Wunsch der Studierenden und des Personals - sondern auch seine Herausforderung.




Li Gerhalter ist Mitarbeiterin der Sammlung Frauennachlässe am Institut für Geschichte.




Bureau-Ordnung 1872 Zur Beachtung des Personals (der Universität Wien)

I. Gottesfurcht, Sauberkeit und Pünktlichkeit sind die Voraussetzungen für ein ordentliches Geschäft. II. Das Personal braucht jetzt nur noch an Wochentagen zwischen 9 Uhr vormittags und 6 Uhr nachmittags anwesend zu sein. Der Sonntag dient dem Kirchgang. III. Es wird von jedermann die Ableistung von Überstunden erwartet. IV. Der dienstälteste Angestellte ist für die Sauberkeit des Bureaus verantwortlich. Alle Jungen und Junioren bleiben auch nach Arbeitsschluß zur Verfügung. V. Einfache Kleidung ist Vorschrift. Bei schlechtem Wetter sind Halstücher und Hüte erlaubt. Außerdem wird empfohlen, in Winterszeiten täglich 4 Pfund Kohle pro Personalmitglied mitzubringen. VI. Während der Bureaustunden darf nicht gesprochen werden. Ein Angestellter, der Zigarren raucht, Alkohol in irgendwelcher Form zu sich nimmt, Billardsäle und politische Lokale aufsucht, gibt Anlaß, seine Ehre, Gesinnung, Rechtschaffenheit und Redlichkeit anzuzweifeln. VII. Die Einnahme von Nahrung ist zwischen 11.30 Uhr und 12.00 Uhr erlaubt. Jedoch darf die Arbeit dabei nicht eingestellt werden. VIII. Der Kundschaft und der Geschäftsleitung ist mit Ehrerbietung und Bescheidenheit zu begegnen. IX. Jedes Personalmitglied hat die Pflicht, für die Erhaltung seiner Gesundheit Sorge zu tragen, im Krankheitsfalle wird die Lohnzahlung eingestellt. Es wird daher dringend empfohlen, daß jedermann von seinem Lohn eine hübsche Summe für einen solchen Fall beiseitelegt, damit er bei Arbeitsunvermögen und bei abnehmender Schaffenskraft nicht der Allgemeinheit zur Last fällt. X. Zum Abschluß sei die Großzügigkeit dieser neuen Bureau-Ordnung betont. Zum Ausgleich wird eine wesentliche Steigerung der Arbeit erwartet. Quelle: Seminar für neuere Geschichte: Methoden und Probleme der Projektarbeit (Hg.): Ort(e) des Lesens? Die Universitätsbibliothek Wien. Nachlese zur Ausstellung 20.1. bis 24.2.2001, Wien 2001.

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