| |
Weiterfahrt ungefährlich |
| Orte der Universität Wien |
| Dieter N. Unrath (Redaktion) am 30. Juli 2003 |
Der Paternoster im Neuen Institutsgebäude (NIG) ist eine technische Rarität. DieUniversitaet.at stellt diesmal diesen besonderen "Ort" vor und wollte wissen, wie das mit der (ungewollten) Weiterfahrt so ist. |
Eine Seltenheit Der Paternoster oder "Personen-Umlaufaufzug", wie er eigentlich amtlich korrekt genannt wird, war das demonstrativ moderne und effiziente Fördermittel für den schnellen Personenverkehr. Die Kabinen sind mit einer Umlaufkette verbunden, die Anlage wird mit Strom betrieben. Monatlich wird der Paternoster gewartet, etwaige Reparaturkosten sind nicht allzu groß. Mit der Haussperre werden er sowie alle anderen Lifte im NIG ausgeschaltet. Kehrlipf oder Lipfzelle Die Erfindung des Paternosters fiel in denselben Zeitraum wie das Aufkommen der Fahrtreppen. Erfunden wurde der Paternoster in England und war eigentlich nicht für den Personenverkehr, sondern für den Warentransport gedacht. 1880 wurden erstmals Personen transportiert und ist damit das Geburtsjahr des Paternosters. Die erste Anlage hieß "Hart's Cyclic Elevator" und wurde in den Mansion House Chambers in der Grafschaft Kent von den Ingenieuren J. und E. Hall aus Dartford eingebaut. Paternoster-Fahren als Tortur Auch in der Literatur wird der Paternoster erwähnt. So schildert Heinrich Böll in der Erzählung "Doktor Murkes gesammeltes Schweigen" (1953) das Paternoster-Fahren als Tortur und anstrengende Turnübung. Die Hauptfigur Dr. Murke "sprang in den Paternosteraufzug, stieg aber nicht im zweiten Stockwerk, wo sein Büro lag, aus, sondern ließ sich höher tragen, am dritten, am vierten, am fünften Stockwerk vorbei, und jedes Mal befiel ihn Angst, wenn die Plattform der Aufzugskabine sich über den Flur des fünften Stockwerkes hinweg erhob, die Kabine sich knirschend in den Leerraum schob, wo geölte Ketten, mit Fett beschmierte Stangen ächzendes Eisenwerk die Kabine aus der Aufwärts- in die Abwärtsrichtung schoben, und Murke starrte voller Angst auf diese einzige unverputzte Stelle des Funkhauses, atmete auf, wenn die Kabine sich zurechtgerückt, die Schleuse passiert und sich wieder eingereiht hatte und langsam nach unten sank." Auch im Paternoster des NIG braucht man bei der ungewollten Weiterfahrt sowohl ganz unten als auch ganz oben keine Angst zu haben, denn diese ist garantiert ungefährlich. (du) Abteilung für Gebäude und Technik der Universität Wien Buchtipps: Vittorio Magnago Lampugnani (Hrsg.): Vertikal: Aufzug, Fahrtreppe, Paternoster. Eine Kulturgeschichte vom Vertikal-Transport. Berlin 1994 Heinrich Böll: Dr. Murkes gesammeltes Schweigen, in: Werke, Romane und Erzählungen, hrsg. von B. Balzer, Köln o.J., Band 3 |



