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Foto: Barbara C. Bauer


Foto: Veronika Reinberg


Foto: Eva Millesi


Department für Neurobiologie und Verhaltenswissenschaften
Fakultät für Psychologie  
Wer mit wem?
Liebe
Simone Kremsberger (Redaktion) am 25. Mai 2005

Die richtige Frau oder Mr. Right an der Seite zu haben, ist mehr als eine Visitenkarte. Wie es dazu kommt, dass man zusammenkommt oder nicht, beschäftigt auch die Wissenschaft. Der Verhaltensforscher John Dittami argumentiert mit Erfahrungen aus dem Tierreich und plädiert für die alltagstauglichen Werte des Gegenübers, der Psychologe Helmut Leder setzt auf Gesichtsattraktivität.

Willst du mit mir gehn? - Weder das "Ja", noch das "Nein", sondern vielmehr das "Warum" ist für die Forschung interessant. O. Prof. Dr. John Dittami vom Department für Neurobiologie und Verhaltenswissenschaften weiß: Partnerbindung ? und Sexualität ? dienen nicht nur der Fortpflanzung, sondern sind auch aus sozialen Gründen vorteilhaft für das Individuum. Wie sich Partner finden und wozu sie sich brauchen, untersucht und beobachtet er mit seinen MitarbeiterInnen anhand von Meerschweinchen, Primaten ? und Menschen. Meerschwein, weibl., sucht sanften Tänzer ? Meerschweinchenweibchen etwa suchen Männchen mit Bindungsfähigkeiten. Bestimmend für die Damenwahl ist, wie Herr Meerschwein den "Rumba Rumble" aufs Parkett legt. Der Balztanz ist umso attraktiver, je rhythmischer das Männchen swingt. Machoschweinchen kommen weniger gut an: "Je aggressiver das Männchen ist, desto weniger attraktiv wirkt es auf das Weibchen", sagt Dittami. "Reaktive, vorsichtige Männchen zeigen, dass sie besser mit Stress umgehen können." Leading Lady sucht Alphamännchen für gemeinsamen Alltag Während Meerschweinchen nach der Kopulation eine soziale Partnerschaft eingehen, müssen sich bei Berberaffen Sexualität und Sozialiät nicht überschneiden. Die Weibchen sind promiskuitiv, erwählen aber ein Männchen ? das nicht unbedingt zu den Sexgespielen zählen muss ? zum fixen Partner, schildert Dittami: "Der soziale Status des Individuums ist entscheidend für die Partnerwahl. Ranghohe Weibchen bevorzugen ranghohe Männchen und umgekehrt." Unter den Berberaffen ist Aggressivität von Wert: Der Rang wird zuvor in Kämpfen entschieden. Sind Bindungen erst einmal eingegangen, sorgen diese für Harmonie in der Gruppe, und die Berberaffengesellschaft wird zur "friedlichsten der Welt", so Dittami. Partnerschaft als Stressmanagement bei Mensch und Tier Partnerschaft, was nun? Die Affen teilen den Alltag, entlausen sich gegenseitig, legen gemeinsam Rastperioden ein und lösen zusammen Probleme am Futterplatz. "Die Auswirkungen von Stresssituationen werden vermindert", fasst Dittami zusammen. Was für  die Tiere gilt, trifft auch für Menschen zu: Bei Paaren findet eine Synchronisation von Verhalten und physiologischen Vorgängen statt, so werden etwa Schlaf-/Wachphasen einander angeglichen. Zu zweit schläft man besser, geht besser mit Stress um und hält den Stoffwechsel auf Vordermann. Allein sein ist riskant: Singles haben einer dänischen Studie zufolge ein mindestens vierfach höheres Risiko für einen plötzlichen Herztod. Doch nur eine funktionierende Partnerschaft hält fit ? ansonsten schlägt sich die Liebe negativ aufs Herz: Ein schwedisches Forscherteam hat herausgefunden, dass Frauen in unglücklichen Beziehungen anfälliger für Herzinfarkte und Verengungen der Herzkranzgefäße sind. Auch Beobachtungen bei Berberaffen zeigen, dass rangniedrige Tiere ohne fixen Partner, die sich mit flüchtigen Sexualkontakten zufrieden geben müssen, gestresster und weniger gesund sind. Berberaffen schätzen symmetrischen Bart Doch nicht nur der Status macht's: Auch das Aussehen spielt eine Rolle bei der Partnerwahl. Dittami und sein Team untersuchen derzeit die Bedeutung von Schwellungsausprägungen und Gesichtsmerkmalen von Berberaffen: "Runde Genitalschwellungen sind attraktiver als ovale, bei Männchen ist die Symmetrie und Größe des Bartes von Bedeutung", skizziert Dittami erste Ergebnisse. Mensch begehrt das Durchschnittsgesicht Menschen legen da andere Maßstäbe an. Univ.-Prof. Dr. Helmut Leder vom Institut für psychologische Grundlagenforschung beschäftigt sich mit Gesichtsforschung und weiß, dass die Gesichtsattraktivität bei der Partnerwahl eine Rolle spielt. "Besonders attraktiv ist das Durchschnittsgesicht. Symmetrie steht für gute Gene und Parasitenresistenz. Natürlich finden auch unter- und überdurchschnittliche Gesichter zueinander, weil beim Menschen neben dem Gesicht auch Merkmale wie Status und Charakter eine Rolle spielen.? Attraktivität wird stets auf den ersten Blick erkannt. Ob Liebe daraus wird, ist natürlich nicht gesagt. Immerhin wirkt der Gewöhnungseffekt stabilisierend: "Je öfter wir etwas sehen, desto mehr mögen wir es." Ein besseres Leben zu zweit Partnerschaft als Anpassungsprozess? Verhaltensforscher Dittami meint: "Für das Entstehen einer Bindung sind der körperliche Zugang zur anderen Person, die Fähigkeit, Verhaltensmerkmale abzulesen und darauf zu reagieren und die Fähigkeit, angepasste Reaktionen zu produzieren, also zu lernen, wichtig. Diese Voraussetzungen ermöglichen dem Individuum ein 'besseres Leben' ? und der Genuss dieses besseren Lebens ist die Liebe." (sk)

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