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Wie gelangen Pflanzen in Botanische Sammlungen? (2)
Botanischer Garten
Daniela Schuster (Redaktion) am 18. Dezember 2003

Ca. 9500 Arten werden im Botanischen Garten der Universität Wien kultiviert. Doch wie sind sie dorthin gekommen? Neben wissenschaftlich motivierten Sammelreisen und dem Austausch mit botanischen Einrichtungen weltweit verdankt die Wiener Sammlung einige ihrer Exponate auch interessierten "Laien", den kommerziellen Interessen von Großgärtnereien und dem Naturinteresse der Habsburger Monarchen.

Botanische Sammelreisen, die Wiener Botaniker zu den Inselwelten dieser Erde unternahmen, sind kein neues Abenteuer. „Neu ist nur, das heute primär forschungsbezogen gesammelt wird. Solche rein wissenschaftlich motivierten Sammelreisen gibt es in Österreich erst seit etwa 1900“, erklärt Ass.-Prof. Dr. Michael Kiehn, Institut für Botanik der Universität Wien. Und davor? Wurde auch gesammelt - aber z.B. aus kommerziellem Interesse. So beauftragten Gärtnereien Abenteurer und Botaniker mit der Suche nach kommerziell verwertbaren Blumen. Ende des 19. Jahrhunderts brachte Ernest Wilson etwa im Auftrag der englischen Gärtnerei Veitch aus China die Veitchi (Jungfernrebe) mit. Ihm haben wir auch Arten des blauen Mohns zu verdanken. „Natürlich haben diese Forscher die Pflanzen auch beschrieben. Im Unterschied zu unserer Tätigkeit heute waren ihre Reise aber durch kommerzielle Interessen gelenkt und auch von kommerziellen Unternehmen bezahlt“, erklärt Kiehn. Im Auftrag Ihrer Majestät: Blumenschmuck

Oder aber sie dienten der Befriedigung von Reputationsbedürfnissen und imperialem Naturinteresse. So wurde zum Beispiel Nicolaus Joseph von Jacquin, der später den Botanischen Garten der Universität Wien leitete, 1754 vom Habsburgerhaus nach Westindien ausgesandt, um repräsentative, wohlriechende Pflanzen und exotische Tiere für den Schönbrunner Schlossgarten und die Menagerie zu sammeln. Kaum an seinem Bestimmungsort angelangt, erkrankte Jacquin jedoch zunächst an Gelbfieber. Kaum genesen, wurde sein Schiff gleich mehrmals gekapert, er seiner Habseligkeiten beraubt und lange Zeit gefangen gehalten.

 
 

Nikolaus J. von Jacquin

Als er seine Sammeltätigkeit endlich auf Martinique, Curacao und Cartagena fortsetzen konnte, war er so erfolgreich, dass ihn kein Schiff mehr mitnehmen wollte - 50 Kisten mit Pflanzenmaterial und Dutzende lebende Tiere waren den Kapitänen einfach zu viel. Nach vier Jahren gelang dem Botaniker mit seiner Ausbeute schließlich doch die Rückkehr nach Wien. Außer einigen Bananengewächsen, die die Ratten zernagt hatten, und dem mühevoll angelegten Herbarium, das Opfer der Ameisen wurde, gab es kaum Verluste unter den seltenen tropischen Heil-, Nutz- und Giftpflanzen. Schon bei seiner Expedition hatte Jacquin beschlossen, Pflanzen vor Ort „nach dem Leben abzuzeichnen und zu beschreiben“. Seine Ausbildung an der k. k. Zeichenakademie kam ihm dabei zugute. „Diese Zeichnungen - heute im Original im Archiv des Naturhistorischen Museums Wien zu finden - sind unschätzbar wertvoll: sie zeigen eine Flora, die vielfach schon verschwunden ist“, erklärt Kiehn.   Im Auftrag Ihrer Majestät: Geheiminformationen
 

Auch Emanuel Ritter von Friedrichsthal, dessen Namen heute verschiedene Pflanzenarten in ihrer lateinischen Bezeichnung tragen, wurde wie Jacquin im k.k.-Auftrag entsandt, jedoch nach Amerika. Und statt Blumen sollte er regelmäßig Berichte über politische, soziale und kommerzielle Fragen der Neuen Welt an Staatskanzler Metternich liefern.

Chrysothemis Friedrichsthaliana

 
  Eigentlich ziviler Staatsdiener, hatte sich Friedrichsthal jedoch naturwissenschaftlichen Studien verschrieben. Und deshalb interessierten ihn seine botanischen, vulkanologischen, ethnologischen und archäologischen Studien weit mehr als ein Spitzel-Dasein. Von ihm stammt auch die erste Beschreibung von Chichén Itzá durch einen Europäer. Leider verlor er durch einen Raubüberfall einen großen Teil seiner Sammlung, die er mit Hilfe eines daguerreotypischen Apparates abgebildet hatte. Und dann erkrankte er auch noch so schwer an einer Tropenkrankheit, dass er kurz nach seiner Rückkehr daran verstarb. Von seiner Reise existiert daher für die Botanik leider nur ein etwa 20-seitiger, wenig aufschlussreicher Reisebericht an Metternich, die einzigartigen Daguerrreotypen gingen leider verloren. Doch immerhin: „Im Volkskundemuseum Wien findet sich ein von Friedrichsthal mitgebrachtes Maya-Portal“, so Kiehn. Der Verdienst der Hobby-Botaniker Viele Herbarbelege verdanken botanische Sammlungen jedoch gar nicht den Bemühungen von ausgebildeten Botanikern, sondern interessierten Laien wie etwa Missionaren. „Besonders Jesuiten zeichneten sich durch ein großes Interesse an der Natur aus. Ihrer Korrespondenz mit der Heimat legten sie botanisches Material bei“, erzählt Michael Kiehn. „Einem Pastor namens David verdanken wir etwa, dass die in China beheimatete und nach ihm benannte Davidia, der Taschentuchbaum, bei uns bekannt wurde.“ Eine Aufgabe Botanischer Gärten liegt auch darin, diesen oft äußerst kenntnisreichen Amateuren den Zugang zur botanischen (akademischen) Wissenschaft zu ermöglichen und der Wissenschaft die Kenntnisse der Amateure nutzbar zu machen. Die „Freunde des Botanischen Gartens der Universität Wien“ spielen dabei eine wichtige Rolle. (dan) Botanischer Garten der Universität Wien Lesen Sie hier den ersten Teil des Artikels.  

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