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Wie mobil sind Österreichs DoktorandInnen?
JungwissenschafterInnen
Daniela Schuster (Redaktion) am 12. März 2003

Der erfolgreiche Auf- und Ausbau des Europäischen Forschungsraumes hängt auch maßgeblich von der Mobilität der (Jung)WissenschafterInnen ab. Doch wie mobil ist der österreichische akademische Nachwuchs? Ende 2001 legte Dr. Irving Mitchell, damaliger Berater der Generaldirektion Bildung und Kultur, der Europäischen Kommission einen Bericht zur Mobilität europäischer DoktorandInnen vor.

"Encouraging young researchers to participate actively in international and European cooperation networks and to undertake part of their advanced training (postgraduate and doctoral studies) in another country will give them a valuable experience of working in a multicultural environment. Such cooperations will contribute considerably to the maintenance and improvement of European competitiveness in all areas," unterstreicht Dr. Irving Mitchell die Bedeutung von Mobilität junger WissenschafterInnen. Doch die Mobilität der Studierenden ist in Europa marginal. Im Jahr 2000 absolvierten lediglich 2,3 % der europäischen Studierenden ein Auslandsstudium. Bei den ForscherInnen ist die Mobilitätsquote in der EU zwar höher als im Bevölkerungsdurchschnitt, sie liegt jedoch nach wie vor unter der Mobilitätsquote der USA.

Mobilität im Zeitalter der Globalisierung

Durch den Einfluss der neuen Medien auf die Verbreitung und Generierung von Information und Wissen im Zeitalter der Globalisierung bekommt die Dimension von Internationalität an Universitäten einen noch höheren Stellenwert. Die Herausforderung für die Universität besteht einerseits darin, Strukturen aufzubauen, die eine internationale Dimension vor Ort garantieren, und andererseits darin, einen globalen Raum des Wissens durch die aktive Teilnahme an Kooperationen und Netzwerken mitzugestalten und damit Mobilitätshindernisse abzubauen. Dieser Weg wird seit 1999 mit der Erklärung von Bologna beschritten. "This is underpinning much of the EU's thinking in higher education", so Dr. Mitchell. Der Prozess befindet sich jedoch noch in der Startphase. Bislang führt die Praxis der DoktorandInnenenausbildung an ösrtereichischen Universitäten in ihrer derzeitigen, weitgehend unstrukturierten und von der anderer europäischer Länder abweichenden Form noch zu Defiziten in der Mobilität und damit zugleich im Ausbildungsprofil von NachwuchswissenschafterInnen.

Österreichische DoktorandInnen sind alt

Ein Bild der jetzigen Situation zeichnet die Ende 2001 veröffentlichte Studie "Doctoral student mobility in the framework of the Socrates/Erasmus Programme 1995-2000" von Dr. Irving Mitchell. Aus ihr geht hervor, dass 80 % der europäischen DoktorandInnenen beim Auslandsaufenthalt unter 30 Jahre alt sind, weniger als 5 % sind bereits über 35. Sie zeigt aber auch, dass österreichische DoktorandInnen, wie ihre deutschen KollegInnen, weitaus älter sind als die JungwissenschafterInnen aus Spanien oder Frankreich, wenn sie ihre Heimatunis verlassen. Damit steht Österreich jedoch immer noch besser da als Italien oder Portugal. Es finden sich kaum DoktorandInnen aus diesen Ländern, die vor dem 25. Lebensjahr ins Ausland wechseln. Während des Untersuchungszeitraumes (1995-2000) konnte zudem ein deutlicher Anstieg beim Alter der mobilen DoktorandInnen verzeichnet werden.

Frauen sind mobiler

Die Studie zeigt auch: Frauen sind mobiler als Männer. Besonders deutlich wurde das in der Gruppe der unter 24-Jährigen, hier verließen 14 % mehr Frauen ihre Heimatunis. Durchschnittlich waren 54 % der Doktoranden im Ausland weiblich. Die Männer haben jedoch aufgeholt: Waren im akademischen Jahr 1995/96 noch 61 % der mobilen Doktoranden weiblich, so betrug der Frauenanteil 1999/2000 nur noch 51 %. Im Ländervergleich zeigt sich: Österreich liegt genau im Durchschnitt. Dagegen sind 65 % der mobilen Doktoranden aus Spanien und Frankreich weiblich. Bezüglich deutscher und englischer JungwissenschafterInnen im Ausland zeichnet sich ein gegenteiliges Bild, hier liegt der Frauenanteil bei nur rund 40 %. Ein weiteres Ergebnis: DoktorandInnen verbringen meist kürzere Aufenthalte im Ausland als Studierende auf einem niedrigeren Ausbildungslevel. Mehr als 50 % der DoktorandInnen bleiben lediglich drei Monate, nur 20 % nützen das ganze Jahr.

Was belegen DoktorandInnen?

Im Gegensatz zu den AustauschstudentInnen, die vermehrt Management, Sprachen und Sozialwissenschaften studierten, zeigt sich bei den DoktorandInnen für den Untersuchungszeitraum eine gegenläufige Entwicklung. Ins Ausland gehen vermehrt DoktorandInnen der Fachrichtungen Maschinenbau und Technik sowie Naturwissenschaften. Der Anteil der Human-, Wirtschafts-, Rechts- und SprachwissenschafterInnen und PhilologInnen im Ausland nahm während des Untersuchungszeitraums ab.

Come in and go out

Europaweit werden doppelt so viele GaststudentInnen an den heimischen Universitäten zugelassen als inländische StudentInnen ins Ausland gehen. Österreich und Spanien bilden hier jedoch eine Ausnahme. Im Untersuchungszeitraum wurden beinahe doppelt so viele DoktorandInnen ins Ausland entsandt als in Österreich forschten. (dan)

Welche Auswirkungen der Bologna-Prozess auf die Mobilität österreichischer JungwissenschafterInnen haben wird und wie sich die Attraktivität österreichischer Hochschulen für ausländische NachwuchsforscherInnen erhöhen lässt, lesen Sie im morgigen Artikel "Der Bologna-Prozess - was bringt er den JungwissenschafterInnen?".

Dr. Irving Mitchell ist ehemaliger Berater der Generaldirektion Bildung und Kultur der Europäischen Kommission in Brüssel. Er ist Autor mehrerer Studien und Artikel zur studentischen Mobilität.

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