![]() Die Sinologin Susanne Weigelin-Schwiedrzik forscht zur Geschichtsschreibung im China des 20. Jahrhunderts. Foto u. Montage: T. Dirtl ![]() Chinesisches Propaganda-Plakat (1969) mit der Aufschrift: "Vorsitzender Mao ist die rote Sonne in unserem Herzen". Foto: M. Wolf, Chinese Propaganda Posters. Taschen Verlag Köln Kleine Geschichte der Kulturrevolution: Die Kulturrevolution (KR) war eine Bewegung, die 1966 von einer Gruppe in der Führung der KPCh eingeleitet wurde. Der Parteivorsitzende Mao Zedong wollte mit der KR die drohende bürokratische Erstarrung des Partei- und Staatsapparates abwenden und zugleich seine eigene Macht festigen. Die KR richtete sich besonders gegen Funktionäre und Intellektuelle, die zu Millionen amtsenthoben, gedemütigt und misshandelt wurden. Während ihrer dreijährigen Hochphase (bis 1969) kam es zu exzessiven Morden, Misshandlungen, Zerstörungen und Restriktionen. Die Zahl der Todesopfer geht in die Hunderttausende, Kulturdenkmäler wurden zerstört, der Lehrbetrieb wurde zeitweise eingestellt. Als die Bewegung außer Kontrolle zu geraten drohte, wurde zur Wiederherstellung der Ordnung die Armee eingesetzt. Nach Maos Tod (1976) rückte die Parteiführung von der KR ab. Institut für Ostasienwissenschaften / Sinologieder Philologisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät Homepage von Susanne Weigelin-Schwiedrzik |
Wie viele Seiten hat eine Medaille? Geschichtsschreibung in China |
| China, Forschungsprojekte |
| Bernadette Ralser (Redaktion) am 2. Juli 2007 |
Die Zeit der Kulturrevolution wird in den Lehr- und Geschichtsbüchern chinesischer SchülerInnen in drei bis vier kryptischen Sätzen abgehandelt. Ähnlich wie in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg spricht auch die Elterngeneration nicht gerne über ihre Rolle in dieser Zeit. Darüber hinaus tut die Kommunistische Partei ihr Möglichstes, den öffentlichen Diskurs über die Kulturrevolution zu unterbinden. Nichtsdestotrotz wird in und außerhalb Chinas lebhaft "Kulturrevolutionsgeschichte" geschrieben. |
Die Diskussion über Geschichte und Geschichtsschreibung spielt im intellektuellen Diskurs in China eine zentrale Rolle. In China wird Geschichte jedoch auf verschiedenen Ebenen geschrieben: Einerseits instrumentalisiert die Kommunistische Partei (KPCh) die offizielle Historiographie, um die öffentliche Diskussion zu lenken und zu kontrollieren. Dabei ist sie jedoch nicht sehr erfolgreich: Denn auf der anderen Seite findet auf einer akademischen Ebene eine längst nicht mehr kontrollierbare, international vernetzte Diskussion über die Interpretation und Deutung der chinesischen Geschichte statt. Aber auch in der interessierten Öffentlichkeit ist die chinesische Zeitgeschichte ein "heißes" Thema. |


