Beim Treffen der EU-BildungsministerInnen vergangene Woche Donnerstag und Freitag nahmen erstmals auch die MinisterInnen der Westbalkan-Staaten Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Mazedonien und Serbien-Montenegro teil. Unter anderem sollte ein "Pakt für Bildung mit dem Balkan" geschlossen werden; dazu diskutierten vor zwei Wochen rund 100 TeilnehmerInnen aus Westbalkan-Staaten an der Universität Wien bei der von der European University Association (EUA) organisierten Konferenz "Strengthening Higher Education and Research in South East Europe". Diese Länder sollen ab 2007 in die Mobilitätsprogramme der EU aufgenommen werden.
Weiters wurde beim Bildungsminister-Treffen die Diskussion zum Europäischen Qualifikationsrahmen (EQR) vorangetrieben. Mit dieser Initiative sollen die Bildungs- und Ausbildungssysteme besser miteinander vergleichbar gemacht und so quasi eine gemeinsame "Währung" für Bildung implementiert werden. EU-Bildungskommissar Jan Figel wollte außerdem die Pläne der Kommission zur Schaffung eines Europäischen Instituts für Technologie (EIT) präzisieren.
"The Contribution of Universities to the Competitiveness of Europe"
Beim Empfang im Rathauskeller am Donnerstagabend hielt Georg Winckler, Präsident der EUA, eine "Dinner Speech" mit dem Titel "The Contribution of Universities to the Competitiveness of Europe". Zentrale Aussage: Damit die Universitäten zur Wettbewerbsfähigkeit Europas beitragen können, müsse massiv in Bildung und die Universitäten investiert werden. Und er plädierte für eine Stärkung der Autonomie der europäischen Universitäten sowie mehr staatliche Ausgaben für das Hochschulsystem.
In seiner Rede erinnerte Winckler daran, dass genau dies ? mehr in Wissen und Innovation zu investieren ? die Europäische Kommission nachdrücklich empfiehlt und sich zum Ziel gesetzt habe, die derzeit 1,2 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP), die an die Universitäten fließen, bis 2010 auf zwei Prozent aufzustocken. Mit der Umsetzung der Lissabon-Strategie im Forschungsbereich zeigte sich Winckler jedoch unzufrieden. Trotz der zahlreichen Bekenntnisse zur erneuerten Lissabon-Strategie hätten die Brutto-Ausgaben für Forschung und den Hochschulsektor in fast allen EU-Ländern nur stagniert. In den USA, in Kanada und Südkorea würden zwischen 2,6 und 2,7 Prozent des BIP an die Universitäten gehen, selbst China liege bei einem BIP von 1,4 Prozent (1998: 0,7 Prozent) in der oberen Hälfte des Rankings der 25 EU-Länder. Auch würde China die USA und Japan und eben nicht Europa als "potential peers" im Bereich Forschung und Hochschulbildung sehen ? ein alarmierendes Zeichen, sagte Winckler.
Lesen Sie hier die Rede von Georg Winckler vom 16. März 2006 (PDF) im Original. Zusammenfassung
Zugang zu Universitäten verbreitern
Zusätzlich zur elitären Spitze müsse es genügend Breite an den Universitäten geben. Es sei nötig, den Zugang zu den Unis auf einer faireren Basis zu verbreitern, mehr Exzellenz anzustreben und mehr Diversifikation innerhalb des Systems zuzulassen. In den USA mit rund 300 Millionen Einwohnern gebe es rund 16 Mio. Studenten, von denen 14 Mio. mit einem Bachelor-Grad und zwei Mio. mit einem Master-Grad abschließen würden, so Winckler. In der EU mit insgesamt rund 400 Mio. Einwohnern würden rund zwölf Mio. Menschen studieren, von denen viele - vor allem jene mit limitierten finanziellen Mitteln - als Drop-Outs enden würden. Daher müsse einerseits der Hochschulzugang ausgeweitet werden und andererseits mehr Studenten die Chance zu einem Abschluss ihrer Ausbildung eröffnet werden.
Europas Unis fit machen
Auch auf dem Exzellenz-Sektor in der Forschung hinkt Europa nach: 80 Prozent der Top-20-Universitäten und mehr als die Hälfte der Top-100-Hochschulen würden sich in den USA befinden, während Europa nur mit zwei in den Top 20 und rund 30 in den Top 100 vertreten ist. Winckler forderte eine Modernisierung der europäischen Universitäten, um sie fit für die zukünftigen Herausforderungen eines "Europas des Wissens" zu machen. Dies sei möglich durch drei Leitlinien: Die Universitäten müssten aus dem Schatten der staatlichen Bürokratie treten und autonome Institutionen werden. Weiters agieren Universitäten in Europa meist innerhalb kleiner nationaler Systeme, es fehle die Anerkennung ausländischer Abschlüsse und die Mobilität der Studierenden und Lehrenden. Das europäische Uni-System leide unter Finanzierungsknappheit, weswegen der Standard von wenigstens zwei Prozent des BIP für Hochschulbildung erreicht werden müsse. (APA/mh) |