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Wissenschaft in Europa: Eine Frage der Nationalität? |
| EU-Erweiterung |
| Roland Dreger (Redaktion) am 30. März 2004 |
Schon bisher hatten Kooperationen mit osteuropäischen Universitäten an den physikalischen Instituten der Universität Wien Tradition. Was soll sich daran durch die EU-Osterweiterung ändern? Einfachere Zusammenarbeit durch weniger Bürokratie und vor allem Chancengleichheit für WissenschafterInnen in Ost und West. |
Im August 1968 rollten die Panzer der Warschauer-Pakt-Staaten in die damalige Tschechoslowakei ein. Der so genannte "Prager Frühling" fand damit sein jähes Ende. "Zur selben Zeit tagten in Wien die Teilchenphysiker anlässlich ihres jährlichen Weltkongresses", erinnert sich der Vorstand des Instituts für Theoretische Physik der Universität Wien, o. Prof. Dr. Herbert Pietschmann, noch sehr genau an die Ereignisse dieser Tage. "Wir konnten die Geschehnisse damals hautnah miterleben." Kurz darauf, erzählt er, sollte in Ungarn ein internationales Symposium stattfinden. Da Ungarn mitbeteiligt war an der Okkupation, beschlossen die PhysikerInnen einhellig einen Boykott des Symposiums. Stattdessen wurde die Idee einer grenzüberschreitenden Zusammenarbeit der drei Universitätsstädte Bratislava, Budapest und Wien auf dem Gebiet der Teilchenphysik ins Leben gerufen - die "Triangel Kollaboration". Etwas später schlossen sich die Städte Prag, Brünn, Ljubljana, Zagreb und Triest an. Konferenzen, Seminare, WissenschafterInnenaustausch und Graduiertenkollegs folgten auf das anfängliche politische Statement - bis heute. Offizielle Zusammenarbeit Die "Triangel Kollaboration" war eine der ersten Kooperationen der physikalischen Institute der Universität Wien mit osteuropäischen Universitäten nach dem Zweiten Weltkrieg. Viele sollten noch folgen und vieles wurde in den Jahren des 'Eisernen Vorhanges' erst dadurch möglich. So konnte etwa durch bilaterale Abkommen - die von Moskau gebilligt wurden - oft überhaupt erst eine Zusammenarbeit stattfinden. Und durch Gelder, die für solche Kooperationen vom Westen bereitgestellt wurden, konnten Reisekosten osteuropäischer WissenschafterInnen zu internationalen Konferenzen finanziert werden, die sie selbst nicht aufbringen hätten können. "Besonders am Anfang war es für die Kollegen aus Osteuropa auch wichtig, offizielle Universitätseinladungen zu bekommen, um überhaupt in den Westen reisen zu dürfen", so Pietschmann. In den letzten Jahren hat sich dabei doch einiges geändert und vieles soll sich noch ändern. Die Mehrzahl der WissenschafterInnen aus Osteuropa setzt große Erwartungen in den Beitritt ihrer Länder zur Europäischen Union. Dies kann Dr. Marek Zukowski, Professor an der Universität von Gdansk in Polen, nur bestätigen. Der Physiker arbeitet seit vielen Jahren mit dem Vorstand des Instituts für Experimentalphysik der Universität Wien, o. Prof. Dr. Anton Zeilinger, und WissenschafterInnen seines Teams eng zusammen und bezeichnet sich selbst als einen der optimistischsten Befürworter der EU-Osterweiterung. Einfach kompliziert Oft waren es bisher schon die einfachen Dinge, an denen es scheiterte, meint Zukowski: "In January there was a conference in Poland and an Austrian colleague wanted to present an experiment in quantum cryptography. But there was too much bureaucratic trouble to import his devices. After we join the EU, he will simply put everything into his car and bring it along then." Wie bei vielen anderen WissenschafterInnen haben sich bei dem Physiker aus der Zusammenarbeit mittlerweile zahlreiche Freundschaften zu KollegInnen in Wien entwickelt. Nicht zuletzt deshalb kommt Zukowski jedes Jahr immer wieder gerne nach Wien, in das "Mecca of quantum information", wie er sagt. Nur eines gefällt ihm an Wien überhaupt nicht: "If you come here by car, you incessantly get punishments for wrong parking. I think I paid forty-two Euros during my last stay in Vienna because I had no idea that there are these parking zones at some places." Unterschiede sieht er jedoch nicht nur im Parksystem von Österreich und Polen. Obwohl sich die Lage von Jahr zu Jahr bessert, sind die Gehälter und Forschungsgelder polnischer WissenschafterInnen immer noch um ein Vielfaches geringer als jene ihrer KollegInnen im Westen. Somit ist auch teures Laborequipment, wie es an Physikinstituten westlicher Universitäten gang und gäbe ist, nach wie vor Mangelware. Quanten-Kooperation Aber trotz der vielen, noch heute bestehenden Unterschiede haben PhysikerInnen aus Ost und West doch eines gemeinsam: Ihre Fachsprache ist Englisch. Sicherlich mit ein Grund dafür, dass speziell auf dem Gebiet der Physik die grenzüberschreitende Zusammenarbeit schon seit jeher exzellent funktioniert. Eine Zusammenarbeit, die nach einhelliger Auffassung in den kommen Jahren fortgesetzt und noch weiter intensiviert werden soll. Erst vor kurzem wurde wieder ein gemeinsames Projekt des Instituts für Experimentalphysik in Wien und jenem für theoretische Physik in Gdansk gestartet, das sich theoretischen und experimentellen Aspekten der Quanten-Kryptografie, der Quanten-Teleportation und des Quanten-Computers widmet. Anwendungen mit Zukunftsperspektive, wie man auch im Polen weiß. So will man aufbauend auf die schon bisher höchst erfolgreiche Arbeit auf dem Gebiet der Quanteninformation an der Universität in Gdansk den Fokus zukünftig verstärkt auf mögliche Anwendungen der Quantenphysik legen. Wofür man sich auch die finanzielle Unterstützung der EU erhofft. (ro) Institut für Experimentalphysik der Universität Wien Institut für Theoretische Physik der Universität Wien Institute of Theoretical Physics and Astrophysics University of Gdansk, Poland |
