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WissenschafterInnen- und Studierendenaustausch in Osteuropa |
| EU-Erweiterung |
| Dieter N. Unrath (Redaktion) am 18. März 2004 |
Im zweiten Teil des Interviews mit Univ.-Prof. Dr. Arnold Suppan lesen Sie über die Situation des WissenschafterInnen- und Studierendenaustausches sowie über die persönlichen Forschungserfahrungen des Historikers in den neuen EU-Ländern. |
Redaktion: Wie ist die Situation des WissenschafterInnenaustausches zwischen der Universität Wien und den Universitäten in den Beitrittsländern? Suppan: Der WissenschafterInnenaustausch hat erfreulicherweise beachtlich zugenommen. Das gilt sowohl für die ProfessorInnen als auch für jüngere AkademikerInnen und noch mehr für Studierende. Fast jede Woche besuchen uns neue junge WissenschafterInnen wie DissertantInnen und Postdocs, die für ein oder zwei Monate zu Forschungszwecken hier sind, weil die Wiener Archive für den/die HistorikerIn der Nachbarstaaten interessant und wichtig sind, vor allem für jene, die sich mit der Geschichte vor 1918 beschäftigen. Redaktion: Wirken ProfessorInnen vom Institut als GastprofessorInnen in den neuen Beitrittsländern? Suppan: Einer meiner Kollegen, o. Prof. Dr. Horst Haselsteiner, hält regelmäßig Vorlesungen in Budapest. Eine Kollegin, ao. Univ.-Prof. Dr. Emilia Hrabovec, wird an der Universität Trnava in der Slowakei mehrere Lehrveranstaltungen wahrnehmen. D.h. wir behelfen uns meist mit Einzelvorlesungen, diese haben aber nicht den Status von GastprofessorInnen. Die Möglichkeiten sind für uns einfach nicht gegeben. Die osteuropäischen Universitäten liegen im Bezahlungsschema zu weit hinten, das können sich die Lehrenden vielfach nicht leisten. Wir können uns nicht hier karenzieren lassen und dann von einem Zehntel des österreichischen Gehalts leben. Redaktion: Wie erfolgreich ist der Studierendenaustausch? Suppan: Bei den Studierenden sind in unseren Lehrveranstaltungen sicher ein Drittel der StudentInnen aus diesen Ländern, und zwar Dauerstudierende. Die österreichischen Studierenden fahren jetzt zahlreicher in die neuen EU-Länder als noch vor zehn Jahren. Das hat einfach länger gedauert, weil die Attraktivität nicht so hoch war. Aber das wird von Jahr zu Jahr besser. Favorit ist sicher Prag, an zweiter Stelle liegt Budapest. Redaktion: Welche Erfahrungen haben Sie als Wissenschafter in den neuen EU-Ländern gemacht? Suppan: Wichtig in der Forschung war und ist die Tatsache, dass man relativ rasch persönliche Beziehungen zu Menschen bekommt, die einem bei Forschungsthemen weiterhelfen können, etwa zu anderen ProfessorInnen oder ArchivarInnen. Das ist eigentlich das Entscheidende. Und um diese persönliche Betreuung zu bekommen, muss man sich eben auf einiges im jeweiligen Land einlassen bis hin zu kulturellen und mentalen Eigenheiten und natürlich auf die Sprache. Redaktion: Gibt es in der täglichen Forschungsarbeit auch heute noch Hindernisse? Suppan: Zu gewissen Themen gibt es auch heute noch Zugangsbeschränkungen, so z.B. zu Archiven über die Tätigkeit der Geheimdienste aus der kommunistischen Zeit. Sonst sind die meisten Tabuthemen verschwunden. Man muss nur herausfinden, wo sich die jeweiligen Akten befinden, sehr viele Unterlagen wurden ja 1989/90 "ausgelagert". Das betrifft auch Akten der ehemaligen Politbüros. Redaktion: Welche Themen waren lange tabu? Suppan: Bei den Themen hat sich einiges verändert, das ist ganz eklatant. Bis 1990 sind kaum kirchengeschichtliche und kirchenpolitische Themen behandelt worden. Auch bei den politikgeschichtlichen Themen gab es viele Tabuthemen, vor allem wenn es um die so genannten freundlichen Beziehungen zu den Bruderstaaten ging, die nicht immer so freundlich waren. (du) Lesen Sie hier den ersten Teil des Interviews mit Univ.-Prof. Dr. Arnold Suppan. Institut für Osteuropäische Geschichte |
