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Johanna-Dohnal-Teilstipendien vergebenInternationaler Frauentag 2005 (1): Der 8. März und seine Geschichten
Zagreb als Ort der Ersten Frauenbewegung?
Forschungsprojekte
Gastbeitrag von Natascha Vittorelli am 25. August 2003

Es scheint so etwas wie eine historische und geschichtswissenschaftliche Übereinkunft darüber vorzuherrschen, dass in Zagreb um 1900 keine Frauenbewegung existiert habe. Wenn es jedoch keine Frauenbewegung in Zagreb gegeben hat, was gab es dann? Und vor allem: Was wird gemeinhin unter der Formulierung "Erste Frauenbewegung" verstanden?, fragt ein Dissertationsprojekt der ÖAW.

"[Es] existiert eine richtige Frauenbewegung in Kroatien nicht, aber alle Voraussetzungen dafür bestehen, die Umstände sind derart, dass es für Frauen nicht schwer sein wird, in ihren Anliegen erfolgreich zu sein, die Macht der Gelegenheit zwingt uns vielmehr in sozialer und nationaler Hinsicht eine solche Bewegung zu unterstützen."

Diese Zeilen sind einem Artikel entnommen, der 1901 unter dem Titel "Die Frauenfrage in Kroatien" in der Triestiner Frauenzeitschrift "Slovenka" ("Slowenin") erschienen war. Fast hundert Jahre später kommt die Historikerin Lucija Benyovsky zu einem vergleichbaren Schluss: Frauenvereine feministischen Typs hätten in Kroatien vor dem Ersten Weltkrieg nicht existiert.

Was wird als Erste Frauenbewegung bezeichnet?

Wissenschaftliche Arbeiten zu historischen Frauenbewegungen beschreiben in der Regel neben Biographien außergewöhnlicher Frauenrechtlerinnen die Geschichte von Frauenzeitschriften und Frauenvereinen. Gewöhnlich liegt ein weiterer Schwerpunkt auf der Darstellung verzeichneter Erfolge wie etwa dem Erlangen des Frauenwahlrechtes oder des Rechtes auf Bildung, Ausbildung und Berufstätigkeit. Neuere Werke zur Frauenbewegungsgeschichte thematisieren zunehmend auch Fragen nach nationalen und internationalen Frauennetzwerken sowie nach Inszenierungen, Repräsentationen und Historisierungen einzelner Frauen oder Frauengruppierungen.
Im Rahmen des Dissertationsprojektes soll eine theoretische Auseinandersetzung mit dem Begriff der (Ersten) Frauenbewegung der Annahme gegenübergestellt werden, in Zagreb habe um 1900 keine Frauenbewegung existiert: gemäß Inhalten, Themen und auch Konventionen bestehender Frauengeschichtsschreibung legt eine solche Behauptung nahe, es hätte keine Frauenrechtlerinnen, keine Frauenvereine, keine Frauenzeitschriften, keine Frauennetzwerke gegeben. Dem war jedoch keineswegs so.

Frauenrechtlerinnen und frauenbewegte Aktivitäten in Zagreb um 1900

Die Journalistin, Schriftstellerin und Dramatikerin Marija Juric-Zagorka (1873-1957) etwa gilt als "Pionierin jugoslawischer Frauenanliegen". Sie wird nicht nur als "erste kroatische Berufsjournalistin", sondern auch als "populärste Publizistin" ihrer Zeit bezeichnet. Zagorka führte die 'Frauenrubrik' in die kroatischsprachige Presse ein und erregte 1905 als Parlamentsberichterstatterin der kroatischen Tageszeitung "Obzor" ("Horizont") in Budapest Aufsehen: der Budapester Parlamentsvorstand sah sich gezwungen, in einer eigens einberufenen Sitzung zu beraten, ob einer Frau der Zutritt ins Parlamentsgebäude überhaupt gestattet werden konnte.
Zagorka zählte später zu den wichtigsten Mitarbeiterinnen der Frauenzeitschrift "´enski svijet" ("Frauenwelt"), die 1917 von der Literatin und Publizistin Zofka Kveder (1878-1926) gegründet worden war. Kveder war seit 1911 für die samstägliche Frauenbeilage "Frauenzeitung" des deutschsprachigen "Agramer Tagblattes" verantwortlich gewesen. Die "Frauenzeitung" berichtete von Frauen und Frauenbewegungen in der ganzen Welt, informierte über frauenbewegte Aktivitäten in Kroatien und gab Tipps für Haushalt, Familie und Kindererziehung. Demgegenüber war "´enski svijet" weitaus kämpferischer ausgerichtet und forderte beispielsweise das Frauenwahlrecht.

Keine Frauenbewegung?

Bereits eine Generation zuvor hatten sich Lehrerinnen und Pädagoginnen mannigfaltig für weibliche Gleichberechtigung eingesetzt. Anfang der 1870er Jahre initiierte Marija Fabkovic (1833-1915) die Edition "´enska biblioteka" ("Frauenbibliothek"), die Frauen für die Lektüre wissenschaftlicher, ethischer und ästhetischer Werke gewinnen sollte. Aufgrund mangelnder Nachfrage wurde das Vorhaben nach der Herausgabe von drei Heften eingestellt.
Marija Jambri¨ak (1847-1937) wiederum engagierte sich jahrelang für die Errichtung eines Mädchenlyzeums, ehe 1892 in Zagreb das Provisorische Mädchenlyzeum eröffnet wurde; die erste staatliche Einrichtung dieser Art in Österreich-Ungarn - wie gerne betont wird. Gemeinsam mit ihrer ehemaligen Schülerin Jagoda Truhelka (1864-1957) redigierte Jambri¨ak ab 1900 das Lehrerinnenblatt "Na domacem ognji¨tu" ("Am heimischen Herd"), welches vor allem der Kommunikation zwischen Schule und Eltern sowie zur Aufklärung über fortschrittliche pädagogische Maßnahmen dienen sollte. Nach nur einem Jahr trat die Lehrerin, Sozialarbeiterin und Dichterin Milka Pogacic (1860-1936) deren Nachfolge an. Pogacic übte die Funktion der Redakteurin bis 1912 aus und trat dabei u.a. für das Frauenwahlrecht und gegen das Lehrerinnenzölibat ein und forderte 'Gleichen Lohn für gleiche Arbeit' für Lehrerinnen.
Es gab sie also: Einzelne Frauenrechtlerinnen, einzelne Frauenzeitschriften und auch Frauenvereine waren in der kroatischen Hauptstadt um die vorletzte Jahrhundertwende gegründet worden. Wieso angesichts all dessen und einigem mehr die Annahme vorherrscht, in Zagreb habe um 1900 keine Frauenbewegung existiert, bleibt vorerst ungeklärt.

Mag. Natascha Vittorelli arbeitet an einer Dissertation zur historischen/historiographischen Erforschung von Frauenbewegungen in südslawischen Gebieten der Habsburgermonarchie, welche von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen des DOC-Programms finanziert wird. Sie ist externe Lektorin am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien und derzeit Junior Visiting Fellow des Instituts für die Wissenschaften vom Menschen.

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